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Uups! - et orbi: Leere Botschaft

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Benedikts Frankreich-Reise war ein Erfolg. Jetzt beginnen die Mühen des Alltags. So gilt es etwa, einen französischen Vatikan-Botschafter zu finden. Und zwar einen, der weder schwul noch geschieden oder sonstwie untragbar ist.

Rom - Der Palazzo Bonaparte ist keine schlechte Adresse in Rom. Verkehrsgünstig gelegen, späte, aber guterhaltene Renaissance, Zentralheizung, und zum Kapitol muss man auch nur über die Straße gehen.

Villa Bonaparte, Rom: Mehrraumwohnung für nicht-schwule Bewohner
Corbis

Villa Bonaparte, Rom: Mehrraumwohnung für nicht-schwule Bewohner

Dennoch findet sich kein Bewohner für den Palast. Seit fast einem Jahr werden alle Kandidaten, sämtlich mit besten Zeugnissen und sicherem Einkommen, abgelehnt. Der Papst ist nicht einverstanden. Obwohl dem der Palazzo gar nicht gehört.

Aber im Bonaparte residiert der Botschafter der République Française beim Heiligen Stuhl. Und dort wäre man nicht amüsiert, beim Empfang "Seine Exzellenz, den Herrn Botschafter und seinen Verlobten" vorstellen zu müssen.

Paris hatte nämlich Jean-Loup Kuhn-Delforge für den Posten in Rom vorgesehen, den brillanten ehemaligen Botschafter in Sofia - und Aktivisten der Schwulenbewegung. Kuhn-Delforge lebt mit seinem Partner zusammen. Die Kurie ließ mitteilen: Non placet. Kommt nicht in Frage. Das persönliche Profil stimme nicht.

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"Vatikanistan"
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Heyne Verlag, 352 Seiten, 17,95 Euro.

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Denn bei seiner Ansprache im Elysée-Palast hatte sich der Heilige Vater zwar "für den warmherzigen Empfang" geehrt gefühlt, aber doch klargestellt, dass er zwar "ein Sämann der Liebe" sei, aber in "größter Sorge" vor dem "Verlust von Bezugspunkten" im Familienleben warne.

Der zweimal geschiedene Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte damals ernst genickt. Vielleicht, weil er ahnte, sich schon wieder einen neuen Gesandten suchen zu müssen. Denn es war beileibe nicht das erste Veto des Vatikans.

Schon Sarkozys Wunschkandidat, der Schriftsteller und Journalist Denis Tillinac, war für unpassend erklärt worden. Tillinac hat zwar immer zu seinen katholischen Neigungen gestanden und sie auch ausgelebt, aber er ist geschieden und wiederverheiratet. Also nach gerade wieder bestätigter Lehrmeinung vom Sakrament der Heiligen Kommunion ausgeschlossen.

Alsdann sollte Max Gallo nach Rom ziehen, ein Vielschreiber, der früher einmal Mitterrands Regierungssprecher war. Allerdings hatte der eine ungemein erfolgreiche und durchaus sympathisierende Darstellung Bonapartes geschrieben, jenes Franzosen also, der einmal einen Papst kidnappen ließ ... Auch Gallo wurde fallengelassen.

Im französischen Außenministerium würden jetzt, so heißt es im "Figaro-Magazine", die Personalakten gewälzt. Sarkozy liegt mit dem Quai d’Orsay im Streit, weil er am liebsten Paradiesvögel aussenden würde, keine Karrierediplomaten.

Protestanten kommen nicht in Frage, Schwule nicht, Geschiedene nicht und militante Laizisten sowieso nicht. Da bleibt nicht mehr viel übrig.

Gerade noch drei Namen werden gehandelt. Stéphane Chmelewsky, der die Frankreich-Reise Benedikts organisiert hat und schön polnisch klingt. Und Marc Odendall, einen deutsch-französischen Finanzinvestor mit guten Verbindungen in den Vatikan hinein. Verheiratet, vier Kinder. Die größten Chancen hat der derzeitige Botschafter in Moskau, Stanilas Lefebvre de Laboulaye. Auch er ist in erster Ehe verheiratet und hat vier Kinder. Alle katholisch.

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