Unwetterwarnung Shanghai rüstet sich für schweren Taifun

Die chinesische Millionenmetropole Shanghai bereitet sich auf die Ankunft des schweren Taifuns "Wipha" vor. Rund 200.000 Menschen sollen evakuiert werden. Meteorologen erwarten, dass erstmals seit zehn Jahren ein Wirbelsturm die Stadt unmittelbar treffen wird.


Shanghai - Der Sturm "Wipha" befand sich um 11 Uhr morgens Ortszeit (5.30 Uhr MESZ) noch rund 400 Kilometer vor der Küste der Metropole, in der 17 Millionen Menschen leben. "Es ist das erste Mal in zehn Jahren, dass das Auge des Sturms wahrscheinlich genau in Shanghai die Küste erreichen wird", sagte Ding Ruoyang vom Shanghaier Wetteramt. Bis zu 20 Zentimeter Niederschläge pro Quadratmeter wurden erwartet.

Chinesin mit Regenschirm, gegen "Wipha" kämpfend: 20 Zentimeter Niederschlag
AP

Chinesin mit Regenschirm, gegen "Wipha" kämpfend: 20 Zentimeter Niederschlag

"Die Evakuierung betrifft vor allem Menschen, die in alten und maroden Häusern leben, sowie Arbeiter, die in provisorischen Unterkünften oder in der Nähe der Küste wohnen", sagte Ding. In der benachbarten Provinz Zhejiang ordneten die Behörden ebenfalls Notmaßnahmen an. Es wurden Lebensmittel- und Wasserreserven angelegt, der Fährverkehr und die Fischerei wurden unterbrochen, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Die vor der chinesischen Küste gelegene Insel Taiwan drosselte angesichts des Taifuns den Flugzeugverkehr und stellte den Börsenhandel frühzeitig ein. Behörden und Schulen im Norden der Insel blieben geschlossen. Die Bewohner der betroffenen Regionen wurden aufgerufen, sich auf mögliche Überschwemmungen einzustellen.

Flüge nach Japan oder in die USA wurden angesichts des herannahenden Sturmes abgesagt und auch alle inländischen Flüge wurden gestrichen. Im Vorfeld der Ankunft des Taifuns, der sich vom Meer her der nördlichen Küste Taiwans näherte, wurden einige von Erdrutschen bedrohte Dörfer geräumt. "Wipha" bewegte sich am Morgen mit 20 Stundenkilometern vorwärts, innerhalb des Taifuns erreichten die Winde Höchstgeschwindigkeit von bis zu 172 Stundenkilometern.

jdl/AFP

Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.



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