"VatiLeaks": Vatikanische Polizei nimmt Verdächtigen fest

Wer ist der Insider, der seit Wochen den Vatikan mit immer neuen Enthüllungen bloßstellt? Die Ermittler haben nun eine Person festgenommen, die im Besitz vertraulicher Dokumente gewesen sein soll. Der Verdächtige wird verhört, Details halten die Kirchenleute geheim.

Geheimnisverrat im Vatikan: Ist der Maulwurf gefunden? Fotos
REUTERS/ Polizia di Stato

Rom - Ist dies das Ende von "VatiLeaks"? Seit Wochen werden die italienischen Medien mit Enthüllungen über Machenschaften im Vatikan gefüttert - ein Insider gab interne Dokumente weiter, die Obrigkeit des Kirchenstaats schien weitestgehend macht- und ratlos. Nun hat es in dem Kirchenstaat eine Festnahme gegeben.

Die Untersuchung des Falls durch die vatikanische Polizei habe zu einer Person geführt. Sie sei im Besitz geheimer Dokumente gewesen und werde nun verhört, teilte der Sprecher des Vatikans, Federico Lombardi, am Freitag mit.

Um wen es sich bei dem Verdächtigen handelt, ist unklar. Lombardi machte keine Angaben zur Identität oder Funktion des Festgenommenen. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am Abend unter Berufung auf eine Quelle, bei dem Festgenommenen soll es sich um einen Butler des Papstes handeln.

In den internen Dokumenten, die aus dem Vatikan an italienischen Medien gegeben wurden, geht es unter anderem um Korruptionsvorwürfe, ein angebliches Mordkomplott gegen den Papst sowie das Finanzgebaren der Vatikanbank IOR. Im Fokus der Korruptionsvorwürfe stand oft Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, die Nummer zwei nach dem Papst. Italienische Medien spekulierten über einen Machtkampf innerhalb der Spitze der Kurie.

Der Vatikan hatte die Veröffentlichungen als "VatiLeaks" scharf kritisiert - in Anspielung auf die Veröffentlichung geheimer US-Botschaftsdepeschen auf der Enthüllungsplattform WikiLeaks. Papst Benedikt XVI. ordnete Mitte März eine Untersuchung an und betraute eine Kommission von Kardinälen unter der Leitung von Erzbischof Angelo Becciu mit Ermittlungen auf allen Ebenen des Heiligen Stuhls.

Am Donnerstag war der Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi, nach einem einstimmigen Misstrauensvotum des Vorstands zurückgetreten. Das Pressebüro des Vatikans teilte mit, er habe nicht den "grundlegenden Anforderungen" seines Amts genügt. Gotti Tedeschi, ein Experte für Finanzethik, hatte seit dem Jahr 2009 an der Spitze der Vatikanbank gestanden. Die Staatsanwaltschaft leitete jedoch schon im Jahr 2010 Ermittlungen wegen Geldwäscheverdachts gegen ihn ein.

siu/Reuters/dapd

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insgesamt 4 Beiträge
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1. da fällt mir
einsteinalbert 25.05.2012
nur noch der Spruch : " Die Heiligkeit ist der Scheinheiligen Heiligenschein " Man kann ja mal bei Otto von Corvin nachlesen.
2.
ritevandenberg 25.05.2012
Zitat von sysopGetty ImagesWer ist der Insider, der seit Wochen den Vatikan mit immer neuen Enthüllungen bloßstellt? Die Ermittler haben nun eine Person festgenommen, die im Besitz vertraulicher Dokumente gewesen sein soll. Der Verdächtige wird verhört, Details halten die Kirchenleute geheim. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,835307,00.html
Ich meine als Katholikin: Kann man hier im Spiegel nicht endlich mal die Katholische Kirche und den Vatikan in Ruhe lassen?Ständig versucht man mit den erfundenen Geschichten wild gewordener italienischer Journalisten, die jetzt nicht mehr den Berlusconi haben, jetzt mit fantasierten Geschichtchen aus Käseblättern unseren Heiligen Vater schlecht zu reden.
3.
günter1934 25.05.2012
Zitat von ritevandenbergIch meine als Katholikin: Kann man hier im Spiegel nicht endlich mal die Katholische Kirche und den Vatikan in Ruhe lassen?Ständig versucht man mit den erfundenen Geschichten wild gewordener italienischer Journalisten, die jetzt nicht mehr den Berlusconi haben, jetzt mit fantasierten Geschichtchen aus Käseblättern unseren Heiligen Vater schlecht zu reden.
Liebe Katholikin! Beruht das vielleicht nicht auf Gegenseitigkeit? Die katholische Kirche und der Vatikan sind fest in unserem Staat verankert. Unser Staat treibt die Kirchensteuer ein, er bezahlt die Bischöfe und die Religionslehrer, die an staatlichen Schulen Ihre Religion verbreiten dürfen. Sozusagen für umsonst. Da braucht man nicht unbedingt die katholische Kirche und den Vatikan in "Ruhe lassen". Sondern hat das Recht, sich für die Verhältnisse dort zu interessieren.
4. Den Vatican in Ruhe lassen?
chceder 27.05.2012
Zu lesen bei Mafiatoday 23-5-2012; A schoolgirl missing for almost 30 years and thought to be buried inside the tomb of a Mafia boss in Rome was kidnapped for Vatican sex parties, a senior priest has claimed. Father Gabriel Amorth, the Catholic Church’s leading exorcist, said 15-year-old Emanuela Orlandi’s disappearance in 1983 had a “sexual motive”. Her remains have never been found, but last week police and forensic experts exhumed the body of mobster Enrico De Pedis after a tip-off that the truth about Emanuela’s disappearance would be found. As well as his remains, buried in the crypt of the Sant’Apollinare basilica after he was gunned down in 1990 by members of his own gang, they found other unidentified bones. Father Amorth, 85, who in the past has denounced yoga and Harry Potter as the “work of the Devil”, told the respected La Stampa newspaper Emanuela’s disappearance “was a crime with a sexual motive”. He added: “It has already been stated by the late Monsignor Simeone Duca, a Vatican archivist, who was asked to recruit girls for parties with the help of the Vatican gendarmes.“I believe Emanuela ended up in this circle, that this was a case of sexual exploitation, which led to murder and then the hiding of her body. Also involved are diplomatic staff from a foreign embassy to the Holy See.” There was no immediate response from the Vatican. – Daily Mail
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