Verschwundenes Passagierflugzeug Hoffen auf Notlandung in Indonesien

Die Suche nach dem verschwundenen Flugzeug der indonesischen Airline Adam Air konzentriert sich nun auf die Insel Sulawesi. Es gibt Hoffnungen, dass sich die Maschine mit 102 Menschen an Bord per Notlandung retten konnte und nicht ins Meer gestürzt ist.


Jakarta - Ein Indiz lässt die Rettungskräfte hoffen: Beim Versuch, den Co-Piloten per Handy zu erreichen, war sein Telefon empfangsbereit. "Es hat geklingelt, aber es ging niemand ran", sagte Abdul Ganil, Verantwortlicher für die Rettungsteams in Makassar. Es habe also funktioniert, was im Wasser nicht möglich gewesen wäre.

Flugzeug der indonesischen Airline Adam Air: Nach einem Notruf spurlos verschwunden
AFP

Flugzeug der indonesischen Airline Adam Air: Nach einem Notruf spurlos verschwunden

Der Kontakt zu der Maschine mit der Flugnummer KI-574 sei abgebrochen, als das Flugzeug nach gut einer Stunde Flugzeit über der Provinz Süd-Sulawesi unterwegs war, teilte Verkehrsminister Hatta Radjasa mit. Die Boeing 737-400 der indonesischen Billigfluglinie Adam Air war auf dem Flug von der Insel Java zur Insel Sulawesi. Mehrere Rettungsmannschaften seien unterwegs in die Region Mamuju, um nach Überlebenden zu suchen. "Hoffen wir, dass das Flugzeug eine Notlandung gemacht hat", sagte Radjasa.

Der Norden Javas wird seit dem Wochenende von schweren Stürmen heimgesucht, die auch für den Untergang der Fähre "Senopati Nusantara" am Samstag verantwortlich waren; nach dem Fährunglück wurden heute noch rund 400 Menschen vermisst.

Der Notruf des Flugzeugs ging ein, als die Maschine noch etwa 750 Kilometer von ihrem Zielort Manado im Norden von Sulawesi entfernt war. An Bord der rund 17 Jahre alten Maschine waren 96 Passagiere, darunter sieben Kinder und vier Babys, und sechs Besatzungsmitglieder. Beim Start in der zweitgrößten indonesischen Stadt Surabaya gegen 13 Uhr Ortszeit habe die Boeing keine technischen Probleme gemeldet, erklärte ein Flughafensprecher. Der getankte Treibstoff reichte demnach für vier Flugstunden. Ein Fluglotse sagte dem Fernsehsender Metro TV, die Maschine sei in sehr schlechtes Wetter geraten. Möglicherweise sei ihr der Treibstoff ausgegangen.

Morgen früh sollen die Retter vor Ort sein, erklärte Sicherheitsdirektor Hartono. In dem bergigen, bewaldeten Gebiet allerdings könnte sich die Suche schwierig gestalten. Adam Air ist eine der führenden Billigfluggesellschaften des Landes. Erst im November hatte die 2002 gegründete Linie erklärt, ihre Kapazitäten im neuen Jahr auf elf Millionen Passagiere zu erweitern, nach etwa sieben Millionen Passagieren im Jahr 2006.

In Manado versammelten sich Hunderte von Angehörigen der Passagiere. Die 25 Jahre alte Justin Tumarang wollte ihre Zwillingsschwester abholen. "Ich spürte, dass etwas nicht in Ordnung war, und dieses Gefühl wurde immer stärker", sagte die junge Frau. "Nun empfinde ich nur noch Schmerz."

Flugzeugunglücke passieren im sich über 5000 Kilometer erstreckenden Archipel Indonesien relativ häufig. Sowohl die öffentlichen als auch die privaten Fluggesellschaften stehen immer wieder wegen mangelnder Sicherheit in die Kritik. Zuletzt waren bei einem Absturz im Herbst 2005 in Nord-Sumatra fast 140 Menschen ums Leben gekommen. 2006 waren an Bord einer Adam-Air-Maschine auf dem Weg von Jakarta nach Makassar auf Sulawesi für vier Stunden alle Kommunikations- und Navigationssysteme ausgefallen. Der Pilot hatte daraufhin notlanden müssen. Das Transportministerium hatte damals eine Untersuchung des Vorfalls angekündigt.

reh/kaz/AFP/AP



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