Verdacht auf Geheimnisverrat Razzia beim Terrorexperten Ulfkotte

Die Polizei hat am Mittwoch das Haus des Journalisten und Buchautoren Udo Ulfkotte durchsucht. Der Sicherheitsexperte werde der Bestechung beschuldigt, sowie "der Anstiftung zum Verrat von Dienstgeheimnissen". Ulfkotte streitet die Vorwürfe ab.


Frankfurt am Main - Die Hausdurchsuchung dauerte fast zwei Stunden, um 11.50 Uhr dann verließen die zehn Polizeibeamten mit drei beschlagnahmten Computern und Ordnern das Haus von Udo Ulfkotte in Glashütten im Taunus. Schon seit 25. Februar dieses Jahres wartet der Durchsuchungsbefehl auf Vollstreckung, ursprünglich sollten auch die Räume der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", wo Terrorexperte Ulfkotte bis 2003 als Redakteur beschäftigt war, unter die Lupe genommen werden.

Der des Geheimnisverrats und Bestechung beschuldigte Journalist und Buchautor habe häufig Kenntnisse von Staatsschutzverfahren, die noch gar nicht veröffentlicht worden seien, sagte Rainer Schillig, Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Da diese Informationen nicht von der Staatsanwaltschaft selbst kommen, müssten sie woanders her stammen, so Schillig weiter.

Das Landgericht Frankfurt hatte seinen Durchsuchungsbeschluss mit einer Verbindung von Ulfkottes zum Frankfurter Polizeipräsidium begründet. Im September 2003 wurde dort wegen eines geplanten Sprengstoffanschlages mit islamistischem Hintergrund auf die Internationale Automobilausstellung (IAA) ermittelt - die Ermittlungen wurden als Verschlusssache eingestuft.

Unmittelbar nach dieser Besprechung wurde aus einem Kommissariats-Büro ein Telefonat mit einer Firma geführt, die Ulfkotte zuvor gegenüber einem Polizeibeamten wegen eines Rückrufs genannte hatte. Zwei Tage später habe der Beschuldigte dann einen Artikel im "Hamburger Abendblatt" über den Verdacht eines Bombenanschlages auf die IAA veröffentlicht, wobei der Artikel eine Fülle von Informationen enthielt, die nur auf Unterlagen aus der betreffenden Polizeidienststelle zurückgehen konnten.

Der Sicherheits-Experte, der an der Universität Lüneburg lehrt, und zurzeit auf einer Lesereise in Sachsen unterwegs ist, weist die Vorwürfe zurück. Er habe nie jemanden aufgefordert, ihm Dienstgeheimnisse zu verraten, sagte Ulfkotte am Mittwochabend in Zwickau. "Ich habe nichts zu verbergen außer meine Quellen, und die gebe ich nicht preis." Zudem wünsche sich der Publizist, "dass die Polizei genauso energisch gegen islamistische Terroristen und gegen das osteuropäische Organisierte Verbrechen vorgehen würde und nicht gegen Journalisten, die darüber berichten".



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