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Verheerende Tornados in den USA: "Bitte betet für uns!"

Es ist die schlimmste Tornado-Serie seit Jahrzehnten in den USA: Mindestens 250 Menschen starben im Südosten des Landes, eine Million Bewohner sind ohne Strom, ein AKW wurde abgeschaltet. Präsident Obama reist am Freitag in das Katastrophengebiet - der Wetterdienst warnt vor neuen Stürmen.

Washington/Tuscaloosa - Dass es kein normaler Sturm war, der da draußen wütete, wurde Len Creer aus Pratt City im US-Bundesstaat Alabama klar, als sie ihren Schäferhund und ihren Pitbull am Fenster vorbeifliegen sah. Die Amerikanerin verkroch sich in ihrem Keller und als sie sich wieder heraustraute, fand sie nur noch einen Teil ihres Hauses vor - und ihre Hunde, verletzt, aber am Leben.

Der Südosten der USA steht unter Schock. Eine Serie von Hunderten Tornados zog mit zerstörerischer Kraft über sechs Bundesstaaten hinweg. Mindestens 250 Menschen starben, in vielen Städten suchen Rettungskräfte noch immer nach weiteren Toten. Nach Angaben des US-Wetterdienstes trafen allein am Mittwoch 150 Berichte über Tornados ein. Das entspricht fast der durchschnittlichen Zahl von Tornados in den USA im gesamten Monat April.

"Es könnte der schlimmste Tornado-Ausbruch der US-Geschichte sein", sagte der CNN-Meteorologe Sean Morris. Andere US-Medien sprachen von der schlimmsten Tornado-Serie seit 1974, als 310 Menschen durch Wirbelstürme ums Leben gekommen waren.

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Stürme in den USA: Verheerende Tornadoserie
Besonders heftig traf es Alabama, der Staat wurde von zwei schweren Sturmfronten heimgesucht. Die Wirbelstürme und Überschwemmungen kosteten mindestens 160 Menschen das Leben, bis zu einer Million der 4,7 Millionen Einwohner waren laut dem Gouverneur Robert Bentley ohne Strom.

Die Leichenhallen sind überfüllt

Durch die Universitätsstadt Tuscaloosa in Alabama riss ein Tornado eine rund 1,5 Kilometer breite Schneise der Verwüstung: Innerhalb weniger Minuten verwandelte der Wirbelsturm Stadtviertel in Trümmerlandschaften, Autos wurden durch die Luft gewirbelt. "Er vernichtete im wahrsten Sinne des Wortes Straßenzüge um Straßenzüge. Häuserblöcke wurden ausradiert", sagte Bürgermeister Walter Maddox. "Ich weiß nicht, wie das jemand überleben konnte. Bitte betet für uns!", sagte der schockierte Bürgermeister, der seine 83.000-Einwohner-Stadt kaum wiedererkennt.

Stürme mit einer Geschwindigkeit von etwa 160 Stundenkilometern wirbelten bereits am Mittwochmorgen auch durch die Stadt Birmingham in Alabama. Danach waren viele Straßen unpassierbar, Bäume und Autos waren umgestürzt, Menschen standen weinend vor den Schutthaufen, wo noch kurz zuvor ihr Zuhause war. "Mein Badezimmer ist jetzt auf der anderen Straßenseite", sagte eine Frau fassungslos dem örtlichen Sender WMBC. Alle Krankenwagen aus der Region waren im Einsatz. "Es geht zu wie mit den vielen Taxis auf den Straßen New Yorks", sagte ein Sprecher des Roten Kreuzes. In manchen Gebieten Alabamas sind die Leichenhallen so überfüllt, dass Kühlwagen die Toten aufnehmen müssen.

Und es wird befürchtet, dass die Zahl der Toten noch weiter steigen könnte. US-Präsident Barack Obama rief 2000 Nationalgardisten zur Hilfe, um nach Überlebenden zu suchen. "Wir werden wahrscheinlich dass Ausmaß der Zerstörung erst in Tagen kennen", sagte Obama in einer ersten Erklärung. "Wir stehen bereit, allen Bürgern zu helfen, die von diesen Stürmen betroffen sind." Der Präsident will am Freitag in das Katastrophengebiet reisen und sich persönlich ein Bild machen.

Todesopfer und schwere Verwüstungen gab es auch in den Staaten Mississippi, Arkansas, Georgia, Tennessee und Virginia. Siedlungen wurden dem Erdboden gleichgemacht, in mehreren Staaten wurde der Notstand ausgerufen. Für eine Schätzung der Schadenshöhe sei es noch zu früh, sagen die Behörden.

Eines der größten Atomkraftwerke des Landes braucht Notfall-Generatoren

Die Region wird häufig von Tornados heimgesucht, doch nur selten entfalten die Stürme ein solches Zerstörungspotential. Das Unwetter könnte zudem zur schlimmsten Naturkatastrophe in den USA seit dem Hurrikan " Katrina" 2005 werden, als 1500 Menschen starben.

Der Nationale Wetterdienst (NWS) warnte unterdessen bereits vor neuen Tornados, Hagel, Überschwemmungen und Blitzschlag in Teilen der Südstaaten Alabama, Georgia und Mississippi sowie vor Unwettern in weiteren 21 Bundesstaaten von den Großen Seen bis zur Golfküste und zum Atlantik. Für Samstag wurde eine neue Schlechtwetterfront erwartet.

Angesichts des riesigen Ausmaßes der Verwüstung fühlten sich viele an die Erdbeben- und Tsunami- Katastrophe in Japan erinnert - vor allem als Meldungen die Runde machten, dass die drei Reaktoren des Atomkraftwerks Browns Ferry in Alabama wegen der Stürme automatisch abgeschaltet wurden. Notfall-Dieselgeneratoren sprangen an, um die Kühlung der Brennstäbe zu übernehmen und eine Kernschmelze wie in Fukushima zu verhindern. Bei den Reaktoren handelt es sich um ähnliche Blöcke wie die in dem japanischen AKW, das durch die Naturkatastrophe am 11. März so schwer beschädigt wurde, dass Strahlung austrat.

Browns Ferry zählt zu den größten Atomkraftwerken des Landes. Es versorgt 2,6 Millionen Haushalte mit Strom. Es wird Tage, wenn nicht gar Wochen dauern, bevor es wieder ans Netz gehen kann. Zuerst müsse die Verlässlichkeit der Hochspannungsleitungen wieder hergestellt sein, sagte ein Sprecher des Betreibers. Das AKW selbst sei aber unbeschädigt, sagte der Sprecher. Die Nuklearregulierungsbehörde (NRC) in Washington stufte den Vorfall als "ungewöhnlich" ein - das ist die niedrigste von vier NRC-Kategorien bei der Beschreibung von Notsituationen.

lgr/dpa/AFP/Reuters/dapd

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1. US Leichtbauweise
Habeshah 28.04.2011
Zitat von sysopEs ist die schlimmste Tornado-Serie seit Jahrzehnten in den USA: Mindestens 250 Menschen starben im Südosten des Landes, eine Million Bewohner sind ohne Strom, ein AKW wurde abgeschaltet. Präsident Obama reist am Freitag in das Katastrophengebiet - der Wetterdienst warnt vor neuen Stürmen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,759625,00.html
Ich werde nie verstehen warum man in USA, in Gegenden die regelmäßig von Stürmen heimgesucht werden nicht sturmfest baut. In Florida gibt es solche Bauvorschriften. Da werden Türen und Fenster mit Stahl verriegelt, die Wände aus Beton gebaut und die Armierung der Wände zur Befestigung des Daches genutzt. Dann fliegt auch nichts weg. Aber es gibt vieles was ich in USA nicht verstehe, obwohl ich recht gerne da bin.
2. Beten?
AlteRatte 28.04.2011
Warum soll wohl irgend jemand beten und zu wem? Der, zu dem gebetet werden soll, hat gerade die Tornados zusammengebastelt. Also stabile Häuser bauen. In den Keller gehen wenn vor Tornados gewarnt wird. Umziehen. Das hilft mehr
3. Wie
josh67 28.04.2011
bitte kann man ein AKW abschalten?
4. Schlechte Häuser und Irrglaube
Kaygeebee 28.04.2011
Wissen die meisten eigentlich wie die Häuser in den USA gebaut werden? Der größte Teil der Bausubstanz besteht aus Dämmwolle, Spanplatten und einer Schicht aus Plastikschindeln an der Außenwand. Ein solides Fundament gibt es nicht wirklich. Warum sind die Häuser dort wohl so billig und jeder kann sich eins leisten? Ich habe lange in den USA gelebt und habe es tatsächlich einmal geschafft mit einem kräftigen Tritt ein Loch in die Wand zu schlagen. Wenn ich das mit 17 Jahren hinbekomme, dann wird ein Tornado mit Windgeschwindigkeiten von mehreren hundert km/h keine großen Schwierigkeiten haben. "Bitte betet für uns!" Tolle Einstellung! Damit wird alles besser. (Sarkasmus aus). Wenn die an Gott glauben und ihn anbeten, warum lässt er so etwas dann zu? Wie kann man mit etwas Verstand noch an einen guten Gott glauben wenn man mit ansehen musste wie eine Stadt vernichtet wurde? Kontrolliert Gott nicht alles? Ist er somit nicht auch für diese Unwetter verantwortlich? Ich Zitiere hier mal den griechischen Philosophen Epikur: “Is God willing to prevent evil, but not able? Then he is not omnipotent. Is he able, but not willing? Then he is malevolent. Is he both able and willing? Then whence cometh evil? Is he neither able nor willing? Then why call him God?”
5. Es ist billiger!
regengott 28.04.2011
Zitat von HabeshahIch werde nie verstehen warum man in USA, in Gegenden die regelmäßig von Stürmen heimgesucht werden nicht sturmfest baut. In Florida gibt es solche Bauvorschriften. Da werden Türen und Fenster mit Stahl verriegelt, die Wände aus Beton gebaut und die Armierung der Wände zur Befestigung des Daches genutzt. Dann fliegt auch nichts weg. Aber es gibt vieles was ich in USA nicht verstehe, obwohl ich recht gerne da bin.
In den USA gibt man der Leichtbauweise den Vorzug weil es schlichtweg billiger ist. Selbst massiv gebaute Häuser tragen bei diesen Stürmen schwere Schäden davon und müssen häufig abgerissen oder teuer wiederaufgebaut werden, da gibt man billigen "Wegwerfhäusern" den Vorzug. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mir in einer Tornadoregion zumindest einen massiven, gesicherten Keller bauen würde um meine Familie zu schützen. Ich durfte auch hier in der Eifel bereits schweren Stürmen (nichts im vergleich zu Tornados) beiwohnen, besonders einprägsam war ein Gewittersturm im Jahr 1987, bei dem selbst Massivbauten eingestürzt sind, das war wirklich schlimm.
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Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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