Flug MH370 Neue Erkenntnisse rücken Crew ins Zentrum der Ermittlungen

Im Fall der vermissten Boeing haben Malaysias Behörden neue Fakten. Demnach wurde mit der Deaktivierung der Kommunikationssysteme noch vor Absetzen des letzten Funkspruchs begonnen. Die Überprüfung von Passagieren und Crew von Flug MH370 wurde deshalb nochmals intensiviert.

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Es gibt neue Erkenntnisse im Fall der verschollenen Boeing 777-200 der Malaysian Airlines: Auf einer Pressekonferenz am Sonntag bestätigte Malaysias Verkehrsminister, dass mit der Deaktivierung der Kommunikationssysteme früher begonnen wurde, als bislang angenommen. Demnach war zumindest das ACARS-Kommunikationssystem, über das unter anderem auch Triebwerksdaten verschickt werden können, zum Zeitpunkt des letzten Sprechfunkkontaktes aus dem Cockpit schon deaktiviert. Es ist ein weiteres Indiz dafür, dass Flug MH370 bewusst vom Kurs abgebracht wurde.

Deshalb haben die malaysischen Behörden ihre Ermittlungen in Bezug auf die Passagiere und Besatzung erneut intensiviert. Bereits am Samstag waren sowohl die Wohnung des Flugkapitäns durchsucht worden als auch die des Co-Piloten. In der Wohnung des Piloten wurde ein Flugsimulator beschlagnahmt, der derzeit von den Ermittlern untersucht wird.

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Flug MH370: Ermittler konzentrieren sich auf Crew und Passagiere
Medienberichten zufolge sollte die Familie des Piloten seit dem Verschwinden von Flug MH370 ebenfalls abgetaucht sein. Dies dementierten die Ermittler auf der Pressekonferenz: "Es ist niemand ausgezogen." Zudem wurde auf der Pressekonferenz bestätigt, dass weder der Pilot noch der Co-Pilot darum gebeten habe, den Flug jeweils mit dem anderen durchzuführen. Eine gezielte Kooperation der beiden Flugzeugführer ist daher eher unwahrscheinlich.

Background-Checks der Passagiere angefragt

Trotzdem legt der Verlauf der Ereignisse eine Beteiligung zumindest eines Piloten nahe - oder aber das Eingreifen eines mit Flugzeugtechnik sehr vertrauten Passagiers. Denn das systematische Abschalten verschiedener Kommunikationsmittel an Bord der Boeing 777-200 erfordert Fachwissen. Um ein genaueres Bild von den Passagieren zu bekommen, haben die malaysischen Behörden deswegen Background-Checks bei den Staaten angefordert, denen die Fluggäste angehören. "Nicht alle haben bislang geantwortet", so die Ermittler.

Sie verfolgen derzeit vier mögliche Motive: Entführung, Terroranschlag oder aber persönliche oder psychische Probleme der Piloten. Außerdem wurde die Suche nach der vermissten Boeing stark ausgeweitet. Statt bisher 14 seien nun auf Malaysias Bitte 25 Nationen an der Suchoperation beteiligt. Es werden dazu weiterhin Daten der Flugüberwachung, Satellitenbilder und Radaraufzeichnungen des fraglichen Zeitraumes ausgewertet.

Außerdem wurde die bisher angenommene Route von Flug MH370 an einem Simulator nachgestellt, um zu überprüfen, ob ein Umfliegen der Wegmarken und eine Umgehung des zivilen Radars möglich ist. Die Ermittler kamen zu dem Ergebnis, dass dies unter Berücksichtigung der bisher bekannten Daten realistisch ist.

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