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Unwetterwarnung: Heftiger Sturm tobt über Europa

Hagel, Böen, Überschwemmungen: Ein Sturmtief hat über Teilen Europas schwere Schäden angerichtet. Bei Riesenwellen gerieten zwei Schiffe vor Großbritannien in Seenot. Der Deutsche Wetterdienst warnte für die Küstenregion vor weiteren orkanartigen Böen.

Hamburg - Vor der Westküste Schottlands erlitt heute morgen ein Fischkutter mit 14 spanischen Besatzungsmitgliedern Schiffbruch. Nach Angaben der Küstenwache befand sich das Schiff nahe der Insel St. Kilda in den Äußeren Hebriden. Die Besatzung sei evakuiert worden, hieß es. Die schlechte Witterung habe die Rettungsarbeiten jedoch erschwert.

Bei heftigem Sturm und Riesenwellen sind zwei Schiffe vor Großbritannien in Seenot geraten. Eine Autofähre mit 23 Menschen an Bord lief in der Nacht auf Freitag kurz vor der westenglischen Küste bei Blackpool auf Grund, nachdem sie von einer großen Welle getroffen worden war. Alle Besatzungsmitglieder und Passagiere konnten in einer dramatischen Rettungsaktion bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden, wie die Rettungskräfte mitteilten.

Die mit Lastwagen und Aufliegern beladene Fähre "Riverdance" hatte auf dem Weg von Nordirland vor der Grafschaft Lancashire Schlagseite bekommen, sagte ein Sprecher des Betreibers Seatruck Ferries. Nach ersten Angaben wurde niemand schwerer verletzt. Experten versuchten heute, das auf den Bahamas registrierte Frachtschiff zu bergen, es hatte auch 150 Tonnen Treibstoff an Bord. Schaulustige beobachteten das Spektakel von der Küste aus.

Die Rettung wurde von dem schlechten Wetter erheblich behindert, die Wellen sollen zum Teil sieben Meter hoch gewesen sein. "Die Bedingungen waren grauenhaft", sagte John Matthews von der Wasserwacht. "Aber es ging gut aus." Die Besatzungsmitglieder hatten zunächst versucht, die Fähre wieder flott zu machen, mussten das Schiff aber am Morgen verlassen.

In Schottland sorgten auch an Land Schneestürme für chaotische Verhältnisse. Straßen wurden gesperrt, es kam zu Unfällen, und hunderte Menschen waren von der Stromversorgung abgeschnitten. Ein Lastwagenfahrer kam bereits am Donnerstag ums Leben, als der Wind sein Fahrzeug umwarf. Meteorologen sagten für die Nacht zum Samstag zudem heftige Schneefälle voraus, die sich von Schottland und Nordengland in den Süden des Landes ausbreiten sollten.

Orkantief "Resi" wütet über Norddeutschland

Mehrere Menschen sind in Niedersachsen durch Sturmtief "Resi" mit orkanartigen Böen und Regen verletzt worden. Autos wurden von Fahrbahnen gedrückt, Bäume knickten um, Straßen und Bahngleise wurden gesperrt. Insgesamt fielen nach Polizeiangaben die Sachschäden durch den Sturm mit Spitzengeschwindigkeiten von bis 145 Stundenkilometern auf dem Brocken jedoch gering aus.

Beim einem Zusammenstoß mit einem umgeknickten Baum verletzte sich eine 39 Jahre alte Autofahrerin in Ehra-Lessien (Kreis Gifhorn) schwer. Ein Ast bohrte sich in den Oberkörper der Frau. Sie musste wegen der Schwere ihrer Verletzungen zu einer Notoperation in die Medizinische Hochschule Hannover gebracht werden.

In Wilhelmshaven gab es nach Polizeiangaben eine Reihe von Unfällen mit Leichtverletzten. Auf der A 27 überschlug sich südlich von Bremerhaven bei Glätte und Hagel ein Auto. Dort wurden drei Menschen leicht verletzt. Auch auf den Autobahnen A 28 und A 29 kam es zu einer Reihe von Unfällen. Hagelschauer führten zu eisglatten Straßen. Autos prallten in die Leitplanken.

Bei Sturmböen der Stärke 11 trieb nahe Bremerhaven ein vor Anker liegender 80 Meter langer Massengutfrachter auf der Weser ins Fahrwasser. Durch schnelles Eingreifen eines Lotsen und der Wasserschutzpolizei konnte jedoch ein möglicher größerer Schaden verhindert werden. Im Kreis Göttingen wurden Straßen durch umgestürzte Bäume blockiert. Die Aufräumarbeiten zogen sich mehrere Stunden hin.

Bereits am Donnerstag legte der Sturm auf der Strecke zwischen Stade und Horneburg den Bahnverkehr lahm. Durch die starken Böen wurde ein 30 Meter langer Baum entwurzelt, der auf die Gleise stürzte und die Oberleitungen abriss. Erst am frühen Freitagmorgen konnte der planmäßige Zugverkehr wieder aufgenommen werden.

Indes warnte der Deutsche Wetterdienst für die Küstenregion vor weiteren orkanartigen Böen. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ging für heute Abend von einer leichten Sturmflut für die niedersächsische Küste aus. Es bestand für das Vorland und die Strände Überflutungsgefahr. Der Pegel sollte mehr als einen Meter über das durchschnittliche Hochwasser steigen. Auch für den Samstag wurden noch höhere Wasserstände vorhergesagt. "Eine Gefahr für die Deiche besteht nicht", sagte Sprecher Achim Stolz.

Am Karnevalswochenende wird es auch für viele Jecken und Narren im Rheinland ungemütlich: Besonders in der Nacht zum Sonntag sollten Feiernde nicht längere Zeit im Freien verbringen, warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD). "Es wird mit minus ein bis minus sechs Grad und im Süden mit minus vier bis minus neun Grad knackig kalt", sagte der DWD-Experte Ansgar Engel.

Das winterliche Wetter hält aber nicht lange: Zu Beginn der neuen Woche kommen von Westen her wieder mildere atlantische Luftmassen. Am Samstag gibt es bei wechselnder Bewölkung Schneeschauer, in den Niederungen teils auch Schneeregenschauer, die vor allem im Norden etwas kräftiger ausfallen können. Die Temperatur steigt nur noch auf Werte zwischen zwei und sechs Grad, in höheren Lagen des Berglandes herrscht leichter Dauerfrost.

Am Sonntag ziehen über den Norden und Westen zeitweise dichte Schleierwolken, sonst ist es vielfach freundlich mit Sonnenschein. Die Nachmittagstemperatur liegt meist zwischen ein und fünf Grad, im Nordwesten bei sechs Grad, im Bergland herrscht Dauerfrost. Am Rosenmontag ist es vor allem nach Osten hin vielfach heiter, sonst wolkig, im Westen und Südwesten auch stark bewölkt. Dort fällt im weiteren Verlauf auch etwas Regen, im höheren Bergland auch Schneeregen oder Schnee. Mit Nachmittagstemperaturen zwischen drei und sieben Grad, in den Mittelgebirgen um ein Grad, wird es wieder ein wenig milder.

jjc/AP/AFP/dpa/ddp

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