Uups! - et orbi Ein Damenbesuch und andere unbekannte Seiten des Papstes

Das wahre Gesicht des Joseph Ratzinger zeigt sich nicht jedem. Dafür gibt es in der katholischen Kirche etliche Entlarver, die alles besser wissen. Zum Beispiel, dass Johannes Paul II. nie gestorben ist.


Rom - Seit es die "Books on demand GmbH" gibt, kann sich jeder selbst verlegen. So auch Prof. Dr. Hubertus Mynarek aus Odernheim, der uns seine "Papst-Entzauberung" geschickt hat, ein "Standard-Werk der Aufklärung", welches im Untertitel ankündigt: "Das wahre Gesicht des Joseph Ratzinger und die exakte Widerlegung seiner Thesen".

"Das wahre Gesicht des Joseph Ratzinger": Hier mit Hut
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"Das wahre Gesicht des Joseph Ratzinger": Hier mit Hut

Das Buch ist abwaschbar und liegt gut in der Hand. Über das wahre Gesicht dieses Papstes kann in der Tat lange gemunkelt werden. Jedenfalls überrascht er einen immer wieder. Letzten Samstag zum Beispiel. Im Exerzierhof der Schweizer Garde wurden Würstchen gegrillt, der amerikanische Präsident war gerade samt First Lady verabschiedet worden, da wurde der Papst gesehen, wie er seine Gemächer verließ, an der Vatikan-Post vorbei zu einem Wohngebäude an der Pellegrinostraße lief, um dort mit seiner Vertrauten, der ehemaligen Star-Gambistin Ingrid Stampa, ein Abendessen einzunehmen, alleine zu zweit.

Ein keineswegs außergewöhnliches und sehr zu gönnendes Nichtereignis. Aber was hätte ein Odernheimer Professor der Aufklärung aus der Szene machen können: Candle-Light-Dinner im Vatikan; Ingrid, reich mir mal das Salz der Erde et cetera pp. Auch dem ultrakonservativen Internet-Forum "Angelqueen" ist ein überraschendes "wahres Gesicht des Joseph Ratzinger" zu entnehmen.

Der Papst sei in Wahrheit ein Neo-Modernist, ein längst vom Virus des Relativismus befallener Kaputtreformer: "Sein armer Verstand ist krank, vergiftet von der modernen, besonders der deutschen Philosophie, die den Verstand vom Objekt trennt", so erklärt dort Bischof Richard Williamson vom rechten Flügel der "Pius Bruderschaft" (Abkürzung: SSPX). Die SSPXler berufen sich auf den verstorbenen Erzbischofs Lefebvre und lehnen die Kirchenreform des Zweiten Vatikanischen Konzils ab. Sie wollen die lateinische Messe wiederhaben, und Bischof Williamson seinerseits am liebsten auch die Apartheid.

Von den SSPXlern haben sich die Sedisvakantisten (von "Sedisvakanz", der papstlosen Zeit zwischen Tod eines Papstes und Wahl eines Nachfolgers) abgespalten. Sie sind noch wahrer. Ihnen hat schon die Liturgiereform von Pius XII. nicht gepasst. Sie wollen zurück zu Pius IX., zur Ächtung jeder Form von Moderne und zum Gebet für die gotttötenden Juden. Papst Benedikt ist demnach illegitim und hat auf dem Thron Petri nichts zu suchen.

In Deutschland ernannte sich deshalb 1998 ein Julius Tischler zum Papst Peter Athanasius II. In Australien sind Sedisvakantisten überzeugt, dass Johannes Paul II. nie gestorben ist. Ein anderer Gegenpapst Pius XIII. (geborener Luciano Pulvermacher) will beweisen können, dass Papst Paul VI. ein gefährlicher Satanist gewesen sei. In Connecticut gibt ein Bischof Robert Fidelis McKenna die sedisvakantistische Monatszeitschrift "The Angelus" heraus. McKenna ist nebenberuflich ein gefragter Exorzist. So war er maßgeblich am "Smurl Haunting"-Fall beteiligt, der später von Fox unter dem Titel "Die Besessenen" als TV-Serie verfilmt wurde.

Die Lokalzeitungen von Pennsylvania, von den "Buffalo News" bis zur "Pittsburgh Post Gazette", haben ausführlich berichtet. Im Hause von John und Mary Smurls in der Chase Street in West Pittston waren obszöne Reden gehalten worden. Schubladen standen plötzlich offen, die Klospülung ging ständig, und bisweilen wurde es eiskalt. Statt den Untermieter zu wechseln, riefen die Smurls den Exorzisten McKenna. Der las 50 lateinische Messen (im Vor-Pius-XII.-Stil), dann wurde es ruhiger im Haus. Die Smurls erklärten, der Geist sei mit ihnen in die Poconos-Berge zur Sommerfrische gefahren.

Exorzisten, Satanisten-Beschwörer, Besessene, Rassisten, Entlarver und Seher - manchmal ist es doch ganz gut, einfach nur Joseph Ratzinger als Papst zu haben.



insgesamt 4 Beiträge
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Sapientia, 18.06.2007
1. Uups! - et orbi: Ein Damenbesuch und andere unbekannte Seiten des Papstes
Zitat von sysopDas wahre Gesicht des Joseph Ratzinger zeigt sich nicht jedem. Dafür gibt es in der katholischen Kirche etliche Entlarver, die alles besser wissen. Zum Beispiel, dass Johannes Paul II. nie gestorben ist. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,488883,00.html
[QUOTE=sysop;1241060]Das wahre Gesicht des Joseph Ratzinger zeigt sich nicht jedem. Dafür gibt es in der katholischen Kirche etliche Entlarver, die alles besser wissen. Zum Beispiel, dass Johannes Paul II. nie gestorben ist. Wen - außer den hier auftretenden kindlichen Gemütern - interessiert es denn, was der Papst neben seinen öffentlichen Auftritten macht? Falls es Entlarver in der katholischen Kirche geben sollte, was ich erst einmal bestreite, so ist es doch letztlich der Spiegel mit seiner Milchschnitten-Staff, der Billigblatt-Methoden benutzt. Rudolf Augstein gründete sicherlich nicht den Spiegel, auf daß dieser ein paar Jahre nach seinem Tod infantile Effekthascherei bevorzugt!
Coss, 18.06.2007
2. Keine Konkurrenz in Sicht
Wollen wir mal sehen, wer da so kommt. Zitat: So auch Prof. Dr. Hubertus Mynarek aus Odernheim, der uns seine "Papst-Entzauberung" geschickt hat, ein "Standard-Werk der Aufklärung", welches im Untertitel ankündigt: "Das wahre Gesicht des Joseph Ratzinger und die exakte Widerlegung seiner Thesen". (Ende) Der Professor "Hubertus whatever" sollte sich einen weniger dummen Künstlernamen zulegen und lernen, wie man einen Buchtitel verfasst. Was hat das "wahre Gesicht" des Papstes mit der Widerlegung der Thesen zu tun? Und wofür dieses "exakt"? Wird der Mann von Selbstzweifeln geplagt? Weiter gehts: Letzten Samstag zum Beispiel. Im Exerzierhof der Schweizer Garde wurden Würstchen gegrillt, der amerikanische Präsident war gerade samt First Lady verabschiedet worden, da wurde der Papst gesehen, wie er seine Gemächer verließ, an der Vatikan-Post vorbei zu einem Wohngebäude an der Pellegrinostraße lief, um dort mit seiner Vertrauten, der ehemaligen Star-Gambistin Ingrid Stampe, ein Abendessen einzunehmen, alleine zu zweit. (Ende) Warum sollte der Papst nicht mit seiner Vertrauten zusammen essen? Der Papst hat ein entspanntes Verhältnis zu Frauen. Was will man mehr? Kritik abgelehnt! Weiter bitte: Der Papst sei in Wahrheit ein Neo-Modernist, ein längst vom Virus des Relativismus befallener Kaputtreformer: "Sein armer Verstand ist krank, vergiftet von der modernen, besonders der deutschen Philosophie, die den Verstand vom Objekt trennt", so erklärt dort Bischof Richard Williamson. (Ende) Richard Williamson, ein armer Angelsachs, der mit den Kraftausdrücken "krank" und "vergiftet" das ewige Klischee vom geistkranken Deutschen bedient. Können sich die Deppen nicht mal was anderes einfallen lassen? Warum schreibt er nicht ein Buch über Desserts? Da ließen sich durchaus Lücken füllen. Und nun kommt der Höhepunkt: In Deutschland ernannte sich deshalb 1998 ein Julius Tischler zum Papst Peter Athanasius II. In Australien sind Sedisvakantisten überzeugt, dass Johannes Paul II. nie gestorben ist. (Ende) Papst Äthernasius (1 und 1 macht wohl Tüte) sollte beim Arzt eine Kur beantragen. Alle Gegenden erlaubt, außer Rom. Und dass die Australier nicht an den Tod von JPII glauben können, liegt wohl an der Entfernung und der Trockenperiode, deren Nebenwirkung mit gewissen Flüssigkeiten bekämpft wird. Fazit: Alle Kegel von einer Kugel getroffen. Der nächste bitte.
Fassungsloser 19.06.2007
3. Gruselkabinett
Kompliment für den Mut, sich in das Gruselkabinett der gerade noch katholischen Clubs und angeblich katholischen Sekten zu begeben. Zugegeben, es war nicht möglich, alle Abstrusitäten aufzuzählen, die von Seiten vorgeblich Rechtgläubiger so über die Kirche behauptet werden. Aber die Geschichte vom doppelten Paul VI. und von Roncalli (Johannes XXIII.), dem Freimaurer hätten unbedingt noch dazugehört. Jedenfalls hat man immer etwas zu lachen und lachen hält bekanntlich gesund. Katholisch? Ja bitte.
San Juan, 25.06.2007
4. Wie gewöhnlich.
Autor und Artikel: gewohnt langweilig und überflüssig. Mein Gott, was könnte ein guter Journalist Interessantes aus dem Vatikan berichten? Aber was soll man machen, wenn man sich einmal ins Mittelmaß begeben hat und andere das gemerkt haben? Niemand gibt einem solchen Schreiber gute Informationen. Augstein schaut Jesus verzweifelt an und spricht: "Herr, vegib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."
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