Unglück vor Giglio US-Firma soll "Costa Concordia" bergen

Eine US-Spezialfirma wird die gekenterte "Costa Concordia" in den nächsten zwölf Monaten für den Abtransport in einen italienischen Hafen vorbereiten. Den Plänen zufolge soll das Wrack in einem Stück gehoben und aus der Bucht geschleppt werden.

Bad vor Wrack-Kulisse: Ein Mann stürzt sich neben der "Costa Concordia" ins Meer
DPA

Bad vor Wrack-Kulisse: Ein Mann stürzt sich neben der "Costa Concordia" ins Meer


Genua - Die Reederei Costa Crociere hat sich für Titan Salvage entschieden: Der "Weltführer" in Sachen Bergung soll das vor der Insel Giglio havarierte Kreuzfahrtschiff heben, teilte ein Sprecher der Reederei am Samstag in Genua mit. Die Operation solle Anfang Mai beginnen und in etwa einem Jahr beendet sein, hieß es.

Der Bergungsplan muss noch von den Behörden gebilligt werden. Er sieht vor, die "Concordia" in einem Stück zu heben und dann an Land zu ziehen, erklärte ein Sprecher der Reederei, die durch ihr wenig transparentes Krisenmanagement nach der Havarie harsch kritisiert wurde.

Das in Pompano Beach im US-Bundesstaat Florida ansässige Unternehmen "Titan Salvage" hat laut eigenen Angaben seit 1980 bereits 350 Wracks weltweit geborgen. Die "Costa Concordia" soll in Zusammenarbeit mit "Microperi" geborgen werden, einem Unternehmen aus Ravenna, das unter anderem für die italienische Marine tätig ist. "Titan Salvage" hatte sich gegen sechs Mitbewerber durchgesetzt.

Im 24. März hatten die Firmen "Smit Salvage" und "Tito Neri" das Abpumpen des im Wrack verbliebenen Treibstoffs erfolgreich beendet. In den Gewässern von Giglio wird gefischt, außerdem sind hier Delfine heimisch. Bedenken, dass sowohl die Umwelt als auch der Tourismus unter der aufwendigen Bergungsaktion leiden könnten, sind groß.

Bei den Bergungsarbeiten des havarierten Kreuzfahrtschiffes werde der Schutz der Umwelt höchste Priorität haben, teilte die Reederei mit. Sobald das vor der toskanischen Insel Giglio liegende Wrack flottgemacht und abtransportiert sei, werde der Meeresboden gesäubert und neu bepflanzt. Auch auf die Belange der Touristeninsel Giglio in der Sommersaison werde Rücksicht genommen. Mitarbeiter, Ausrüstung und Bergungsmaterial sollen auf dem Festland untergebracht werden.

Bei der Havarie des Kreuzfahrtschiffes vom 13. Januar kamen 30 Menschen ums Leben, darunter zwölf Deutsche. Zwei Menschen werden immer noch vermisst. Dabei handelt es sich nach Angaben der Präfektur in Grosseto um eine Italienerin und um ein indisches Crewmitglied. Die "Costa Concordia" war mit über 4200 Menschen an Bord gekentert.

Im Zentrum der Kritik steht Kapitän Francesco Schettino, der sich wegen fahrlässiger Tötung, Herbeiführung eines Schiffbruchs und frühzeitigen Verlassens des Schiffs vor Gericht verantworten muss. Ebenfalls angeklagt ist sein Erster Offizier Ciro Ambrosio.

ala/dpa

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