Schule nimmt blindem Kind Stock weg Die Nudelstrafe

Der kleine Dakota Nafzinger kam ohne Augen zur Welt. Seit er denken kann, tastet er sich mit einem Blindenstock durch die Welt. Der wurde ihm jetzt von seiner Schule weggenommen - und durch eine limettengrüne Schwimmnudel ersetzt.

Gracemore-Grundschule in Kansas: Poolnudel statt Blindenstock
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Gracemore-Grundschule in Kansas: Poolnudel statt Blindenstock


Kansas City - Dakota Nafzinger ist acht Jahre alt und leidet unter bilateraler Anophthalmie. Das bedeutet, dass ihm von Geburt an beide Augen fehlen.

Dakota besucht die Gracemor-Grundschule im US-Bundesstaat Kansas. Dort kam es am Montag zum Eklat: Der Achtjährige soll im Schulbus ein Kind mit seinem Blindenstock geschlagen haben. Die Schule beschloss daraufhin, den Stock durch eine limettengrüne Schwimmnudel zu ersetzen. Begründung: Das Kind stelle "eine Gefahr für sich selbst und andere dar". Zwei Wochen lang sollte Dakota sich mit dem Spielzeug in der Hand durchs Leben tasten, wie US-Medien berichten.

Die Eltern reagierten entsetzt ob der Demütigung ihres Kindes: "Warum tut man so etwas?", fragte die Mutter dem Sender Fox4KC zufolge. "Warum sollte man ihm wegnehmen, was er doch die ganze Zeit nutzen soll? Das sind doch seine Augen!" Der Vater erklärte, sein Sohn hebe den Blindenstock manchmal in die Höhe, der Busfahrer könnte diese Geste als aggressiv missverstanden haben. Dakota selbst sagte, dass die unhandliche Styropornudel als Laufhilfe völlig ungeeignet sei, weil er damit nichts ertasten könne.

Die Verantwortlichen versuchten, den Streit auf eine materielle Ebene zu ziehen: Eine Sprecherin der zuständigen Schulbehörde betonte, der Blindenstock sei Eigentum der Schule, Dakota habe ihn bei Schuleintritt ausgehändigt bekommen. Deshalb sei es legitim gewesen, ihm die Gehhilfe wieder wegzunehmen, nachdem er jemanden damit geschlagen hatte.

Der Busfahrer soll dem Kind die Schwimmnudel gegeben haben, weil es dazu tendiere, herumzuzappeln, solange es nichts in der Hand halte. Die Eltern gaben an, dass Dakota abgesehen von seiner Blindheit ein aktives Kind sei, das gern singt, schwimmt und angeln geht.

Die Schulbehörde strengte eine interne Untersuchung an, Bezirksvertreter entschuldigten sich bei der Familie Nafzinger. Auf der Facebook-Seite der Schule hieß es: "Wir bedauern, dass ein Fehler gemacht wurde."

ala

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