Verdienstkreuz-Debatte Griefahn will Bohlen Orden anhängen

600 goldene Schallplatten, Goldener Löwe, Goldene Feder - eigentlich ist Dieter Bohlens persönliche Hall of Fame gut ausgestattet. Doch ein Bundesverdienstkreuz fehlt noch. Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, Monika Griefahn, macht sich nun erneut für Bohlen stark.




Sunnyboy Bohlen: Vielleicht lacht ihm ja bald das Bundesverdienstkreuz
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Sunnyboy Bohlen: Vielleicht lacht ihm ja bald das Bundesverdienstkreuz

Berlin - Dieter Bohlen habe die Auszeichnung wirklich verdient, er sei ein "Aushängeschild für Deutschland", erklärte Monika Griefahn am Donnerstag in einem Interview der "Bild"-Zeitung. Bohlen sei darüber hinaus "Vorbild für die Jugend und zahlt seine Steuern in Deutschland".

Böse Zungen behaupten, Griefahn setze sich nur aus einem Grund für den Musikproduzenten ein: Bohlen wohnt in ihrem Wahlkreis. Als sie - bereits vor etwa einem Jahr - einen Orden für den 49-Jährigen beantragt hatte, stieß sie damit beim damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel (SPD) auf taube Ohren. Gabriel, der von der SPD zum "Beauftragten für Popkultur und Popdiskurs" ernannt worden war, erklärte im Nachhinein, er hätte persönlich dafür gesorgt, dass Bohlen der Orden verwehrt worden sei.

Gabriel: Modern-Talking-Auflösung "längst überfällig"

Als Bohlen vor zwei Wochen die Auflösung seiner Band Modern Talking verkündete, kommentierte Gabriel: Die Maßnahme sei "längst überfällig" gewesen und entspreche seinem Musikgeschmack. Griefahn dagegen verkneift sich negative Kommentare zur Pop-Massenware aus Bohlens Feder. Es gehe ihr nicht darum, Musik oder Modern Talking auszuzeichnen. Aber: "Er hat in 20 Ländern Nummer eins Hits gelandet und ist damit ein guter Botschafter für Deutschland."

Modern Talking hat sich zum zweiten Mal aufgelöst - Gabriel freut's
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Modern Talking hat sich zum zweiten Mal aufgelöst - Gabriel freut's

Der Musiker selbst hatte sich in der "Bild"-Zeitung wenig erfreut über Gabriels Ausspruch gezeigt. "Ich finde es sehr merkwürdig, wenn jemand wie Sigmar Gabriel Erfolg ablehnt und offenbar stolz auf seinen eigenen politischen Misserfolg ist", erklärte er.

Jeder Politiker wäre heilfroh, "wenn er auch nur annähernd so viele Wählerstimmen erhielte, wie Bohlen Platten verkauft hat", ruderte Gabriel daraufhin zurück.

Im vergangenen Jahr hatte ein Regierungssprecher die Verdienstkreuz-Absage an Bohlen damit verteidigt, dass Deutschlands höchste Auszeichnung zu gleichen Teilen an Männer und Frauen gehen müsse, so sei es vorgeschrieben. Es hätten zu viele Männer auf der Warteliste gestanden, so dass der Modern-Talking-Schöpfer nicht zum Zug gekommen sei.

Stefan Raab setzte die Verdienstkreuz-Debatte in Gang

Ursprünglich hatte Fernseh-Comedien Stefan Raab ("TV Total") die Verdienstkreuz-Debatte losgetreten. Bohlen habe sich um die "Förderung des deutschen Ansehens" verdient gemacht, schrieb der Satiriker vor mehr als einem Jahr in seinem Ordens-Antrag. Er habe als einer der ersten Musiker noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs in der ehemaligen Sowjetunion gespielt und war als "Held der russischen Jugend" ausgezeichnet worden. Außerdem habe er durch die langjährige Beziehung zu Nadja Abd El Farrag (Naddel) "Integration öffentlich vorgelebt".

Dieter Bohlen ist im Mai für seine Memoiren "Nichts als die Wahrheit" mit der Goldenen Feder ausgezeichnet worden.



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