"Bomben-Zyklone" in Nordamerika Im Griff der Kälte

Ein heftiger Wintersturm überzieht große Teile der USA mit Schnee und eisigen Temperaturen. Ganze Gebiete kämpfen mit Stromausfällen und Überflutungen, es soll mindestens 20 Tote geben.


An der US-Ostküste kämpfen die Menschen mit heftigem Schneefall und bitterer Kälte. Zehntausende Haushalte in mehreren Bundesstaaten mussten zeitweise ohne Strom auskommen, wie der Sender ABC berichtete. Sogar im südlichen Florida fiel Schnee. Insgesamt sollen durch die Kältewelle mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen sein.

Wegen des Extremwetters wurden demnach mehr als 4000 Flüge gestrichen, einige der wichtigsten Flughäfen im Nordosten des Landes haben den Betrieb vollständig eingestellt. In mehreren Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen. Der US-Wetterdienst warnt weiter vor starkem Wind, anhaltendem Schneefall und Küstenüberschwemmungen, während der Wintersturm die Küste entlang nordwärts zieht.

US-Meteorologen hatten vor einer "Bomben-Zyklone" gewarnt. Die entsteht, wenn der Luftdruck im Zentrum eines Tiefdruckgebiets ungewöhnlich schnell abfällt - und zwar um mindestens 24 Millibar in nur 24 Stunden. Dadurch entwickeln sich die Tiefdruckgebiete geradezu explosiv, und es entstehen starke Winde. Das Wetterphänomen wird auch als "Wetterbombe" oder "explosive Zyklogenese" bezeichnet (mehr darüber erfahren Sie hier).

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Kältewelle: Schneesturm in den USA

In Massachusetts waren am Donnerstag 24.000 Haushalte ohne Strom, wie der Gouverneur des Bundesstaates, Charlie Baker, sagte. Auch in Virginia und Connecticut gab es Medienberichten zufolge zeitweise keine Elektrizität. Starke Winde könnten laut Wetterdienst auch weiterhin Bäume entwurzeln und zu Stromausfällen führen. In vielen Orten fiel der Unterricht an Schulen aus.

In Küstengebieten kam es stellenweise zu Überflutungen. Aufnahmen aus der Stadt Revere in Massachusetts zeigten überflutete Autos auf einer zugefrorenen Straße. Der Wetterdienst warnte vor möglichen weiteren Überschwemmungen in anderen Gebieten im Nordosten des Landes.

Nach einem Bericht des Senders NBC sollen infolge des kalten Wetters seit dem 26. Dezember mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen sein. In North Carolina gab es drei Tote, wie Gouverneur Roy Cooper mitteilte. Im Bezirk Moore County starben demnach zwei Männer, nachdem ihr Truck von der Straße abgekommen war. Einen weiteren Toten gab es in Surf City.

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"Bomben-Zyklone": Kälte-Explosion

Das als "Sonnenschein-Staat" bekannte Florida vermeldete zum ersten Mal seit 29 Jahren signifikanten Schneefall. Bilder zeigten Leguane, die wegen der ungewohnt niedrigen Temperaturen erstarrt und von Bäumen gefallen sein sollen. "Wenn die Temperatur sinkt, schalten sie buchstäblich ab, und sie können sich nicht mehr an den Bäumen festhalten", sagte Ron Magill, Sprecher des Zoos in Miami, der "New York Times". Auch Meeresschildkröten sollen bei kalten Temperaturen regelrecht erstarren.

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In New York blieb das befürchtete ganz große Chaos bislang aus. Bürgermeister Bill de Blasio riet Anwohnern, möglichst zu Hause zu bleiben. Stadtweit waren 1500 Räum- und rund 700 Streufahrzeuge im Einsatz. Der Verkehr schob sich schleppend durch Schnee und Matsch, die U-Bahn fuhr aber weitgehend nach Plan.

Die New Yorker Flughäfen John F. Kennedy und LaGuardia sollen nach Betreiber-Angaben am Freitagmorgen (Ortszeit) ihren Betrieb wieder aufnehmen. Für Freitag wurden der Website FlightAware.com zufolge dennoch insgesamt mehr als tausend Flüge gestrichen.

Im Video: Wintersturm tobt über Nordamerika

Auch nach dem Sturm ist für die Ostküste noch keine Entspannung in Sicht. Am Wochenende soll eisige, arktische Kälte folgen. Erst Anfang der kommenden Woche soll es wieder wärmer werden.

Anmerkung: Es handelt sich nicht um einen Zyklon, sondern um eine Zyklone, also um ein Tiefdruckgebiet. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

mxw/dpa/AFP



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Planquadrat 05.01.2018
1. Ende des letzten Sommers
gab es einen Bericht in dem Wetter-Experten für die USA einen Jahrtausend-Winter angekündigt hatten. Ganz daneben lagen sie wohl nicht. Aber für uns bedeutet dies, dass unser Winter danke dieser Wetterlage in den USA und Canada bisher ausgefallen ist, was mich persönlich wiederum freut.
Björn L 05.01.2018
2. Flugzeugträger können sie bauen, aber keine unterirdischen Kabel
Wann immer es zu einem Kälteeinbruch kommt, kollabieren Stromleitungen. Da scheinbar die meisten davon aus Holz sind, ist das auch kein wunder. Vielleicht sollten die Amis mal eher in ihre Infrastruktur investieren, als die Destabilisation der Welt. Diesmal hat Trump wohl keine Schuld, genauso nachlässig waren schon seine Vorgänger
monolithos 05.01.2018
3. Klimawandel heißt nicht automatisch Klimaerwärmung
... und Klimaerwärmung heißt nicht, dass wir alle Sommerurlaubswetter bekommen. Wie es aussieht, lagen die Ideengeber hinter "The Day After Tomorrow" wohl nicht so ganz daneben.
gucky2009 05.01.2018
4.
Zitat von Planquadratgab es einen Bericht in dem Wetter-Experten für die USA einen Jahrtausend-Winter angekündigt hatten. Ganz daneben lagen sie wohl nicht. Aber für uns bedeutet dies, dass unser Winter danke dieser Wetterlage in den USA und Canada bisher ausgefallen ist, was mich persönlich wiederum freut.
So ein Jahrhundert/Jahrtausend-Winter wird eigentlich (nicht nur in den USA) jährlich angekündigt. Nur um dann bei einem (halbwegs) Treffer alle 5-10 Jahr zu sagen: "Hab ich doch gesagt" Diese Wetterlage trifft uns auch öfter. Das bekannteste Jahr dürfte 1962/63 sein, aber auch in den letzten Jahren hat uns diese WACCY-Effekt getroffen. Zwar nicht so lange und so extrem, aber ohne diesen WACCY-Effekt wären die Winter noch viel milder im Schnitt als sie es mittlerweile sind.
Concilla 05.01.2018
5. Kanada?
Macht der Schneesturm an der Grenze zu Kanada halt? Oder gibt es da auch extreme Winterbedingungen? Liest man merkwürdigerweise nie etwas davon.
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