Unwetterwarnung: Nordseeküste droht schwerste Sturmflut seit Jahrzehnten

Großbritannien und die Niederlande warnen vor der möglicherweise größten Nordsee-Sturmflut seit Jahrzehnten. Rotterdams Hafen droht die Komplettsperrung, in England könnte das Wasser über die Deiche treten, Öl- und Gasplattformen sind stillgelegt - auch Norddeutschland ist gefährdet.

Hamburg - Die niederländischen Behörden haben wegen der erwarteten Sturmflut die Deichwacht entlang ihres gesamten Küstenabschnitts alarmiert. Der größte europäische Hafen in Rotterdam muss womöglich seinen Betrieb komplett einstellen.

Hafen in Rotterdam: "Ähnliche Bedingungen wie bei der Sturmflut 1953"
AFP

Hafen in Rotterdam: "Ähnliche Bedingungen wie bei der Sturmflut 1953"

Erstmals wird voraussichtlich auch eine eigens gegen Sturmfluten gebaute Barriere geschlossen, die die Stadt vor Überschwemmungen schützen soll. Nach Ansicht des niederländischen Verkehrsministeriums könnte der Sturm über der Nordsee historische Ausmaße erreichen. "Die Sturmbedingungen sind sehr ähnlich wie 1953", sagte ein Sprecher. Damals zerstörte ein schwerer Sturm zahlreiche Deiche; etwa 1800 Menschen kamen ums Leben.

Die britische Regierung gab Flutwarnungen für große Teile der Grafschaften Norfolk und Kent aus. Die Gefahr bestehe, dass das Meer über Deiche steige, sagte Umweltminister Hilary Benn im Parlament. Eine Springflut mit besonders hohem Wasserspiegel falle zusammen mit einem starkem Sturm. Regierungschef Gordon Brown berief eine Krisensitzung ein, um den Katastrophenschutz zu koordinieren.

Wegen des Sturms über der Nordsee stoppte der norwegische Energiekonzern StatoilHydro die Öl- und Gasförderung an mehreren Feldern. Dadurch entfalle eine Produktion von 320.000 Fass pro Tag, teilte das Unternehmen mit. Es sei noch nicht klar, wann die Förderung wieder aufgenommen werden könne.

Auch Norddeutschlands Küsten sind gefährdet. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz geht von einem Seegang von 8,50 Metern nördlich der Insel Norderney aus. Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) warnen vor ersten Orkanböen nach Mitternacht. Schäden seien nicht auszuschließen. Für den Hamburger Hafen wird erwartet, dass das Wasser bis zu 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser stehen wird. Durch die starken Nordwestwinde könnte die Sturmflut im Tagesverlauf noch zunehmen.

Bei einer der schwersten Sturmfluten der vergangenen hundert Jahre waren im November 2006 Dünen auf den ostfriesischen Inseln abgebrochen. Auf dem Festland hingegen hielten sich damals die Schäden in Grenzen. Das Emssperrwerk bei Emden war geschlossen und so eine Überflutung des Hinterlandes verhindert worden. Experten hatten 40 Kilometer nördlich von Borkum Rekordwellen von bis zu 17 Meter Höhe beobachtet.

jjc/dpa/Reuters

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