VatiLeaks Papst spricht Kardinalstaatssekretär Bertone Vertrauen aus

Bisher hielt sich Papst Benedikt XVI. in der VatiLeaks-Affäre sehr zurück, nun hat er Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone öffentlich gestärkt. Er dankte dem zweithöchsten Mann im Vatikan für "diskrete Unterstützung" und "klarsichtigen Rat" - dann flog er in den Sommerurlaub.

Papst Benedikt XVI. und Tarcisio Bertone (l.): "Mein persönliches Vertrauen aussprechen"
AP

Papst Benedikt XVI. und Tarcisio Bertone (l.): "Mein persönliches Vertrauen aussprechen"


Rom - Seit Wochen steht der zweitwichtigste Mann der katholischen Kirchenhierarchie im Mittelpunkt der sogenannten VatiLeaks-Affäre - nun hat sich der Papst schützend vor ihn gestellt: Benedikt XVI. hat Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone öffentlich sein Vertrauen ausgesprochen. Er habe "mit Bedauern die ungerechte Kritik" zur Kenntnis genommen, die an Bertone geübt worden sei, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichen Schreiben des katholischen Kirchenoberhaupts.

"Ich möchte Ihnen erneut mein persönliches Vertrauen aussprechen", erklärte der Papst in dem Brief an den 77 Jahre alten Kardinal. Bertone habe ihm in den zurückliegenden Monaten "diskrete Unterstützung" und "klarsichtigen Rat" gewährt, wofür er "tiefe Dankbarkeit" empfinde, so das Kirchenoberhaupt.

In den vergangenen Monaten waren immer wieder interne Dokumente aus dem Vatikan an italienische Medien weitergegeben worden. In den Unterlagen ging es unter anderem um Korruption, Geldwäsche und Kindesmissbrauch. In Anspielung auf WikiLeaks wird von VatiLeaks gesprochen. Wegen der Publikationen wurde im Mai der Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, festgenommen.

Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" hatte im Juni anonyme Beschuldigungen gegen Bertone und Papst Benedikts persönlichen Sekretär, Georg Gänswein, veröffentlicht, der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi schon Anfang des Jahres Briefe von Bertone. Darin bat dieser Benedikt, ihn nicht wegen des Aufdeckens eines mutmaßlichen Korruptionsfalls zu versetzen.

Vor kurzem noch wurde berichtet, das Verhältnis zwischen Benedikt und Bertone sei zerrüttet. Der Kardinalstaatssekretär wird für eine Reihe von Pannen verantwortlich gemacht und soll sich dafür den Unmut der Kurie zugezogen haben. Der 77-Jährige hatte keinerlei diplomatische Erfahrung, als er den Job als Nummer zwei im Vatikan annahm.

Die Ergebnisse der Untersuchung der VatiLeaks-Affäre sollen bis Ende Juli vorliegen. Der Bericht des aus Kardinälen bestehenden Ermittlungskomitees soll laut Vatikan aber vertraulich bleiben. Die Befragung Gabrieles soll in der kommenden oder in der darauffolgenden Woche abgeschlossen werden. Ein möglicher Prozess würde laut Vatikan nicht vor Oktober beginnen. Gabriele drohen im Fall einer Verurteilung bis zu sechs Jahre Haft, er könnte aber auch vom Papst begnadigt werden.

Der Papst ist inzwischen per Hubschrauber in seine Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom geflogen. Dort will er nach Angaben des Vatikan knapp drei Monate bleiben.

siu/AFP/AP



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e-cdg 10.07.2012
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Zitat von sysopAPBisher hielt sich der Papst in der Vatileaks-Affäre sehr zurück, nun hat Benedikt XVI. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone öffentlich sein Vertrauen ausgesprochen. Er dankte dem zweithöchsten Mann im Vatikan für seine "diskrete Unterstützung" und den "klarsichtigen Rat" - dann flog er in den Sommerurlaub. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,842606,00.html
Da bildet das Satiremagazin 'Titanic' einen Fleck vom heiligen Stuhl ab, und Benedikt XVI. erzwingt eine einstweilige Verfügung gegen das Blatt, es darf den Papst nicht mehr mit einem großen gelben Fleck vorne und einem braunen Fleck hinten auf der Soutane auf Titelbild und Rückseite zeigen. Doch das Bild wird bleiben: der Vatikan auf dem Weg zurück zur Inquisition!
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