Bericht über Triebwerksdaten Der angebliche Geisterflug der verschollenen Boeing

Es ist ein neues Gerücht im mysteriösen Fall der verschollenen Boeing: War Flug MH370 womöglich noch vier Stunden in der Luft, nachdem er von den Radarschirmen verschwand? Darauf sollen Servicedaten der Triebwerke hindeuten. Malaysische Behörden dementieren jedoch.

Pilot der indonesischen Luftwaffe: Vergebliche Suche nach Flugzeugwrack
DPA/INDONESIAN AIRFORCE

Pilot der indonesischen Luftwaffe: Vergebliche Suche nach Flugzeugwrack


Peking - Daten der beiden Triebwerke könnten im Fall der verschwundenen Boeing 777-200 von Malaysian Airlines neue Hinweise auf das Schicksal der Maschine geben - das jedenfalls vermuten US-Ermittler laut einem Bericht des "Wall Street Journal". Tatsächlich wird die Angelegenheit dadurch allerdings noch mysteriöser: Denn wo nach der Maschine zu suchen ist, wäre diesen Informationen zufolge noch unklarer. Und womöglich sind diese Berichte auch schlicht falsch.

Konkret geht es um angebliche Informationen des sogenannten Engine-Condition-Monitoring (ECM), das die Turbinen der Maschine während des Fluges ständig überwacht. Laut "Wall Street Journal" gehen Experten in den USA anhand dieser Daten davon aus, dass der Flug MH370 noch ganze vier Stunden nach dem Absenden des letzten Identifikationssignals in der Luft war. Das ECM-System der Maschine mit der Registriernummer 9M-MRO habe entsprechende Daten gesammelt. Die Zeitung rechnet vor, dass der Jet in dieser Zeit vom Golf von Thailand aus rund 4000 Kilometer zurückgelegt haben könnte - in vollkommen unbekannter Richtung.

Malaysias Transportminister Hishammuddin Hussein dementierte den Zeitungsbericht allerdings. Das letzte Datenpaket sei vor dem Abbruch der Kommunikation mit der Crew versendet worden - und vor dem Verschwinden des Jets von den Radarschirmen.

Klar ist: Die Boeing 777 war mit "Trent 892"-Triebwerken von Rolls-Royce ausgestattet. Diese Flugzeugmotoren werden seit beinahe 20 Jahren eingesetzt. Sensoren in ihrem Inneren sammeln Daten, die regelmäßig schon während des Fluges zu Servicezwecken verschickt werden. Erfasst werden normalerweise rund 25 Parameter wie Temperatur, Druck oder Vibration - aber auch, ob winzige Metallpartikel im Ölkreislauf zirkulieren. Versendet werden die Daten entweder über Funk im Frequenzbereich VHF III oder aber per Satellitenverbindung.

Malaysian Airlines hat für die Triebwerke einen Wartungsvertrag ("TotalCare") mit dem Unternehmen geschlossen. In diesem Rahmen werden die Daten der Triebwerke am Boden ausgewertet und unter anderem die Serviceintervalle für die Motoren festgelegt. Analysiert werden die Daten normalerweise von einer Rolls-Royce-Tochter namens OSyS (Optimized Systems & Solutions) - und zwar automatisch. Techniker werden nur im Fall gravierender Abweichungen benachrichtigt.

Der "New Scientist" hatte bereits berichtet, dass im Rolls-Royce-Zentrum im britischen Derby zumindest zwei Datenpakete der Triebwerke vorliegen: vom Start der Maschine auf Piste 32R des Kuala Lumpur International Airport und vom anschließenden Steigflug. Der Bericht des "Wall Street Journal" legt nahe, dass es weitere Informationen der Triebwerke gibt - abgesendet alle 30 Minuten. Rolls-Royce mag sich zum Fall derzeit nicht äußern.

Flugnummer soll nicht mehr vergeben werden

Minister Hussein sagte, man habe mit Rolls-Royce und Boeing gesprochen. Die letzten Triebwerksdaten seien um 1.07 Uhr empfangen worden - also rund 23 Minuten bevor das Flugzeug vom Radar verschwand. Dass die Boeing anschließend noch lange in der Luft gewesen sein könnte, schließt auch Hussein nicht aus. "Deswegen haben wir die Suche ausgeweitet", sagte er laut der Nachrichtenagentur AP.

Sollte die Maschine tatsächlich so weitergeflogen sein, wie es die Triebwerksdaten laut "Wall Street Journal" nahelegen sollen, hätte sie ein riesiges Areal überfliegen können, dessen Kreis sich rein rechnerisch von Australiens Nordwesten bis zur indisch-pakistanischen Grenze spannt. Doch ob das tatsächlich der Fall war, lässt sich derzeit nicht sagen - wie so vieles im Fall des mysteriösen Fluges MH370.

Immer wieder mussten die Ermittler in den vergangenen Tagen Angaben korrigieren - was unter anderem Chinas Außenministerium dazu verleitete, die Informationspolitik zu kritisieren. Auch sechs Tage nach dem Verschwinden des Flugzeugs wurde noch kein Trümmerteil gefunden.

Zwölf Nationen sind an der Suche nach der Maschine beteiligt, 42 Schiffe und 39 Flugzeuge sind im Einsatz. Das Suchgebiet umfasst inzwischen mehr als 90.000 Quadratkilometer - eine Fläche von der Größe Ungarns.

Malaysia Airlines erklärte, die Flugnummer des Unglücksfluges - MH370 - werde "als Zeichen des Respekts für die Passagiere und Besatzung" der vermissten Maschine künftig nicht mehr vergeben.

chs/hut/AP/AFP

insgesamt 92 Beiträge
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Seite 1
Europa! 13.03.2014
1. CNN hat widerrufen
Zitat von sysopAFP/ CCRSDAEs ist ein neues Gerücht im mysteriösen Fall der verschollenen Boeing: War Flug MH370 womöglich noch vier Stunden in der Luft, nachdem er von den Radarschirmen verschwand? Darauf sollen Servicedaten der Triebwerke hindeuten. Malaysische Behörden dementieren jedoch. http://www.spiegel.de/panorama/verschwundenes-flugzeug-von-air-malaysia-angeblich-stundenlanger-flug-a-958447.html
Die brisante Meldung vom "Geisterflug" scheint insofern widerlegt, als die Daten während des Fuges nicht kontinuierlich, sondern nur 4x übermittelt werden.
Hilfskraft 13.03.2014
2. "Lost"
könnte ein Flieger dieser Größe unbemerkt irgendwo landen? In einem völlig abgeschotteten Staat, wie Nordkorea vielleicht?
gandhiforever 13.03.2014
3.
Man darf doch davon ausgehen, dass heute kein Flugzeug 4 Stunden lang in der Gegend herumfliegen kann, ohne auf irgenweinem Radar auszutauchen oder ohne einem anderen Flugzeug zu begegnen. So einfach verschwindet es sich nicht.
wiedumirsoichdir 13.03.2014
4. Etwas Mysteriöseres
gibt es nicht. Da hat man Satelitentechnik etc. und so eine Maschine löst sich in Nichts auf??
spatenheimer 13.03.2014
5.
Zitat von Hilfskraftkönnte ein Flieger dieser Größe unbemerkt irgendwo landen? In einem völlig abgeschotteten Staat, wie Nordkorea vielleicht?
Was soll er denn da?
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