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02. Juni 2009, 18:34 Uhr

Vermisster Airbus

Marineflieger sichten Flugzeugsitz im Meer

Verzweifelt warten Angehörige, wollen die Hoffnung nicht aufgeben: Noch immer ist nicht geklärt, was mit der über dem Atlantik verschollenen Air-France-Maschine geschehen ist. Nun haben Suchflugzeuge Wrackteile im Meer ausgemacht.

Hamburg - Es sind nur Trümmer, Öl- und Kerosinspuren, und ein Flugzeugsitz, doch sie künden von der Katastrophe, die sich über dem Atlantik ereignet haben könnte. Einen Tag nach dem rätselhaften Verschwinden einer Air-France-Maschine hat die brasilianische Luftwaffe Wrackteile geortet. Sie seien rund 1100 Kilometer vor der Küste entdeckt worden, hieß es.

Ob es sich bei den Trümmern um Überreste der Air-France-Maschine mit 228 Insassen handele, sei noch unklar, sagte Brasiliens Luftwaffensprecher Jorge Amaral in Brasilia. Die Suche dauere an. Erst wenn ein Fundstück mit einer Seriennummer oder einem anderen Identifikationsmerkmal geborgen sei, könne mit Sicherheit gesagt werden, ob es sich bei den Trümmerteilen um Überreste von Flug AF 477 handele.

Allerdings entspricht die Fundstelle ungefähr dem Ort, von dem aus der Airbus am Montag automatisch den Ausfall mehrerer Geräte sowie einen Druckabfall gemeldet hatte. Sie liegt 650 Kilometer nordöstlich der Inselgruppe Fernando de Noronha.

"Durchschnittlich wird in diesem Bereich eine Tiefe von 4000 Metern gemessen", sagte Moysés Tessler vom Ozeanologischen Institut der Universität São Paulo dem Internet-Portal globo.com.

Die französische Regierung schickte sofort ein Spezialschiff auf den Weg in die Zone. Es ist mit Tauchgeräten ausgestattet, die bis zu einer Tiefe von 6000 Metern arbeiten können. Nach Medienberichten halten sich zudem zwei Handelsschiffe dort auf.

Bei der Suche nach der Unglücksursache helfen unterdessen vielleicht die Daten zweier Lufthansa-Maschinen. Der Uno-Fachabteilung World Meterological Organisation (WMO) zufolge sind die beiden Jets etwa eine halbe Stunde vor dem vermissten Air-France-Airbus auf derselben Route über den Atlantik geflogen.

Ihre Aufzeichnungen zu Wind und Wetter könnten daher den Flugunfallermittlern von großem Nutzen sein, so ein WMO-Offizieller in Genf. Ein Lufthansa-Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE hingegen, zur fraglichen Zeit sei lediglich ein Flieger von Brasilien nach Deutschland verkehrt - und zwar von Sao Paulo nach Frankfurt. "Es gab dabei keine besonderen Vorkommnisse."

"Die Familien sind zutiefst getroffen"

Die Angehörige der Passagiere bangen derweil um ihre Lieben. Viele hätten "noch Hoffnung, Überlebende zu finden", so klein diese Chance auch sei, sagte Guillaume Denoix de Saint-Marc, Sprecher eines Opferverbandes, am Dienstagnachmittag nach einem Treffen mit rund 50 Angehörigen am Pariser Flughafen Charles de Gaulle.

"Die Familien sind zutiefst getroffen. Sie wollen voller Angst wissen, was passiert ist." Sie klammerten sich jedoch an jeden Strohhalm. Bis sie Gewissheit über das Schicksal ihrer Verwandten hätten, sei das Warten für sie eine regelrechte "Folter".

Unterstützt von US-Satelliten hatten Flugzeuge der französischen und brasilianischen Luftwaffe seit Montag im Atlantik nach Spuren des Jets gesucht. Ein brasilianischer Pilot meldete, er habe kurz nach dem letzten Signal der Maschine ein "orangefarbenes Leuchten" im Atlantik gesehen. Es war unklar, ob es sich dabei um Bojen oder Flammen handelte.

Der Air-France-Jet hatte in der Nacht zum Montag gut drei Stunden nach dem Start in Rio de Janeiro ein Dutzend automatischer Fehlerwarnungen gesendet. Laut Frankreichs Premierminister François Fillon zeigen diese, dass "alle Systeme während drei Minuten außer Betrieb waren". Die Airline hatte zuvor vom Ausfall "mehrerer Apparate" gesprochen. Das Unternehmen verwies darauf, dass eine derartige Situation bei diesem Flugzeugtyp "noch nie dagewesen" sei. Am Montag hatte das Unternehmen einen möglichen Blitzeinschlag gemeldet.

An Bord befanden sich der Passagierliste zufolge 26 Deutsche, darunter eine fünfköpfige Familie aus Baden-Württemberg. Das Auswärtige Amt bestätigte die Zahlen zunächst nicht. Derzeit würden mit den Behörden verschiedener Bundesländer alle vorliegenden Informationen geprüft, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin. Neun Passagiere, sechs Männer und drei Frauen, sollen einen Weiterflug nach München gebucht haben. Elf Reisende wollten nach Stuttgart reisen, sechs hatten einen Abschlussflug nach Berlin gebucht, hieß es.

Unter den deutschen Opfern ist möglicherweise auch ein Mann aus Potsdam. Er soll den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" zufolge unter Berufung auf dessen Familie und Freundeskreis an Bord gewesen sein. Auch eine Darstellerin eines Stuttgarter Musicals soll mitgeflogen sein. Ein Sprecher des Veranstalters Stage Entertainment bestätigte einen Bericht des "Kölner Express", wonach die 29-jährige Juliana de A. in dem Flugzeug saß.

An Bord soll auch eine Familie aus Fellbach bei Stuttgart gewesen sein. Diese Vermutung "hat sich bestätigt", sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Es handle sich um ein Ehepaar und deren zwei Töchter sowie eine Enkelin. Weitere Details konnte er zunächst nicht nennen.

Zu den Verunglückten zählen zudem ein Vorstandsmitglied von ThyssenKrupp Steel sowie ein weiterer Mitarbeiter des Unternehmens. Der Duisburger Konzern bestätigte das.

Sprecher der Hamburger Innenbehörde und der Polizei teilten mit, dass auch zwei Frauen aus Hamburg an Bord der Unglücksmaschine waren. Nähere Angaben zu den Vermissten wurden nicht gemacht. Medienberichte, wonach ein Mann aus Bremen in der Maschine gesessen haben soll, wollte ein Polizeisprecher bis zum späten Nachmittag nicht bestätigen.

Die verunglückte Maschine ist mit Sendern ausgestattet, die im Fall eines Absturzes Funkimpulse aussenden. Auch der Flugschreiber gibt Signale ab. Falls die Maschine in den Tiefen des Atlantiks versunken sein sollte, gilt es aber als so gut wie ausgeschlossen, ihn bergen und auswerten zu können.

Das Unglück hat nach Angaben der Pilotenvereinigung Cockpit keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Arbeit der Flugkapitäne. Die Verbindung zwischen Brasilien und Frankreich sei eine "Routinestrecke", sagte Sprecher Jörg Handwerg. Das Unglück habe bei den Crews "tiefe Betroffenheit" ausgelöst. "Es geht uns auch persönlich nahe, wenn so ein Unglück geschieht."

Unglücksflug AF 447: Vermisst über dem Atlantik
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Unglücksflug AF 447: Vermisst über dem Atlantik

Die französische Nationalversammlung gedachte der Vermissten am Dienstag mit einer Schweigeminute. Air France kündigte für Mittwochnachmittag einen ökumenischen Gottesdienst für die Angehörigen der Passagiere und Besatzungsmitglieder in der Pariser Kathedrale Notre Dame an. Die französische Regierung will Angehörige auf Wunsch in das Gebiet fliegen lassen, in dem der Airbus verschollen ist. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich "bestürzt" über den mutmaßlichen Flugzeugabsturz.

Der Absturz der A330-200 wäre die schwerste Katastrophe in der zivilen Luftfahrt seit 2001. Damals waren beim Absturz einer American-Airlines-Maschine kurz nach dem Start in New York 265 Menschen ums Leben gekommen. Es wäre zudem das schwerste Unglück in der Geschichte von Air France. Beim Absturz eines Überschallflugzeugs vom Typ Concorde vor neun Jahren starben 113 Menschen.

jdl/AFP/dpa/ddp/Reuters

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