Arkansas: Finderin von Lottoschein soll Millionengewinn zurückgeben

Lottoposse im US-Bundesstaat Arkansas: Eine Frau kauft ein Los, wirft es aber weg. Eine zweite Frau fischt das Ticket aus dem Müll, löst es ein und gewinnt eine Million Dollar. Eine dritte Frau macht Ansprüche geltend. Wem gehört das Geld? Nun hat ein Richter ein Urteil gefällt.

Lotto-Posse in Arkansas: Drei Frauen und eine Million Dollar Fotos
AP

Searcy - Die unglaubliche Geschichte begann in einem kleinen Laden in Beebe, einer winzigen Stadt im US-Bundesstaat Arkansas, etwa 40 Meilen nördlich von Little Rock. Hier schob Sharon Duncan einen von ihr gekauften Lottoschein in einen Ausleseautomaten, erhielt auf dem Display die Nachricht, dass sie leider nichts gewonnen habe - und warf das Ticket in einen eigens dafür angebrachten Papierkorb.

Kurze Zeit später kam Sharon Jones in den Laden, schnappte sich - wie schon häufiger - eine handvoll Scheine aus dem Abfall und kontrollierte, ob nicht vielleicht doch ein Gewinn darunter war. Dieses Mal hatte sie Glück: Ein Ticket brachte eine Million US-Dollar. Es war der Schein von Sharon Duncan.

Nun hat ein Richter in der Stadt Searcy in dem Streit entschieden. Die Finderin des Lottoscheins muss den Gewinn sehr wahrscheinlich abgeben. Richter Thomas Hughes sprach das Geld am Dienstag der Käuferin Sharon Duncan zu. "Die eine Million Dollar war nicht einfach gefundenes Geld", sagte Hughes. Die Finderin habe nie abschließend sichergestellt, dass die Käuferin ihren Anspruch auf den Gewinn aufgegeben habe.

Jones' Anwalt verkündete nach dem Urteil, Einspruch einlegen zu wollen. Seiner Meinung nach sollte es niemandem gestattet sein, Sachen, die einmal weggeworfen wurden, wieder für sich zu beanspruchen. Zudem habe seine Klientin einen Teil des Geldes bereits für einen neuen Wagen ausgegeben und ihren Kindern Geld geschenkt, sagte Anwalt James Simpson.

Geschäftsführerin brachte Prozess in Gang

Die Finderin hatte zuvor ausgesagt, schon viele Male zuvor Scheine aus dem Behälter in dem Laden genommen zu haben. Es habe keinen Hinweis gegeben, dass Kunden des Geschäfts sich nicht bedienen durften.

Mit der entgegengesetzen Argumentation hatte eine dritte Frau versucht, sich die Million unter den Nagel zu reißen: die Geschäftsführerin des kleinen Ladens, Lisa Petriches. Die Managerin war zusammen mit dem Eigentümer des Geschäfts vor Gericht gezogen und behauptete dort, schon vor dem Auffinden des Tickets durch Jones ein Verbotsschild an dem Behälter für entsorgte Lottoscheine angebracht zu haben. Ein ehemaliger Verkäufer sagte aber vor Gericht aus, die Managerin habe das Schild erst angebracht, nachdem Jones den Gewinn eingelöst hatte.

Petriches hatte mit ihrer Klage wiederum die Käuferin auf die Idee gebracht, ihre Ansprüche vor Gericht durchzusetzen. Sharon Duncan schloss sich der Klage erst nachträglich an, nachdem der Richter sie bei einem Prozesstermin im Januar als mögliche Gewinnerin genannt hatte.

Die unterlegenen Parteien haben eine Einspruchsfrist von 30 Tagen, nachdem der Richter das Urteil unterschrieben hat.

siu/dapd

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insgesamt 73 Beiträge
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1. Seltsame Logik...
Emmi 02.05.2012
Vielleicht kann ja ein Rechtskundiger mal erörtern, wie die Lage in Deutschland wäre. Aber für mich stellt sich das so dar: 1. Die Dame A, die den Schein weggeworfen hat, hat das Eigentum daran erkennbar aufgegeben. 2. Die Dame B, die den Schein genommen hat, hat auch keinen Anspruch darauf. Begründung: Entweder beruft sie sich darauf, den Schein quasi "gefunden" zu haben. Das würde aber voraussetzen, dass die Vorbesitzerin A ihn irgendwo in der Öffentlichkeit verloren oder weggeworfen hat, was aber nicht der Fall ist. Im anderen Fall hat sie (B) den Schein nicht gefunden, sondern irgendwo weggenommen, wo er jedenfalls nicht herrenlos war. 3. Die Dame C, die den Laden betreibt, in der das Los gekauft, weggeworfen und und von B an sich genommen wurde, ist zwar womöglich Eigentümerin des Behälters und damit auch des Inhaltes (i.d.R. Altpapier). Gleichwohl darf sie aber den Gewinn nicht für sich beanspruchen, weil sie ja als Verkäuferin nicht aus dem Fehler ihrer Kundin Gewinn erzielen darf (sinngemäß). Also ist das Los als nicht eingelöst anzusehen. Da der Gewinn allerdings bereits ausbezahlt wurde, wird das schwierig umzusetzen sein... ???
2. Gewinn halbieren wäre gerechter
ulli7 02.05.2012
Die Frau, die das Los gekauft und weggeworfen hatte und die zweite Frau, die das Ticket aus dem Müll fischte und ei nlöste sollten sich den Gewinn von einer Million Dollar teilen. Alles andere wäre ungerecht.
3. Es verwundert doch nur,...
peeka 02.05.2012
...dass der Produzent des Ausleseautomatens noch nicht verklagt wurde. Wie kann das denn sein, dass ein solcher Automat beim gleichen Lottoschein mal ein Gewinn und mal kein Gewinn anzeigt?
4.
claudilein 02.05.2012
Meiner Meinung nach gehört das Geld der Finderin. Die Käuferin hat den Schein weggeworfen und damit kein Interesse mehr daran. Die Verkäuferin hatte wohl bereits zuvor nichts dagegen, dass Leute weggeworfene Lottoscheine sich nehmen, da kann man von Gewohnheitsrecht ausgehen. In Deutschland wäre die Finderin, egal wie der Rest ausgeht, meines Wissens aber zumindest bezüglich des verschenkten Geldes aus dem Schneider, wenn ich mich recht erinnere. Juristisch aber auf jeden Fall ziemlich interessant, wird sicher Eingang in die Juraausbildung finden.
5. ...
Rodri 02.05.2012
Zitat von sysopAPLottoposse im US-Bundesstaat Arkansas: Eine Frau kauft ein Los, wirft es aber weg. Eine zweite Frau fischt das Ticket aus dem Müll, löst es ein und gewinnt eine Million Dollar. Eine dritte Frau macht Ansprüche geltend. Wem gehört das Geld? Nun hat ein Richter ein Urteil gefällt. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,830977,00.html
Also wenn ich das richtig verstanden habe, war das Lesegerät defekt, als die ursprüngliche Besitzerin den Schein überprüft hat?! Dann sollte doch der Hersteler dafür haften oder nicht? Ansonsten: eindeutiger als mit etwas in den Müll werfen kann man seinen Anspruch auf einen Gegenstand wohl kaum aufgeben. Sehr merkwürdige Richterentscheidung. Ist wohl wieder typisch amerikanisch.
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