Uups! - et orbi Latin Lovers im Vatikan

Gleich nach Pfingsten wird's was geben, nämlich ein "Motu proprio" des Papstes zum Gebrauch der lateinischen Messe. Was das mit China zu tun hat, enthüllte dieses Wochenende ein Treffen in den vatikanischen Gärten.


Rom - "Und als der Pfingsttag erfüllet war, geschah schnell ein Brausen vom Himmel und alle wurden voll des heiligen Geistes und fingen an zu predigen mit anderen Zungen" (Apg 21) - so auch Professor Wang Huansheng, als er sich vergangenes Wochenende nach dem Coffee Break vors Mikrofon setzte und also anhub: "Weng han gao hui..." Oder so ähnlich.

Papst Benedikt: Freund lateinischer Liturgie
DPA

Papst Benedikt: Freund lateinischer Liturgie

Professor Wang hat Ovid, Homer und Cicero ins Chinesische übersetzt. Er ist Chinas eminentester Lateiner, Mitglied der Akademie der Sozialwissenschaften und weiß alles über das alte luó ma, was in China "Rom" heißt. Aber er zieht es vor, Chinesisch zu sprechen, auch wenn das seinem Vortrag über die enorm gewachsene "Bedeutung des Lateinischen fürs Gegenwarts-China" etwas an Strahlkraft nimmt.

Egal. Es ist zu erfahren, dass in Peking gerade eine zweisprachige Ausgabe des "Corpus Juris Civilis" in Arbeit ist und, so Professor Wang, "von der Masse der Leser erfreut aufgenommen wird". Das Päpstliche Komitee für Geschichtswissenschaften debattierte zwei Tage lang im "Domus Sanctae Marthae", an den vatikanischen Gärten, über "Die lateinische Sprache im Dienste des Aufbaus und der Identität Europas".

Es gab nichtendenwollende Vorträge über die Wichtigkeit des Lateinischen im Allgemeinen und die der eigenen Person im Besonderen. Latein sei "eine Sprache, die einen ganzen Komplex religiöser, ethischer und rechtlicher Prinzipien in Wörter und Regeln übersetzt hat", referierte Roberto de Mattei vom Nationalen Wissenschaftsrat.

So habe der bosnische Schriftsteller Pedrag Matvejevic die Sprache kürzlich zum geeigneten Wertewerkzeug im Kampf der Zivilisationen erklärt. Latein ist das Englisch Europas. Weswegen es nicht nur eine lateinische "Vicipaedia" (Eigenwerbung: "Nunc sunt 13075 paginae!") gibt, sondern tägliche Rundfunkprogramme in der Sprache Petrarcas, so in Finnland und auf Radio Vaticana.

Angst vor einem neuen Schisma

"Die Völker neolateinischer oder romanischer Sprache", rief de Mattei aus, "sind zahlenmäßig stärker als jene in der Welt, die englisch oder arabisch sprechen." Während die Lateiner derart angeregt ins Pfingstwochenende gingen, schrieb der Papst an seiner Sonntagsansprache. Offenbar soll noch diese Woche ein "Motu proprio" (lat.: aus eigenem Beweggrund) veröffentlicht werden, eine kleine päpstliche Privatmeinung, ohne Siegel, Gegenzeichnung oder Anlass.

Darin soll die lateinische Messe den Gläubigen wieder stärker ans Herz gelegt werden. Für manchen ist das eine gute Nachricht. So muss man nicht mehr verstehen, was da vorn gepriestert und gepredigt wird, und Liturgie wird wieder mehr zum Ritus. Aber andere, so etwa maßgebliche Bischöfe in Deutschland, fürchten schon ein "Schisma", wenn der Papst den Gebrauch der tridentinischen Messe wieder fördern sollte.

Auch die französischen Bischöfe stehen vor offener Rebellion, weil sie fürchten, der Papst würde sich so mit den abtrünnigen Traditionalisten des Erzbischofs Lefebvre gemein machen. Ceterum: Es gab ein Land, in dem die lateinische Messe noch bis in die neunziger Jahre vorgeschrieben war, weil die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils als westliche Einmischung verstanden wurde - China.



insgesamt 6 Beiträge
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A.M.HB, 28.05.2007
1. Da lacht auch der Lateiner:
Weitaus amüsanter als die Beiträge des SpOn-Autors, der darüber schmunzeln kann, daß einem Kirchenvertreter im Vatikan nach Mafia-Manier Pistolenkugeln zugeschickt werden, weil man mit seiner Auffassung nicht einverstanden ist, finde ich ja so etwas, was Andrea Nüsse im "Tagesspiegel" vom 27.5.07 aufgespießt hat: "...In den Büros von Kairo gibt es dieser Tage nur ein Thema: Werden weibliche Angestellten bald ihre männlichen Kollegen an ihrer Brust saugen lassen, um sicherzustellen, dass das gemeinsame Arbeiten in einem Büro den islamischen Vorschriften entspricht? Laut Anhängern einer extremen Auslegung islamischen Rechts dürfen nicht verwandte und nicht verheiratete Männer und Frauen nicht allein in einem Raum zusammentreffen. Dieses Dilemma glaubte Izzat Attia, Professor an der berühmten Al-Azhar-Universität in Kairo, nun gelöst zu haben. Bei seinen Recherchen war er auf eine Geschichte aus dem Leben des Propheten gestoßen, in der er einer Frau rät, ihren erwachsenen Adoptivsohn zu stillen, um seine Amme zu werden und damit das Verbot der Adoption im Islam zu umgehen. Auch habe Aischa, die Ehefrau Mohammeds, ihren Nichten empfohlen, jeden Mann zu stillen, mit dem sie allein zusammenträfen, um das angebliche Scharia-Verbot zu umgehen. Daraus schloss der Leiter der Abteilung für die Äußerungen des Propheten (Hadithe) an der Al-Azhar-Universität, dass dies die geeignete, nur in Vergessenheit geratene Methode sei, die strikte Geschlechtertrennung zu umgehen. Etwa am Arbeitsplatz: Nach fünfmaligem Stillen könnten die Frauen sogar ihren Kopfschleier vor den männlichen Kollegen abnehmen, weil sie symbolische Verwandte seien, erklärte er dem Satellitensender „Al Arabijja“..."
Südfranzösin, 28.05.2007
2. Ich find den Ton des "Spiegel" zur katholischen Kirche immer so doof,
die Artikel sind so nach dem Motto, "wir müssen halt drüber berichten, es gehört ja zum Tagesgeschehen, aber wir finden's reichlich lächerlich, um was es da geht". Ihr Spott hat etwas Bösartiges (und unchristliches!).
Mischa Dreesbach, 28.05.2007
3. Bösartig? Nein!
Zitat von Südfranzösindie Artikel sind so nach dem Motto, "wir müssen halt drüber berichten, es gehört ja zum Tagesgeschehen, aber wir finden's reichlich lächerlich, um was es da geht". Ihr Spott hat etwas Bösartiges (und unchristliches!).
Was soll’s? Der SPIEGEL ist ja nun kein Organ einer christlichen Glaubensrichtung, und in einer pluralistischen Gesellschaft gibt es eben viele verschiedene Meinungen - wie schön. Die peinlich Aufforderung an hiesige Politiker, sie sollten gefälligst ihren Amtseid auf Gott schwören (BILD - so unabhängig, wie ein Heroinjunkie), empfinde halt ich als bösartig, denn ich weiß den säkularen Staat zu schätzen. Gebot 3 erscheint mir besonders "interessant", höflich formuliert. Quelle: http://wwwuser.gwdg.de/~theo-web/Theo-Web/ (BILD-Online besuche ich nicht)
Fassungsloser 28.05.2007
4. Lateinische Messe
Der Begriff ist für das hier gemeinte äußerst unscharf. Eine Messe auf Latein zu feiern muss nicht erlaubt werden, es ist jederzeit und allerorten möglich. Welche Sprache verwendet der Papst wohl beim feierlichen Amt auf dem Petersplatz. Hier geht es um eine breitere Erlaubnis zur Verwendung älterer liturgischer Bücher von 1962. Diese waren 1965 und 1970 durch der Liturgiereform überarbeitet worden. In der Kirche gibt es heute schon etliche geistliche Gemeinschaften und einzelne Priester, die mit bischöflichem oder päpstlichem Indult diesen Römischen Ritus in der alten Form zelebrieren. Ein Motu Proprio ist auch keine "kleine päpstliche Privatmeinung". Marcel Lefebvre und die von ihm unerlaubt geweihten Bischöfe wurden 1988 durch ein solche Motu Proprio exkommuniziert. Ob der Papst den Lefebvre-Anhängern mit diesem Schritt entgegenkommen will kann durchaus bezweifelt werden. Diese Bewegung identifizierte sich bislang mit der "alten Messe" (auch wenn sie auch anderswo zelebriert wird) und hat sie sozusagen für sich in Beschlag genommen. Das fällt jetzt weg. Mit diesem Schritt wird der Papst die Abtrünnigen (die behaupten, keine sein zu wollen) erheblich unter Druck setzen. Sie sind am Zug.
Hugh, 28.05.2007
5. lateinische Messe, na und?
Zitat von Südfranzösindie Artikel sind so nach dem Motto, "wir müssen halt drüber berichten, es gehört ja zum Tagesgeschehen, aber wir finden's reichlich lächerlich, um was es da geht". Ihr Spott hat etwas Bösartiges (und unchristliches!).
Liebe Südfranzösin, vielleicht sollten Sie mal den Kasten lesen, der jeden Uups-et-orbi-Artikel begleitet. Der Spiegel muss darüber nun wirklich nicht berichten, da verwechseln Sie Ursache und Wirkung. Wer bei der Nennung des Spiegel in Pfui Pfui Pfui ausbricht, fordert den Spott doch regelrecht heraus. Mich wundert, dass der Spiegel erst so spät und in so milder Form gegen die Zensur durch den Chef der Glaubenskongreation (aka Inquisition) zurückschlägt. Und Unchristlich ist schon lange nicht mehr überall negativ besetzt. Sie als Südfranzösin sollten es besser wissen. Ist Ihnen die höchstchristliche Anweisung: Tötet sie alle, Gott wird die Seinen schon erkennen*, lieber? Hugh *in Sachen Inquisition und Papst gegen Okzitanien
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