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Vatikan: Papst schickt 500 Ostereier ins Erdbebengebiet

Die Opfer des Erdbebens in Italien haben von Papst Benedikt bisher lediglich geistlichen Beistand erhalten. Jetzt kommt auch Materielles aus dem Vatikan: Benedikt ließ 500 Ostereier als Geschenk für obdachlose Kinder ins Katastrophengebiet liefern.

Rom - 289 Menschen tot, mehr als 40.000 obdachlos: Das Erdbeben in den Abruzzen hatte verheerende Ausmaße - und sorgte in Italien sowie im Ausland für enorme Hilfsbereitschaft. Jetzt will auch der Vatikan nicht länger abseits stehen: Papst Benedikt XVI. hat - neben einer Geldspende - 500 Ostereier für obdachlose Kinder ins Erdbebengebiet von L'Aquila bringen lassen. Vatikanische Feuerwehrleute übergaben die Eier am Samstag, teilte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in Rom mit.

Der Papst habe außerdem darum gebeten, auch Messkelche in die Abruzzen zu bringen. In den Zeltstädten der etwa 18.000 Menschen, die durch das Beben ihre Unterkunft verloren haben, wurde am Samstag die Ostermesse vorbereitet, wie italienische Medien berichteten. Es wurden rasch kleine Altare gezimmert. Die Gläubigen dort können bei der Messe am Sonntag auch auf gestifteten Messwein zurückgreifen.

Offen ist, ob dies die Kritiker des Vatikans verstummen lässt. Denn die bisherigen Reaktionen des Kirchenstaats auf die Erdbebenkatastrophe hatten zum Teil Befremden ausgelöst: Am Donnerstag teilte der Vatikan mit, Papst Benedikt XVI. wolle den unter nächtlicher Kälte, Wassermangel und Stromausfall leidenden Menschen in den Abruzzen "so bald wie möglich" Trost spenden - aber erst nach Ostern.

Zugleich rief der Vatikan jedoch Experten in aller Welt dazu auf, sich an der Restauration zerstörter Kirchen im Katastrophengebiet zu beteiligen. Francesco Buranelli, Mitglied einer Kommission zur Verwaltung der kulturellen Schätze des Vatikan, sagte, er hoffe, entsprechende Labors würden beschädigte Kunstschätze aus den Kirchen "adoptieren" und deren Wiederherstellung übernehmen.

Der Appell an die Fachleute sei ein Tribut an den "tiefen Glauben der Menschen in der Region". Momentan, so beklagte ein Vatikan-Sprecher, könne keine Kirche in der verwüsteten Abruzzen-Region von den Gläubigen genutzt werden.

Bei der nächtlichen Karfreitagsprozession in Rom hat Benedikt XVI. für die Überlebenden des Erdbebens in Mittelitalien gebetet. Die Leidenden sollten auch in schweren Zeiten die Hoffnung nicht verlieren, sagte Benedikt wenige Stunden nach der Beisetzung vieler Erdbebenopfer.

SPIEGEL WISSEN: Erdbeben in Italien
Erdbeben 2009 in L‘Aquila
Am 6. April 2009 bebte in der Region Abruzzen um die mittelalterliche Stadt L‘Aquila nachts um 3.32 Uhr die Erde. Das Beben hatte nach verschiedenen Messungen eine Stärke von 5,8 bis 6,3 auf der Richter-Skala . Mehr als 290 Menschen kamen ums Leben, Schätzungen zufolge wurden rund 17.000 Menschen obdachlos.
2002 in San Giuliano di Puglia (Region Molise)
Bei einem Erdbeben der Stärke 5,3 auf der Richter-Skala starben am 31. Oktober 2002 in San Giuliano di Puglia (Region Molise) 30 Menschen - darunter 26 Kinder, die unter den Trümmern ihrer baufälligen Schule verschüttet wurden.
1997 in Umbrien und Marken
Ein Beben der Stärke 5,7 auf der Richter-Skala beschädigte am 26. September 1997 in den Apennin-Regionen Umbrien und Marken in 77 Orten etwa 9000 Gebäude. Insgesamt starben zwölf Menschen. Schwere Schäden erlitt auch die Basilika San Francesco von Assisi , in der sich weltberühmte Fresken von Giotto und Cimabue befinden. Als ihr Dach einstürzte, starben vier Menschen. Der Gesamtschaden des Bebens wird auf umgerechnet mindestens 2,56 Milliarden Euro beziffert.
1980 in Irpinia
Ein Erdbeben der Stärke 6,8 auf der Richter-Skala erschütterte am 23. November 1980 das süditalienische Gebiet Irpinia . Über 3000 Menschen verloren ihr Leben, rund zehntausend Menschen wurden verletzt.
1976 in Friaul
Bei einem Erdbeben der Stärke 6,5 auf der Richter-Skala in Friaul kamen im Mai 1976 etwa 970 Menschen ums Leben, 70.000 Menschen wurden obdachlos. Die Erdstöße waren bis nach Bayern spürbar.
1915 in Avezzano
Am 13. Janur 1915 gab schon einmal ein schweres Erdbeben in der Provinz L’Aquila . Das Epizentrum lag in der der Stadt Avezzano , die vollständig zerstört wurde. Das Beben der Stärke 7,5 auf der Richter-Skala forderte nach Schätzungen fast 30.000 Todesopfer.
1908 in Messina (Sizilien)
Am 28. Dezember 1908 erschütterte eines der schwersten Erdbeben Europas mit einer Stärke von 7,5 auf der Richter-Skala die sizilianische Stadt Messina und die Region Südkalabrien . Mehr als hunderttausend Menschen starben.

mbe/dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 70 Beiträge
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1.
M. Michaelis 11.04.2009
Zitat von sysopDie Opfer des Erdbebens in Italien haben von Papst Benedikt bisher lediglich geistlichen Beistand erhalten. Jetzt kommt auch Materielles aus dem Vatikan: Benedikt ließ 500 Ostereier als Geschenk für obdachlose Kinder ins Katastrophengebiet liefern. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,618629,00.html
Herzerwärmende Symbolpolitik oder groteske Peinlichkeit. Ich kann mich nicht entscheiden.
2. osterei
atombcn 11.04.2009
welch großzügiges geschenk! da werden sich die kinder aber freuen über ihr osterei.
3. Geht mir auch so
Dreyman 11.04.2009
Zitat von M. MichaelisHerzerwärmende Symbolpolitik oder groteske Peinlichkeit. Ich kann mich nicht entscheiden.
War auch mein erster Gedanke, mir erschien die Zahl von 500 Eiern denn doch sehr wenig - wenn ich bedenke, dass in meiner Heimatpfarrei auch für alle Besucher ein Ei vorgehalten wird, also ungefähr die gleiche Anzahl, eher noch mehr... Aber ich glaube, der Spiegel möchte hier provozieren, denn es steht auch beiläufig im Artikel, dass der Vatikan auch Geld spendet... und ich vermute (und hoffe), das dürften mehr als 10 Euro sein...
4. mit Spatzen auf Kanonen geworfen
nursoma, 11.04.2009
500 ... soso ... das entspricht ja zufällig genau DER Anzahl angebrüteter, fauliger Eier, die man ihm für diese Frechheit an den Kopf werfen müsste ... Jede Winz-Gemeinde versteckt mehr von den Dingern jedes Jahr in nem Heuhaufen.
5. Erbärmlich
Zellermayer76 11.04.2009
Ich finde es einfach nur erbärmlich in welcher Art und Weise hier die Wortwahl des SPIEGELS mangelnden Respekt und Toleranz gegenüber der katholischen Kirche widerspiegelt. Ist es denn wirklich notwendig durch die Formulierung "Papst ließ 500 Ostereier ins Krisengebiet nach L´Aquila bringen- neben einer Geldspende-" alles der Lächerlichkeit preis zu geben? Erwähnt doch bitte mal die Höhe der Geldspende! Ich bin ja nun wirklich kein katholischer Fundi und weiß durchaus, daß der Spagat, den die katholischen Kirche zwischen dem Himmlischen und dem Weltlichen versucht, sie mehr als angreifbar macht, aber laßt uns doch bitte nicht vergessen, daß sie eine der größten Geldgeber für humanitäre Hilfsaktionen und -projekte weltweit ist. Und ich bin dankbar, daß wir Ärzte bei Hilfsprojekten u.a. in der dritten Welt uns finanziell v.a. auf die katholische Kirche verlassen können. Darum finde ich den Schreibstil mehr alsdeplaziert, aber Demut ist nun mal nicht jedem gegeben. Suum cuique.
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