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Schusswaffengebrauch: US-Polizisten töten in nur fünf Monaten 385 Menschen

In den USA tobt die Debatte über Rassismus und Gewalt bei der Polizei. Wie die "Washington Post" berichtet, haben Polizisten im laufenden Jahr 385 Menschen erschossen. In nur drei Fällen mussten sie sich wegen einer Straftat verantworten.

Jeden Tag sterben im Durchschnitt 2,6 Menschen in den USA durch Polizeigewalt. Das berichtet die "Washington Post". Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres seien 385 Menschen von Gesetzeshütern erschossen worden, so die schreckliche Bilanz - 365 Männer und 20 Frauen.

US-Polizisten sind autorisiert, zu schießen, wenn sie ihr eigenes oder das Leben anderer bedroht sehen. 80 Prozent der Polizeiopfer waren bewaffnet, meistens mit Pistolen. In nur drei der insgesamt 385 Todesfälle musste sich ein Beamter wegen einer Straftat verantworten.

Einer von sechs Erschossenen war unbewaffnet oder trug eine Spielzeugpistole. Etwa die Hälfte der Opfer war weiß. Bei Betrachtung der unbewaffneten Opfer veränderte sich das Bild deutlich: Dann waren in zwei von drei Fällen Schwarze oder Menschen lateinamerikanischer Herkunft betroffen. Die Opfer waren zwischen 16 und 83 Jahre alt, 92 von ihnen sollen psychisch krank gewesen sein.

Knapp tausend Opfer in 2015 zu erwarten

Die Analyse der "Washington Post" basiert auf Daten, die sie selbst zu jedem tödlichen Schusswechsel im laufenden Jahr gesammelt hat - auch zu Polizisten, die im Dienst getötet wurden. Die Zeitung hat explizit nur Todesfälle durch Schusswaffengebrauch dokumentiert - also keine Übergriffe mit anderen Waffen wie etwa Messern. Als Quellen seien unter anderem Polizeiberichte, Lokalnachrichten und Interviews genutzt worden, hieß es.

Die Statistiken der Bundespolizei FBI für das vergangene Jahrzehnt weisen nur etwa 400 tödlichen Schießereien per annum aus, mit einer Rate von 1,1 Opfern pro Tag. Diese Zahlen waren immer wieder als unvollständig kritisiert worden. Sollten die Berechnungen der "Washington Post" zutreffen, muss man für 2015 mit knapp tausend Opfern rechnen.

"Wir werden niemals die Zahl der polizeilichen Übergriffe mit Schusswaffen reduzieren, wenn wir nicht anfangen, sie genau zu dokumentieren", sagte Jim Bueermann, Vorsitzender der "Police Foundation", einer Nonprofit-Organisation, die sich der Optimierung der Polizeiarbeit durch Erhebung von Daten widmet.

In den USA hatte es in den vergangenen Monaten immer wieder Unruhen in Städten wie Baltimore oder Ferguson gegeben, nachdem vor allem unbewaffnete Schwarze von Polizisten erschossen worden waren.

ala/dpa/Reuters

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