Peinliche Enthüllungen: Vatikan sucht Geheimnisverräter

Seit Monaten gelangen Interna aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit. Dem Kirchenstaat ist die Geschlossenheit abhanden gekommen - umfangreiche Ermittlungen sollen das nun ändern und die Maulwürfe ausfindig machen. Die Kirchenführung wirft ihnen Unredlichkeit und Feigheit vor.

Vatikan: Suche nach Maulwürfen Fotos
REUTERS/ Polizia di Stato

Rom - Einst machte es die Verschwiegenheit des Vatikan nahezu unmöglich, an Insiderinformationen aus dem Kirchenstaat zu kommen. Doch seit einiger Zeit kommen immer wieder peinliche Interna an die Öffentlichkeit. Die Indiskretionen zeichnen das Bild eines Kampfes zwischen Reformern und Traditionalisten, bei dem auch landsmannschaftliche Seilschaften und der Ehrgeiz mancher Geistlicher eine Rolle spielen. Das Bild, das der Vatikan so abgibt, ist verheerend - Zerstrittenheit statt Einigkeit, der Kirchenstaat als Ort allzu weltlicher Machtspielchen.

Nun schickt sich der Vatikan an, die Informanten zu finden. Dazu seien umfangreiche Ermittlungen auf allen Ebenen des Heiligen Stuhls eingeleitet worden, berichtete das Kirchenblatt "L'Osservatore Romano" auf seiner Internetseite.

Der Kirchenanwalt des vatikanischen Gerichts übernahm die Leitung strafrechtlicher Untersuchungen, während das päpstliche Staatssekretariat, quasi die Regierung des Kirchenstaates, auf Verwaltungsebene ermittele. Außerdem habe Papst Benedikt XVI. eine übergeordnete Kommission ernannt, um Licht in die Angelegenheit zu bringen.

Im Gespräch mit der Zeitung warf der Substitut des Staatssekretariats, Erzbischof Angelo Becciu, den Verantwortlichen für die Weitergabe der Informationen Unredlichkeit und gemeine Feigheit vor. Sie hätten ihre privilegierte Stellung ausgenutzt, um Dokumente publik zu machen, deren "Vertraulichkeit zu respektieren sie verpflichtet waren". Dadurch sei in der Öffentlichkeit ein Bild der Römischen Kurie entstanden, das nicht der Realität entspreche.

"Es ist zu wünschen, dass sich die Basis unserer Arbeit wieder neu schaffen lasse: das gegenseitige Vertrauen", sagte Becciu. Dies setze jedoch "Seriosität, Loyalität, Korrektheit" voraus. Trotz des Schmerzes, die ihm diese Angelegenheit bereite, habe der Papst alle ermutigt, "nach vorn zu schauen", sagte der Erzbischof.

In den vergangenen Monaten waren aus dem Vatikan immer wieder vertrauliche Dokumente an die Medien durchgesickert. So wurden etwa interne Informationen über ein angebliches Mordkomplott gegen den Papst, die Abberufung eines unbequemen Bischofs und das Finanzgebaren der Vatikanbank IOR bekannt.

Der Vatikan hatte die Veröffentlichungen als "VatiLeaks" kritisiert - in Anspielung auf die Veröffentlichung geheimer US-Botschaftsdepeschen auf der Enthüllungsplattform WikiLeaks. Italienische Medien hatten über einen Machtkampf innerhalb der Spitze der Kurie spekuliert.

ulz/dpa/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles zum Thema Vatikan
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite