Grill als Wohnungsheizung Acht Frauen bei Faschingsparty vergiftet

Ihnen war kalt, also holten sie den heißen Grill ins Zimmer: Bei einer Party in Schwaben haben sich acht Frauen mit Kohlenmonoxid vergiftet. Am Freitag hatte es einen ähnlichen Fall in Bremen gegeben.

Glühende Holzkohle
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Glühende Holzkohle


Bei einer Faschingsparty in Baden-Württemberg haben sich acht Frauen eine Kohlenmonoxid-Vergiftung zugezogen. Sie hatten einen heißen Holzkohlegrill in den Partyraum geholt, um sich aufzuwärmen. Die Verletzten wurden in ein Krankenhaus gebracht, teilte ein Polizeisprecher mit. Sieben von ihnen konnten am Sonntagmorgen wieder nach Hause gehen. Zur achten Frau konnte er keine Angaben machten, Lebensgefahr habe aber nicht bestanden.

Der Unfall ereignete sich in Vaihingen an der Enz in der Nähe von Stuttgart. Mindestens 13 Frauen hatten den Angaben zufolge bei einer privaten Party am Samstagnachmittag erst draußen gegrillt. Als es ihnen abends zu kalt wurde, seien sie nach innen gegangen. Den Holzkohlegrill hätten sie mitgenommen, um sich daran zu wärmen.

Eine 30-Jährige verlor daraufhin mehrfach das Bewusstsein, wie der Polizeisprecher sagte. Sie wurde vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht. Der anfänglich vermutete Alkoholkonsum erwies sich als schwere Kohlenmonoxidvergiftung. Die alarmierte Feuerwehr stellte daraufhin eine erhöhte Kohlenmonoxid-Konzentration im Partyraum fest. Bei sieben weiteren Frauen im Alter von 30 bis 50 wurden erhöhte Werte gemessen, sie kamen ebenfalls ins Krankenhaus.

Bremen: Acht Schwerstverletzte bei Grillabend im Keller

Das hochgiftige, farb- und geruchlose Kohlenmonoxid entsteht, wenn Kohlenwasserstoffe aus etwa Kohle, Gas oder Benzin nicht vollständig verbrennen. Aus diesem Grund ist es lebensgefährlich, in geschlossenen Räumen zu grillen - selbst wenn Fenster oder Türen geöffnet sind.

Erst am Freitag waren bei einem Grillabend im Keller eines Wohnhauses in Bremen acht Menschen teils lebensgefährlich verletzt worden, darunter auch drei Kinder. Auch sie erlitten Kohlenmonoxidvergiftungen, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Die Gruppe hatte den Rettungsdienst benachrichtigt, nachdem einer der Beteiligten einen Krampfanfall erlitt.

Den Betroffenen war die Gefahr ihres Grillabends offensichtlich nicht bewusst. Einer der Anwohner weigerte sich jedoch auch nach der Aufklärung durch die Rettungskräfte, sich behandeln zu lassen. Die sieben übrigen Verletzten wurden zur Behandlung in Kliniken gebracht. Zwei kamen für eine Überdruck-Therapie in eine Spezialklinik nach Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt.

Kohlenmonoxid bindet bis zu 300-mal stärker als Sauerstoff an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Bei einer Vergiftung kommt es dadurch zu einem massiven Sauerstoffmangel im Körper. Zu den Folgen zählen je nach Konzentration Kopfschmerzen, Herzrasen, Übelkeit, Halluzinationen, Apathie, Krampfanfälle, Atemnot und im schlimmsten Fall der Tod.

Im Jahr 2015 starben in Deutschland laut Statistischem Bundesamt mehr als 600 Menschen an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Erst am 5. Februar war in Esslingen bei einem Unglück eine vierköpfige Familie ums Leben gekommen. Der 29 Jahre alte Vater und die ebenso alte Mutter sowie der vierjährige Junge und seine drei Jahre alte Schwester starben den Ermittlungen zufolge, weil sich ein von der Heiztherme zum Kamin führendes Verbindungsrohr gelöst hatte. Danach verbreitete sich das tödliche Gas im Haus.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version Meldungder Meldung war die Zahl der Todesfälle durch Kohlenmonoxid in Deutschland zu niedrig angegeben. Wir haben den Fehler korrigiert.

irb/dpa



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