Urteil im Fall "durchgeknallter Staatsanwalt" Naumann muss 9000 Euro zahlen

Der "durchgeknallte Staatsanwalt" kostet den Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit", Michael Naumann, 9000 Euro. Naumann hatte den Berliner Oberstaatsanwalt Hansjürgen Karge wegen dessen Verhalten in der Friedman-Affäre mit diesem Begriff belegt. Jetzt befand ihn das Amtsgericht Tiergarten der Beleidigung schuldig.


"Zeit"-Mitherausgeber Naumann: Staatsanwalt Karge persönlich herabgesetzt
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"Zeit"-Mitherausgeber Naumann: Staatsanwalt Karge persönlich herabgesetzt

Berlin - Karge hatte Naumann wegen Beleidigung verklagt, weil er sich durch dessen Äußerung in der TV-Show "Talk in Berlin" persönlich herabgesetzt gefühlt hatte. Der "Zeit"-Mitherausgeber Michael Naumann hatte Karge, der in der Rotlicht- und Drogenaffäre Michel Friedman ermittelte, einen "durchgeknallten Staatsanwalt" genannt.

Auch das Vorgehen der Berliner Behörde hatte Naumann scharf kritisiert: Gegenüber SPIEGEL ONLINE sagte der "Zeit"-Mitherausgeber im Juli: Im Fall Friedman seien vier Päckchen mit kokainähnlichen Anhaftungen in der Wohnung eines Verdächtigen gefunden worden. Aber der Name des Verdächtigen sei nicht etwa geheim gehalten worden, sondern, wurde "von wem auch immer, der Presse mitgeteilt".

Nun hat das Amtsgericht Berlin-Tiergarten befunden, die Äußerung "durchgeknallt" sei eine Beleidigung. Ob Naumann die Geldstrafe in Höhe von 9000 Euro zahlen wird, bleibt abzuwarten - er hatte angekündigt, gegen einen Schuldspruch nötigenfalls auch bis zum Verfassungsgericht zu gehen, da es hier um sein Recht auf freie Meinungsäußerung gehe.



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