Offener Brief Dutzende Theologen werfen Papst Häresie vor

Wie geht die katholische Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen um? Papst Franziskus wirbt für mehr Barmherzigkeit und Offenheit in seiner Kirche. Genau dafür kritisieren ihn jetzt mehr als 60 Kirchenleute.

Papst Franziskus
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Dutzende katholische Theologen haben einen offenen Brief mit dem Titel "Zurechtweisung wegen der Verbreitung von Häresien" geschrieben. Das Schreiben wurde unter anderem von der italienischen Zeitung "La Stampa" veröffentlicht. Der Vorwurf ketzerischen Verhaltens richtet sich gegen Papst Franziskus.

Es geht um das päpstliche Schreiben "Amoris Laetitia", das unter anderem einen offeneren Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen thematisiert. In dem 2016 veröffentlichen Dokument rief Franziskus zu mehr Barmherzigkeit auf und trug den Ortskirchen an, über Fälle individuell zu entscheiden. Grundsätzlich hält er an den katholischen Normen zur Ehe fest.

Franziskus vertrete mit "Amoris Laetitia" sieben häretische - also von der Lehre abweichende - Positionen zur Ehe, dem moralischen Leben und dem Empfang der Sakramente, heißt es nun in dem offenen Brief. "Amoris Laetitia" verursache die Verbreitung dieser häretischen Meinungen in der katholischen Kirche. Die Unterzeichner stammen vorwiegend aus den USA und Italien. Kein Kardinal oder anderer hochrangiger Kirchenvertreter ist darunter, dafür aber der Ex-Chef der Vatikanbank, Gotti Tedeschi.

In der katholischen Kirche gibt es schon lange Streit über die Sexualmoral und darüber, ob wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen dürfen. Großes Aufsehen erregte der sogenannte "Dubia"-Brief von vier Kardinälen, darunter der mittlerweile verstorbene Joachim Meisner und Kardinal Walter Brandmüller. Sie forderten den Papst auf, die Zweifel um "Amoris Laetitia" auszuräumen.

"Er wurde von den alten Mächten blockiert"

Interviews des früheren Wirtschaftsprüfers des Vatikan bringen zusätzliche Unruhe in den Kirchenstaat. Libero Milone sprach von Intrigenspielen, die zu seinem Rücktritt im Sommer geführt hätten. Machtkämpfe machten dem Papst zu schaffen und brächten seine Reformvorhaben ins Stocken.

"Ich wollte Gutes für die Kirche, sie reformieren, wie es mir aufgetragen wurde, aber sie haben mich nicht gelassen", sagte Milone. "Ich denke, der Papst ist eine gute Person und er hat mit den besten Vorsätzen angefangen. Aber ich fürchte, er wurde von den alten Mächten blockiert, die immer noch da sind."

Milone war im Juni nach etwa zwei Jahren im Amt ohne Angabe von Gründen zurückgetreten. Das wurde als Zeichen gewertet, dass es mit der Reform des oft undurchsichtigen Finanzgebarens des Vatikans - eines von Franziskus' Hauptanliegen - nicht recht vorangehe. Der frühere Italien-Chef der Beratungsfirma Deloitte sollte die Finanzen transparenter machen.

Bei der Gendarmerie des Kirchenstaates sei er gezwungen worden, sofort zurückzutreten, andernfalls drohe ihm die Festnahme, sagte Milone unter anderem der Zeitung "Corriere della Sera". Er sprach von "Rufmord" und einer Inszenierung von Vorwürfen gegen ihn.

Der Vatikan teilte mit, Milone habe die Schweigepflicht über die Gründe für seinen Rücktritt gebrochen. Milone habe als Chef des Revisorenbüros illegalerweise eine externe Firma beauftragt, um das Privatleben von Angestellten des Heiligen Stuhls auszuspionieren.

ulz/dpa

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