Von Alexander Smoltczyk, Rom
Rom - "Und als der Pfingsttag erfüllet war, geschah schnell ein Brausen vom Himmel und alle wurden voll des heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit anderen Zungen" (Apg 21) - so auch Professor Wang Huansheng, als er sich vergangenes Wochenende nach dem Coffee Break vors Mikrofon setzte und also anhub: "Weng han gao hui..." Oder so ähnlich.
Professor Wang hat Ovid, Homer und Cicero ins Chinesische übersetzt. Er ist Chinas eminentester Lateiner, Mitglied der Akademie der Sozialwissenschaften und weiß alles über das alte luó ma, was in China "Rom" heißt. Aber er zieht es vor, Chinesisch zu sprechen, auch wenn das seinem Vortrag über die enorm gewachsene "Bedeutung des Lateinischen fürs Gegenwarts-China" etwas an Strahlkraft nimmt.
Egal. Es ist zu erfahren, dass in Peking gerade eine zweisprachige Ausgabe des "Corpus Juris Civilis" in Arbeit ist und, so Professor Wang, "von der Masse der Leser erfreut aufgenommen wird". Das Päpstliche Komitee für Geschichtswissenschaften debattierte zwei Tage lang im "Domus Sanctae Marthae", an den vatikanischen Gärten, über "Die lateinische Sprache im Dienste des Aufbaus und der Identität Europas".
Es gab nichtendenwollende Vorträge über die Wichtigkeit des Lateinischen im Allgemeinen und die der eigenen Person im Besonderen. Latein sei "eine Sprache, die einen ganzen Komplex religiöser, ethischer und rechtlicher Prinzipien in Wörter und Regeln übersetzt hat", referierte Roberto de Mattei vom Nationalen Wissenschaftsrat.
So habe der bosnische Schriftsteller Pedrag Matvejevic die Sprache kürzlich zum geeigneten Wertewerkzeug im Kampf der Zivilisationen erklärt. Latein ist das Englisch Europas. Weswegen es nicht nur eine lateinische "Vicipaedia" (Eigenwerbung: "Nunc sunt 13075 paginae!") gibt, sondern tägliche Rundfunkprogramme in der Sprache Petrarcas, so in Finnland und auf Radio Vaticana.
Angst vor einem neuen Schisma
"Die Völker neolateinischer oder romanischer Sprache", rief de Mattei aus, "sind zahlenmäßig stärker als jene in der Welt, die englisch oder arabisch sprechen." Während die Lateiner derart angeregt ins Pfingstwochenende gingen, schrieb der Papst an seiner Sonntagsansprache. Offenbar soll noch diese Woche ein "Motu proprio" (lat.: aus eigenem Beweggrund) veröffentlicht werden, eine kleine päpstliche Privatmeinung, ohne Siegel, Gegenzeichnung oder Anlass.
Darin soll die lateinische Messe den Gläubigen wieder stärker ans Herz gelegt werden. Für manchen ist das eine gute Nachricht. So muss man nicht mehr verstehen, was da vorn gepriestert und gepredigt wird, und Liturgie wird wieder mehr zum Ritus. Aber andere, so etwa maßgebliche Bischöfe in Deutschland, fürchten schon ein "Schisma", wenn der Papst den Gebrauch der tridentinischen Messe wieder fördern sollte.
Auch die französischen Bischöfe stehen vor offener Rebellion, weil sie fürchten, der Papst würde sich so mit den abtrünnigen Traditionalisten des Erzbischofs Lefebvre gemein machen. Ceterum: Es gab ein Land, in dem die lateinische Messe noch bis in die neunziger Jahre vorgeschrieben war, weil die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils als westliche Einmischung verstanden wurde - China.
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