Verbotene Männermode Wenn Kerle Blöße zeigen

Dürfen Geschäftsleute bald in Shorts zum Meeting erscheinen? Und Polizisten in Bermudas Dienst schieben? Auf den Mailänder Modeschauen propagieren Designer jedenfalls den Trend zum spärlichen Beinkleid für jede Gelegenheit, Lendenschurz inklusive.


Hamburg - Männer in kurzen Hosen sind der Alptraum vieler Modeexpertinnen. Erst kürzlich warnte eine Imageberaterin namens Evelin S. Knauß in der "Stuttgarter Zeitung" die Geschäftswelt vor allem aus dem Kleiderschrank, "was zu viel Fleisch zeigt". Und in der "Mitteldeutschen Zeitung" kam eine Kollegin namens Elisabeth Bonneau zum Thema "Shorts am Arbeitsplatz" zu Wort: "Das können Sie in Australien machen, bei uns bitte nicht", sagte sie.

Die beiden müssen zutiefst geschockt sein von dem, was in Mailand derzeit bei der "Milano Moda Uomo" über die Laufstege flaniert: Ob Armani, Prada oder Vivienne Westwood, die Designer zeigen allesamt den Mann in kurzen Hosen. Das kann man durchaus als Emanzipation verstehen. Dieses Jahr waren Modezeitschriften und Läden schließlich schon voll von eleganten Shorts für die Frau. Nun dürfen auch die kurzen Männerhosen die Enklaven verlassen, in denen sie bislang zu sehen waren: Touristenhochburgen, Privatgärten, Sportplätze. Künftig sollen Shorts überall tragbar sein, die italienische Marke Moschino empfiehlt Bermudas selbst zum Dinnerjacket mit Hemd und Fliege.

Die Damenwelt hat sicher nichts gegen diesen Trend, auch wenn manche Frauen vielleicht ein wenig neidisch darauf sind, dass das neue Modediktat den Männern das Beinerasieren erspart. Wie die Zeitschrift "Men's Health" jüngst bei einer Umfrage unter 1200 Frauen herausfand, mögen fast neunzig Prozent kurze Hosen an Männern, allerdings gab mehr als die Hälfte der Shortsfreundinnen an, dass die Beine des Herrn nicht käsig weiß sein dürften. Das Interesse an den Blößen der Männer scheint nur konsequent in Zeiten, in denen Frauen vor dem Fernseher über die optischen Qualitäten von Fußballstars fachsimpeln, und die Männer in Sachen Körperkult aufholen.

Wer weiß, vielleicht stirbt es wirklich bald, das Shorts-Tabu. Dann müssten auch die Männer nicht mehr bei 35 Grad im Job schwitzen. Und keiner bräuchte sich die Mühe zu machen, das Shortsverbot auszutricksen wie einst ein schwedischer Busfahrer während einer Hitzewelle im Jahr 2003: Er lieh sich einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge kurzerhand einen Rock seiner Kollegin. Die Bilanz seines Experiments: "Man fühlt sich besser, abgekühlter."

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