Verkehrs-Chaos vor Weihnachten: Karambolage auf der A9, Mega-Stau auf der A2

Spiegelglatte Straßen haben den Vorweihnachts-Reiseverkehr vielerorts erheblich behindert. Auf der wichtigsten Ost-West-Verbindung, der A2, stauten sich die Autos auf hundert Kilometer Länge. Bei einer Massenkarambolage auf der A9 kam ein Mann ums Leben, zehn Menschen wurden verletzt.

Verkehrs-Chaos vor Weihnachten: Schlittern im Stau Fotos
dpa

Hannover/Braunschweig - Auf der wichtigsten Ost-West-Trasse Deutschlands herrschte am Donnerstagabend Stillstand: Auf der Autobahn 2 kam der Verkehr durch Eisregen fast vollständig zum Erliegen. Zwischen Hannover und der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt stauten sich die Autos in beiden Richtungen auf hundert Kilometern Länge. "Seit Stunden geht hier fast gar nichts mehr. Nur Schritttempo ist möglich", sagte Holger Heuer von der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen.

Die Straßenverhältnisse seien durch den Eisregen kritisch. Zudem kämen die Streufahrzeuge kaum durch. "Wir raten, gar nicht erst loszufahren", sagte Heuer. Ein Beamter der Autobahnpolizei Braunschweig sprach von Blitzeis und einer bis zu fünf Zentimeter dicken Eisschicht auf der Fahrbahn.

Die stark befahrene A2 ist die wichtigste Verbindung vom Ruhrgebiet über Berlin Richtung Osten. Ursache für den Stau in Richtung Hannover war ein umgestürzter Lkw, doch auch in der Gegenrichtung staute sich der Verkehr auf eisglatter Straße. "Wir raten jedem in dem Stau, von der Autobahn abzufahren und sich gegebenenfalls ein Hotel zu suchen", sagte der Verkehrsexperte.

Massenkarambolage auf der A9

Auch auf anderen Autobahnen und Straßen, vor allem in Nord- und Ostdeutschland, behinderten Eisregen und Glätte den Reiseverkehr erheblich. In Bremen war seit dem Nachmittag wegen eines umgestürzten Lkws stundenlang die A1 in Richtung Osnabrück gesperrt. Der von Hamburg kommende Verkehr staut sich nach Behördenangaben bis zu 30 Kilometer.

Auch auf der Nord-Süd-Achse A9 stockte der Verkehr. Zwischen Berlin und München waren nach Polizeiangaben am Donnerstag 51 Fahrzeuge in eine Unfallserie verwickelt. Bei dem Unfall zwischen Bad Dürrenberg und Naumburg krachten bei Nebel auf eisglatter Fahrbahn 45 Autos, vier Lastwagen und zwei Transporter ineinander. Ein Mann aus Sachsen-Anhalt kam ums Leben, zehn Menschen wurden verletzt.

Auf der stark befahrenen Nord-Süd-Route bildete sich ein zehn Kilometer langer Stau in Richtung München. Der Verkehr wurde an der Unfallstelle vorbeigeleitet. Die Bergung der Fahrzeuge durch die Feuerwehr werde Stunden dauern, hieß es. Zahlreiche Rettungskräfte und Ärzte waren am Unfallort. Das Deutsche Rote Kreuz baute ein Zelt auf, um Verletzte zu versorgen. Zur Identität des Unfallopfers und zum Auslöser der Massenkarambolage konnte die Polizei noch keine Angaben machen.

Knappes Streusalz

Viele Landkreise haben inzwischen fast kein Streusalz mehr. Im Kreis Holzminden in Niedersachsen hieß es, das Salz reiche nur noch für die wichtigsten Straßenabschnitte.

Im Norden Schleswig-Holsteins behinderten Schneeverwehungen die Autofahrer. Auch dort stellten sich auf den Autobahnen immer wieder Lastwagen quer, Autos rutschten von vereisten Fahrbahnen. Blitzeis legte am Morgen die Autobahn 24 Berlin-Hamburg lahm, die nach mehreren Unfällen bei Neuruppin zeitweise gesperrt werden musste. Ein 18-Jähriger starb nach einem Unfall bei Reinbek. Sein drei Jahre jüngerer Beifahrer wurde schwer verletzt. Ihr Wagen war auf glatter Fahrbahn gegen einen Baum geprallt.

Auf der A1 zwischen Hamburg und Lübeck spitzte sich die Situation am Vormittag zu, es gab mehrere Glätteunfälle mit Verletzten. "Die Autobahn vereist zunehmend. Die Leute sollten zu Hause bleiben oder vorsichtiger fahren", warnte eine Polizeisprecherin.

In der Nacht hatte Regen in Brandenburg und Berlin zu überfrierender Nässe geführt. Aus Sachsen-Anhalt wurde verbreitet Blitzeis gemeldet, in einigen Kreisen wurde der Busverkehr eingestellt.

Bahn: ICE dürfen höchstens 200 Stundenkilometer fahren

Auch an Heiligabend bleibt es kalt - und es fällt fast überall Schnee. Im Norden und Osten kann die Bescherung Meteorologen zufolge aber auch weniger schön ausfallen. Das Tief "Scarlett" bringt neben neuem Schnee kräftigen Wind, der zu Schneeverwehungen führen kann.

Auch der Bahnverkehr ist wieder betroffen - vor allem auf den Strecken im Norden gab es Ausfälle und Verspätungen. Mehr als sechs Stunden war wegen massiver Schneeverwehungen der Zugverkehr zwischen Oldenburg und Puttgarden in Schleswig-Holstein lahmgelegt. Erst nachdem eine Schneefräse die Strecke geräumt hatte, konnte sie am späten Nachmittag wieder freigegeben werden.

Die Bahn kämpfte bundesweit mit dem Ansturm von Weihnachtsreisenden. Auf den Bahnhöfen zwischen Flensburg und München drängten sich die Menschen, viele Fahrgäste konnten nur noch einen Stehplatz ergattern. Erneut gab es viele Verspätungen und auch Ausfälle. Die ICE-Züge dürfen weiter höchstens auf Tempo 200 beschleunigen, um Schäden durch aufgewirbelte Eisbrocken zu vermeiden.

Europaweit Probleme im Luftverkehr

Die Lage am Frankfurter Flughafen entspannte sich am Donnerstag weiter. "Bei uns läuft alles rund", sagte der Sprecher des Betreibers Fraport, Thomas Uber. Bis zum Nachmittag seien an Deutschlands größtem Airport zwar noch 50 Flüge annulliert worden. Dies sei jedoch auf die anhaltenden Störungen an anderen Flughäfen zurückzuführen. Es gebe auch kaum noch gestrandete Reisende am Flughafen.

Die größten Probleme im Luftverkehr gab es in Dublin und Paris, wie die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel berichtete. Im Schnitt seien die Flugzeuge um 80 Minuten verspätet gewesen. In Wien, Prag und Athen führte Nebel zu Verspätungen.

otr/dpa

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insgesamt 33 Beiträge
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    Seite 1    
1. .
ixelloise 23.12.2010
Zitat von sysopSpiegelglatte Straßen haben den Reiseverkehr am Tag vor Heiligabend vielerorts erheblich behindert. Auf der wichtigsten Ost-West-Verbindung, der A2, stauten sich die Autos auf hundert Kilometer Länge. Bei einer Massenkarambolage auf der A9 kam ein Mann ums Leben, zehn Menschen wurden verletzt. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,736498,00.html
... fahren die Kriminellen doch mit abgefahrenen Sommerreifen um ja auch noch den letzten Cent Gewinn rauszuquetschen! Und angesichts des Unfallelends fordern plötzlich dieselben sogenannten Volksvertreter die sowas möglich machten - Winterreifen lediglich auf zwei Rädern des tonnenschweren Gefährts - daß das doch bitte unterbleiben sollte. Da kommt wirklich Hass auf!
2. Ja, und jetzt?
Servo 23.12.2010
Es ist Winter, die Medien machen einen Super-Gau daraus und Autofahrer sind nicht in der Lage, ihr Kindergartenwissen beim Autofahren anzuwenden. Mir geht dieser "Katastrophen"-Wahn schwer auf den Geist. Fällt den Medien wirklich ncihts anders mehr ein?
3. .
BeitragszahlerwiderWillen 23.12.2010
jedes Jahr kommt der Winter wieder überraschend für den Winterdienst - kein Salz auf Lager usw.
4. Winterdienst
FRM 23.12.2010
Zitat von BeitragszahlerwiderWillenjedes Jahr kommt der Winter wieder überraschend für den Winterdienst - kein Salz auf Lager usw.
Man muss aber schon zugeben, dass es nicht jedes Jahr so schneit. Ich lebe in Deutschland schon cirka 11 Jahre und habe so ein Winter noch nicht erlebt. 2001 hat es ordentlich geschneit - aber nicht lange. Voriges Jahr hat es auch geschneit, aber auch cirka zwei Wochen und Salz war auch alle. Bei uns im Dorf hat man gar nicht mehr geräumt und gestreut am Ende. Dieses Jahr dauert es schont seit cirka 3 Wochen. Ich bin aber der Meinung, dass Salz bei viel Schnee mehr schadet als hilft. Auf einer geschlossenen Schneedecke und dem trockenen Eis fährt man sicherer, als auf dem Eis, der mit Salzlauge bedeckt ist oder SChneematch. Das ist wirklich sehr rutschig
5. welches Wissen?
FRM 23.12.2010
Zitat von ServoEs ist Winter, die Medien machen einen Super-Gau daraus und Autofahrer sind nicht in der Lage, ihr Kindergartenwissen beim Autofahren anzuwenden. Mir geht dieser "Katastrophen"-Wahn schwer auf den Geist. Fällt den Medien wirklich ncihts anders mehr ein?
es ist fehlende Erfahrung und hat nichts mit dem Kindergartenwissen zu tun.Es gibt genug Leute die bei solchen Wetterverhältnissen zum ersten Mal unterwegs sind und wissen noch nicht, wie eine ganz normale griffige Strasse plötzlich ganz glatt wird, ohne dass man das der Strasse ansieht. Die Strasse sieht dann einfach so aus, ob die nass ist (halt wie vorher) - ist in Wirklichkeit jedoch eine dünne Eisschicht drauf. Wichtig ist, dass der Autofahrer dann richtig reagiert. Manche reagieren falsch und legen eine Vollbremsung ein. Die Autofaherer hinter dennen können gar nicht zum Stehen kommen (sogar wenn die Abstand 300 Meter halten bei 80 km/h), wenn das Auto vor ihnen plötzlich vom Eis auf den Asphalt kommt und dadurch fast sofort zum Stehen kommt.
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