Vatikanbank-Affäre Ermittler verhaften hochrangigen Geistlichen

Es geht um Geldwäsche, Korruption und Betrug: In der Vatikanbank-Affäre hat die italienische Polizei jetzt Monsignore Nunzio Scarano festgenommen. Der hochrangige Geistliche soll Bankkonten geplündert haben.

Monsignore Nunzio Scarano: Verdacht auf Geldwäsche
AP

Monsignore Nunzio Scarano: Verdacht auf Geldwäsche


Rom - Ein hochrangiger Vatikan-Geistlicher ist im Rahmen von Ermittlungen zur Vatikanbank festgenommen worden. Die italienischen Behörden bestätigten, dass gegen Monsignore Nunzio Scarano wegen Betrugs und Korruption ermittelt werde. Demnach seien außerdem ein Mitarbeiter des italienischen Geheimdienstes und ein Finanzmakler festgenommen worden.

Laut der Zeitung "La Repubblica" soll Scarano den Geheimdienstmitarbeiter gebeten haben, mehrere Millionen Euro in bar aus der Schweiz in einem Privatjet zu transportieren. Dafür soll ihm der Geistliche demnach Geld gezahlt haben. Das Geld gehörte den Ermittlungen zufolge einem Freund Scaranos. Sein Anwalt Silverio Sica sagte dem Fernsehsender SkyTG24, sein Mandant habe "versucht, guten Freunden zu helfen" und keine persönlichen Vorteile daraus gezogen.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass Scarano bereits vor einigen Wochen vom Dienst suspendiert wurde, nachdem er ins Visier der Ermittler geraten war. Demnach wird ihm vorgeworfen, insgesamt 600.000 Euro in bar von einem Konto der Vatikanbank genommen und an Freunde verteilt zu haben. Im Austausch hätte er Schecks erhalten, die er dann auf ein italienisches Konto einzahlte - angeblich, um eine Hypothek abzuzahlen.

In einem Interview mit der Lokalzeitung "La Citta di Solerno" verteidigte sich Scarano Mitte Juni zu diesen Vorwürfen und stritt jegliche Beteiligung ab. Er habe nichts gestohlen.

Die Vatikanbank steht wegen des Verdachts der Geldwäsche bereits seit Jahren im Fokus der italienischen Justiz. Im September 2010 waren Ermittlungen gegen den damaligen Präsidenten Ettore Gotti Tedeschi und den damaligen Generaldirektor Paolo Cipriani wegen Verstoßes gegen das Geldwäschegesetz eingeleitet worden. Die Ermittlungen führten zur Entlassung der Führung des Geldinstituts und zur Einfrierung von Millionen Euro. Doch schon zuvor hatten zahlreiche Skandale das Image der Bank beschädigt, die Ermittlungen zufolge wiederholt der Mafia zur Geldwäsche diente.

Im Zuge der angekündigten Transparenz-Offensive von Papst Franziskus ist das Institut in den Fokus des Heiligen Stuhls geraten. Der Pontifex wolle künftig "besser über die rechtlichen Positionen und Aktivitäten der Bank" informiert werden, hieß es in einer offiziellen Mitteilung. Alle von einem eigens eingesetzten fünfköpfigen Untersuchungsausschuss gewonnenen Erkenntnisse sollen demnach direkt an das Kirchenoberhaupt weitergeleitet werden.

Zuvor hatte der Vatikan versprochen, seine Bemühungen um eine Reform der Bank zu verdoppeln. Auch der im Februar angetretene neue Chef des Geldhauses, Ernst von Freyberg, will den Ruf der viel kritisierten Vatikanbank erklärtermaßen nachhaltig verbessern. So solle im Oktober erstmals ein Jahresbericht des Instituts, das rund sieben Milliarden Euro verwalte und sich als Dienstleister im Zahlungsverkehr der katholischen Kirche verstehe, veröffentlicht werden.

Der Europarat hatte die ins Zwielicht geratene Vatikanbank im Juli zu mehr Einsatz im Kampf gegen Geldwäsche aufgefordert. In einem Bericht monierte das Gremium, dass vor allem die Kontrolle der Bank durch die vatikanische Finanzbehörde unzureichend sei. Diese erklärte im Mai, der Vatikan habe seinen Kampf gegen Geldwäsche schon verstärkt, nachdem der Bank in Berichten unter anderem dubiose Praktiken zugunsten der italienischen Mafia vorgeworfen worden waren.

Anmerkung der Redaktion: Italienische Medien hatten Nunzio Scarano zunächst als Bischof von Salerno bezeichnet. Auch eine frühere Version dieser Meldung enthielt diese falsche Information. Wir haben den Fehler korrigiert.

gam/AFP/Reuters

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