Verheerende Überschwemmungen: Drei Menschen ertrinken bei Unwetter-Inferno im Killertal

Chaos im Südwesten Baden-Württembergs: Sintflutartige Regenfälle sorgten im Zollernalbkreis für verheerende Überschwemmungen. Drei Frauen ertranken bei der Katastrophe. Durch das Unwetter entstanden Schäden in Millionenhöhe.

Balingen - Hunderte von Helfern sind noch immer im Südwesten Baden-Württembergs im Einsatz. "Alles, was laufen kann, ist dort", berichtete ein Polizeisprecher. Das Zentrum der Unwetter am Montagabend lag im Zollernalbkreis in der Region Hechingen. Dort kam es im Killertal durch Gewitter und starken Regen zu sintflutartigen Überschwemmungen. Die Rettung gestalte sich aber schwierig und sei nicht gefahrlos möglich, da die Gebiete zum Teil noch überflutet seien.

Eine Frau ertrank in ihrem Auto, das von den plötzlichen Wassermassen mitgerissen wurde. Unklar sei, ob sich ihre Beifahrerin zunächst aus dem Auto retten konnte und später ertrank oder ob sie ebenfalls im Auto starb und dann von den Fluten herausgespült wurde, teilte der Krisenstab des Landratsamtes Balingen mit. Eine weitere Frau wurde in ihrem Haus von dem Wasser überrascht und ertrank im überfluteten Keller.

Ebenfalls in Oberschwaben wurde zudem ein Lokführer schwer verletzt, als er mit seiner Lok auf einen umgestürzten Baum prallte. Zwei Fahrgäste wurden leicht verletzt. Im Landkreis Esslingen ging ebenfalls ein starkes Unwetter nieder.

In den Einsatzzentralen der Feuerwehr und der Polizei gingen Hunderte von Notrufen in kürzester Zeit ein, wie die Polizei in Esslingen mitteilte. Die Feuerwehren waren im Einsatz, um Hunderte von vollgelaufenen Kellern leer zu pumpen und teilweise überflutete Straßen wieder befahrbar zu machen. Viele Ortsstraßen mussten kurzfristig gesperrt werden.

In Neckartailfingen war der Tunnel der Bundesstraße 297 überflutet und musste gesperrt werden. Ebenso die Ortsdurchfahrt, wo Schotter von einer Baustelle auf die Fahrbahn gespült worden war.

Im Killertal wurden zahlreiche Gebäude in mehreren Ortsteilen, die an einem Bach entlang liegen, erheblich beschädigt. Zum Teil hätten die Bewohner in die oberen Stockwerke ihrer Häuser flüchten müssen. Straßen seien weggespült worden. Das Ausmaß der Sachschäden sei zwar noch nicht abzuschätzen, dürfte jedoch in die Millionen Euro gehen, sagte ein Polizeisprecher.

Auf dem Flughafen Stuttgart kam es aufgrund des starken Gewitters zu erheblichen Verzögerungen im Flugbetrieb. Bei 46 Maschinen verschiedener Fluglinien kam es zu Verspätungen. Auch die Städte Tübingen und Reutlingen waren den Angaben zufolge von den schweren Unwettern betroffen.

Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) kündigte an, sich am Morgen selbst ein Bild von der Lage machen zu wollen.

Der Deutsche Wetterdienst hatte am Abend in Teilen von Baden-Württemberg vor schweren Gewittern mit Hagel und heftigen Sturmböen gewarnt. Auch starker Regen sei möglich, hieß es. Prognostiziert wurde eine Niederschlagsmenge von bis zu 55 Millimetern pro Stunde. Hagel könnte eine Korngröße von mehr als zwei Zentimetern erreichen. Dazu wurden schwere Sturmböen aus Süd bis Südwest mit Geschwindigkeiten um 100 km/h vorhergesagt. Um Mitternacht hob der Deutsche Wetterdienst die Unwetterwarnung für die Region wieder auf.

Auch in Belgien haben heftige Gewitter den Zugverkehr gestört sowie Straßen und zahlreiche Keller überschwemmt. In verschiedenen Landesteilen schlugen Blitze in Häuser, Scheunen und Bahnanlagen ein. Manche Ortschaften standen nach starken Regenfällen völlig unter Wasser, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga am Abend meldete. Verletzt wurde nach ersten Angaben niemand.

als/ddp/Reuters

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