Botschaft eines US-Sheriffs Politisch inkorrekt und stolz darauf

Sheriff Mike Jolley aus Georgia hat eine Botschaft für all jene, die sich an "Gott segne Amerika" stören: Verschwindet! Das passende Schild hat er vor seinem Dienstgebäude aufgestellt - im Namen der "schweigenden Mehrheit".

Schild vor Büro des Sheriffs: Nicht jeder dürfte sich willkommen fühlen
REUTERS/Harris County Sheriffs Department

Schild vor Büro des Sheriffs: Nicht jeder dürfte sich willkommen fühlen


Geschäfte wünschen nicht mehr "Frohe Weihnachten", sondern nur noch "Schöne Feiertage" - um nichtchristliche Kunden nicht zu verärgern. Polizisten und Soldaten werden eher angefeindet als gefeiert. Und wer "Gott segne Amerika" oder "Wir vertrauen auf Gott" sagt, wird belächelt.

All das hält Sheriff Mike Jolley aus dem Bezirk Harris im US-Bundesstaat Georgia für Auswüchse der politischen Korrektheit. Die geht ihm gewaltig auf den Keks.

Genug, dachte sich Jolley - und setzte ein Zeichen. Genauer gesagt stellte er ein Schild vor seinem Dienstgebäude auf, das dem Diktat der politisch Korrekten endlich etwas entgegensetzen soll.

"Warnung: Der Bezirk Harris ist politisch inkorrekt. Wir sagen Frohe Weihnachten, Gott segne Amerika und Wir vertrauen auf Gott. Wir grüßen unsere Truppen und unsere Flagge. Falls Sie das ärgert ... VERSCHWINDEN SIE!", heißt es darauf.

Jolley hat aus eigener Tasche 553 Dollar für das Schild bezahlt. Nach eigenen Angaben hat er überwältigende Rückmeldungen aus der Gemeinde bekommen. Nun will er weitere Schilder aufstellen. Bürger sollen schon angeboten haben, dafür zu bezahlen.

Er wolle "Glaube und Patriotismus anregen", sagte Jolley der Lokalzeitung "Columbus Ledger-Inquirer". "Es ist an der Zeit, dass die schweigende Mehrheit für unsere Überzeugungen einsteht und sich nicht schämt", sagte er. "Vielleicht wird die schweigende Mehrheit nicht länger schweigen."

"Gläubige zu Insidern und Nichtgläubige zu Außenseitern"

Jolley ist überzeugt: Diese Mehrheit sieht die Sache ganz genauso wie er. Das Problem damit ist nur, dass man nie wissen kann, was die schweigende Mehrheit tatsächlich denkt, weil sie ja schweigt. Aber das ficht Jolley nicht an. Ebenso wenig, dass Kritiker anmerken, durch das Schild zwänge er anderen seine Überzeugung auf und mache dadurch genau das, was er am Verhalten der aus seiner Sicht politisch Korrekten kritisiere.

Die Nichtregierungsorganisation Freedom From Religion Foundation darf Jolley jedenfalls nicht zu seinen Unterstützern zählen. Es sei unangemessen, dass ein Sheriff sich anmaße, für eine ganze Gemeinde zu sprechen, sagte Annie Laurie Gaylor, Präsidentin der Organisation laut "Washington Post".

Jolley überschreite seine Kompetenzen, indem er persönliche Ansichten auf öffentlichem Grund verbreite. Durch das Schild fühlten sich Besucher und Bürger, die nicht religiös sind oder die an die Trennung von Kirche und Staat glauben, nicht willkommen. Das Schild mache "Gläubige zu Insidern und Minderheiten und Nichtgläubige zu Außenseitern."

In Jolleys Sheriff-Büro sind rund 75 Personen beschäftigt. Was Mitarbeiter, die keine Christen seien, über das Schild denken? Der Lokalzeitung zufolge sagte Jolley, diese Leute seien mehr als willkommen, jeden Gott anzubeten, den sie als angemessen erachteten.

ulz/AP

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