Unglück auf Amrum: Sebastian starb offenbar beim Spielen

Drei Tage lang galt Sebastian als vermisst, nun haben die Ermittler am Strand von Amrum die Leiche eines Kindes entdeckt. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um den Zehnjährigen handelt. Offenbar fiel er in ein Loch, das er auf einem Spielplatz gegraben hatte.

Amrum: Polizei findet Kinderleiche Fotos
DPA

Hamburg - Das "Piratenschiff" ist ein Spielplatz wie unzählige andere. Die zusammengezimmerten Holzbohlen des Klettergerüsts muten aus der Entfernung an wie die Silhouette eines Schiffes. In der Mitte steht ein Aussichtsturm, darauf trotzt eine hölzerne Fahne dem Wind. Am Heck weht die Piratenflagge, ein weißer Totenkopf auf schwarzem Grund. Darunter führt eine rot-gelb-blaue Rutsche vom Gerüst in den Sand.

In Wittdün auf Amrum steht das Spielschiff direkt hinter den Dünen am Strand. Das Meer ist nur wenige Meter entfernt, die angrenzenden Häuser und eine Strandbar sind es auch. Kinder, die hier am hölzernen Steuerrad stehen, haben das Gefühl, sie lenkten das Schiff direkt hinaus auf das Meer.

Auch Sebastian spielte am vergangenen Sonntag auf diesem Schiff. Der Zehnjährige machte gemeinsam mit seinen Eltern Urlaub auf Amrum. Die Familie hatte eine lange Reise hinter sich, sie stammt aus der Nähe von Wien und wohnte in einem Ferienhaus unweit des Spielplatzes.

Der entscheidende Hinweis kam von einem Urlauber

Am Sonntag buddelte Sebastian neben der Rutsche des "Piratenschiffes". Ein anderer Junge war mit ihm auf dem Spielplatz, um 16.30 Uhr ging er heim. Um 17 Uhr sahen Sebastians Eltern ihren Sohn zum letzten Mal. Später wollen Zeugen Sebastian noch mit einem weiteren Jungen am Schiff gesehen haben. Nach Hause kam er an diesem Abend nicht, auf dem Spielplatz verlor sich seine Spur.

Die Eltern meldeten den Jungen am Sonntagabend als vermisst, drei Tage lang suchte die Polizei nach ihm. Hubschrauber kamen zum Einsatz, Spürhunde, Wärmebildkameras. Auch die Ufer der Halligen und der Insel Föhr wurden durchforstet. Doch Sebastian blieb verschwunden. Die Polizei baute auf die Mithilfe der Urlauber, und offenbar war es tatsächlich ein Touristenfoto, das den Ermittlern weiterhalf.

An diesem Mittwoch fanden sie am Strand von Wittdündie Leiche eines Kindes. Sie lag in rund eineinhalb Metern Tiefe, bedeckt durch lockeren Sand. Und sie lag an der Stelle, an der Sebastian zum letzten Mal gesehen worden war. Unter der Rutsche am Rande des Schiffes.

Rechtsmediziner sollen klären, wie der Junge ums Leben kam

Die Polizei geht davon aus, dass Sebastian beim Spielen ums Leben gekommen ist. Er sei wohl in einem selbst gegrabenen Loch verschüttet worden und erstickt, sagte die Husumer Polizeisprecherin Kristin Stielow. Das Foto eines Urlaubers habe den Jungen beim Buddeln gezeigt und es so den Einsatzkräften ermöglicht, die Leiche zu lokalisieren und schließlich zu bergen. Rechtsmediziner sollen nun klären, wie der Junge ums Leben kam.

Es bleibt die Frage, wie die Stelle, an der Sebastian offenbar starb, drei Tage lang unentdeckt bleiben konnte - obwohl die Beamten intensiv suchten und auch die Öffentlichkeit mit einbezogen worden war. Offenbar hat es starke Verwehungen gegeben, offenbar ist der Sand so nachgerutscht, dass die Unglücksstelle nach außen nicht erkennbar war. Und offenbar bemerkten auch die Gäste der nahe gelegenen Strandbar nichts von dem Unglück.

Die Einsatzkräfte hatten in den vergangenen Tagen Schuppen, Keller, Schächte nach Sebastian durchsucht. Tatsächlich aber lag er dort begraben, wo er zuletzt gesehen worden war.

Die Polizei deckte die Unglücksstelle während der Bergung mit blauen Planen ab. Darüber flatterte im Wind die Piratenflagge. Am Nachmittag schüttete ein Radlader das Loch zu, das für Sebastian zum Grab geworden war.

han/dpa

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