Vatikan Papst trennt sich vom deutschen Kardinal Müller

Kardinal Müller war fünf Jahre als Chef der Glaubenskongregation auch für die Aufklärung von Missbrauch in der katholischen Kirche zuständig. Eine zweite Amtszeit wird ihm der Papst nicht gewähren.

Gerhard Ludwig Müller, Kurienkardinal und Präfekt der Glaubenskongregation
DPA

Gerhard Ludwig Müller, Kurienkardinal und Präfekt der Glaubenskongregation


Kurz nach der Beurlaubung seines Finanzchefs Kardinal George Pell trennt sich Papst Franziskus Medienberichten zufolge nun auch vom deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Das berichten am Samstag unter anderem die italienischen Zeitungen "La Stampa" und "Il Messaggero" unter Berufung auf Nachrichtenseiten, die der katholischen Kirche nahestehen.

Müller ist Chef der Glaubenskongregation, die Behörde soll die Glaubens- und Sittenlehre der gesamten katholischen Kirche schützen. Müllers Amtszeit endet nach fünf Jahren am 2. Juli und werde nicht verlängert, hieß es. Gründe für diesen Schritt wurden nicht genannt. Allerdings war bekannt, dass Franziskus und Müller nicht immer auf gleicher Linie lagen.

Erst am Donnerstag hatte Pell nach Kindesmissbrauchs-Vorwürfen sein Amt vorübergehend niedergelegt und sich beurlauben lassen. Er wolle in seiner Heimat seine Unschuld beweisen, hatte der 76-jährige Australier gesagt. Dort war kurz zuvor ein Ermittlungsverfahren wegen Missbrauchsverdachts gegen Pell als einen der ranghöchsten Kardinäle im Vatikan eingeleitet worden. Wie die Polizei im Bundesstaat Victoria mitteilte, muss Pell am 18. Juli zu einer Gerichtsanhörung in Melbourne erscheinen. Es ist das erste Mal, dass gegen einen derart ranghohen Würdenträger im Vatikan wegen Missbrauchsvorwürfen ermittelt wird.

"Die Kirche verdeckt nichts"

Die Aufgabe der Glaubenskongregation ist auch, Missbrauchsfälle aufzuklären. Ende Februar hatte Müller den Vorwurf systematischer Vertuschung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche noch zurückgewiesen. "Die Kirche verdeckt nichts", sagte Müller damals der italienischen Zeitung "La Repubblica". "In einigen Fällen kann es aus Ahnungslosigkeit passiert sein, aber nicht systematisch."

Dem Vatikan und der katholischen Kirche wird immer noch vorgeworfen, nicht hart genug gegen Kindesmissbrauch vorzugehen und teils pädophile Geistliche zu decken. Kritiker werfen dem Vatikan auch vor, nicht transparent mit den Fällen umzugehen.

Zur Amtszeit von Papst Franziskus Vorgänger Benedikt XVI. war herausgekommen, dass katholische Geistliche weltweit über Jahrzehnte unzählige Kinder missbraucht oder misshandelt hatten und die Fälle unter den Teppich gekehrt wurden.

hei/dpa

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