Urteil: Freispruch für Schauspieler Kaufmann

Es war der Auftritt seines Lebens: Ein bekannter Schauspieler gesteht, seinen Steuerberater umgebracht zu haben, doch in Wahrheit schützt er nur die Täterin, seine todkranke Frau. Jetzt hat das Landgericht Augsburg die Aufführung beendet - und den Darsteller Günther Kaufmann freigesprochen.

Schauspieler Günther Kaufmann: "Treuherzig und leichtgläubig"
DPA

Schauspieler Günther Kaufmann: "Treuherzig und leichtgläubig"

Augsburg - Mit seinem Urteil folgte die Strafkammer den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die beide auf unschuldig plädiert hatten. In seinem ersten Prozess in München war der heute 57-jährige Kaufmann Ende 2002 auf Grund seines eigenen falschen Geständnisses wegen schwerer räuberischer Erpressung mit Todesfolge zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.

Dem Schauspieler war vorgeworfen worden, zusammen mit seiner Frau aus Geldsorgen seinen Steuerberater überfallen und dabei getötet zu haben. Weil Kaufmann der Polizei aber keine Details der Tat hatte erklären können, waren schon damals Zweifel an seiner Schuld aufgekommen.

Ein Jahr nach dem ersten Urteilsspruch hatten drei Berliner Kriminelle nach ihrer Festnahme zugegeben, den Überfall auf den Steuerberater begangen zu haben. Dabei sei das Opfer versehentlich ums Leben gekommen. Die Täter wurden im November 2004 zu Freiheitsstrafen von zehneinhalb bis 14 Jahren verurteilt. Daraufhin hatte Kaufmann sein Geständnis widerrufen, war freigelassen worden und hatte die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt.

Im folgenden Prozess in Augsburg wurde deutlich, dass Kaufmanns - inzwischen an Krebs gestorbene - Ehefrau Alexandra das Berliner Trio zu dem Überfall auf den Steuerberater angestiftet hatte. Nach Angaben der Anklage hatte die Frau mit dem Überfall einen Kreditbetrug vertuschen wollen. Kaufmann hatte nach eigener Aussage damals ein falsches Geständnis abgelegt, um seine todkranke Ehefrau vor harten Polizeiverhören zu schützen. Nach Ansicht der Anklagevertreter hatte der Darsteller nichts von den Machenschaften seiner Frau geahnt. Er sei ein "treuherziger und leichtgläubiger" Mann, der seine Frau abgöttisch geliebt habe und ihr hörig gewesen sei.

Kaufmann hatte sich in seinem Schlusswort entschuldigt. Er habe mit seinem falschen Geständnis vielen Menschen große Probleme bereitet. Auch "mir selbst habe ich dabei viel kaputt gemacht", sagte der Schauspieler.

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