Rom - Unter dem Jubel Zehntausender Gläubiger und Schaulustiger auf dem Petersplatz in Rom hat der scheidende Papst Benedikt XVI. seinen vorletzten öffentlichen Auftritt bestritten. Der 85-Jährige erteilte am Sonntag zum letzten Mal nach dem Angelus-Gebet vom Vatikan aus den Segen.
Gott habe ihn gerufen, "auf den Berg zu steigen, mich noch mehr dem Gebet und der Meditation zu widmen". Das bedeute aber nicht, dass er die Kirche verlasse, sagte der 85-Jährige am Sonntag in Rom. "Im Gegenteil, wenn Gott mich ruft, geschieht das, weil ich der Kirche weiter dienen kann mit derselben Hingabe und derselben Liebe wie bisher, aber in einer angemesseneren Weise für mein Alter und meine Kräfte", sagte er in seiner Ansprache.
Der Andrang war enorm, schon Stunden vorher warteten die ersten Gläubigen mit Transparenten auf dem Platz, wo das Gebet auf vier großen Leinwänden gezeigt wurde. Nach Angaben des Vatikan-Sprechers Federico Lombardi kamen rund 100.000 Menschen. "Allen danke ich für die vielen Zeichen der Nähe und Zuneigung, vor allem für das Gebet", sagte der Papst an die deutschen Pilger gewandt. Seine Stimme stockte während seiner Ansprache immer wieder, und er wurde von dem Jubel der Gläubigen unterbrochen.
Sonntägliches Ritual am Petersplatz
Das Angelus-Gebet wird in der katholischen Kirche dreimal am Tag - morgens, mittags und abends - gesprochen. Angelus ist das lateinische Wort für Engel. Das Gebet erinnert daran, wie der Erzengel Gabriel Maria die Geburt Jesu verkündigte, und fasst das Leben Jesu ganz kurz zusammen.
Der Papst betet das Angelus traditionell jeden Sonntag um 12 Uhr vom Fenster seines Arbeitszimmers aus mit allen Pilgern auf dem Petersplatz. Anschließend hält er eine kurze Ansprache und erteilt den päpstlichen Segen. Das Gebet wird stets direkt im staatlichen Fernsehen RAI übertragen.
Benedikt hatte Anfang Februar überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Vor seiner geplanten Amtsabgabe am Donnerstag wird er am Mittwoch seine letzte Generalaudienz auf dem Petersplatz geben. Dies wird zugleich sein letzter öffentlicher Auftritt als Papst - dann werden Hunderttausende Besucher erwartet. Im März sollen die wahlberechtigten Kardinäle zum Konklave zusammenkommen und einen neuen Papst bestimmen.
sto/AP/dpa/AFP
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