Baumkampagne einer Greisin "Er ist alles, was von meinem Mann geblieben ist"

Fast 60 Jahre ist es her, dass Marie Ostwald mit ihrem späteren Mann einen Baum in San Diego pflanzte. Der sollte gefällt werden, doch die 91-Jährige bat um eine Gnadenfrist. Nun reagiert der Bürgermeister.

Baum an der Mission Gorge Road in San Diego
Google Street View

Baum an der Mission Gorge Road in San Diego


Mit 91 Jahren haben viele Menschen keine allzu großen Pläne mehr. Marie Ostwald ist insofern eine Ausnahme - dabei wirkt ihr Vorhaben auf den ersten Blick nicht überambitioniert: Die Seniorin will lediglich den Baum vor ihrem Haus in San Diego noch für ein paar Jahre vor der Baumsäge retten. "Ich brauche nur ein paar weitere Jahre", schrieb sie nun in einem Hilferuf auf Facebook.

Wenn das mal so einfach wäre.

Denn die Stadt will das mächtige Gewächs so schnell wie möglich fällen. Der gut zehn Meter hohe Baum sei nicht mehr stabil, teilten die Behörden in der vergangenen Woche mit. Die Beseitigung ist daher schon beschlossene Sache, wie unter anderem die "Los Angeles Times" berichtet.

Das will Ostwald nicht hinnehmen - aus gutem Grund: "Mein Mann starb 2005, aber ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem wir den Baum pflanzten", schreibt die Seniorin. Sie habe damals, im Jahr 1957, bereits ein Kind gehabt. "Als Mutter habe ich ihn dann großgezogen und half ihm dabei, vom Pflänzling zum Spross zu gedeihen. Im Laufe der Jahre wuchs unsere Familie - genau wie der Baum."

Sie habe sich daher mit einer "Muttertagsbitte" an die Stadtverwaltung gewandt, damit das umstrittene "Familienmitglied" an der Ecke von Mission Gorge Road und Greenbrier Avenue doch noch gerettet wird. "Ein privat engagierter Baumexperte sagt, der Baum könne noch jahrelang dort stehen", schreibt Ostwald weiter, und: "Er ist alles, was mir von meinem Mann geblieben ist."

Bürgermeister Kevin Faulconer reagierte prompt. Zwar gehe von dem Baum offenbar eine gewisse Gefahr aus, teilte er mit, "aber die Stadt lässt die Pläne zur Beseitigung des gesamten Baums erst mal ruhen". Die Behörde werde nun einen weiteren Baumpfleger um eine Einschätzung der Lage bitten, so Faulconer: "Mrs Ostwald, ich möchte, dass Sie wissen: Wir haben Sie gehört. Alles Gute zum Muttertag!"

mxw

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