Versteigerung Welfen-Schätze erzielen 44 Millionen Euro

Die Kunstobjekte der Welfen-Familie erlösten dreimal mehr Geld als erwartet. Am letzten Auktionstag auf Schloss Marienburg bei Hannover kamen aber auch Dinge unter den Hammer, die bei normalen Sterblichen im Hausmüll landen.


Rüstungen aus der Versteigerungsmasse: Am letzten Auktionstag kamen aber auch Kochtöpfe unter den Hammer
DPA

Rüstungen aus der Versteigerungsmasse: Am letzten Auktionstag kamen aber auch Kochtöpfe unter den Hammer

Hannover - Aber da alte Töpfe, Spazierstöcke und Konditorformen dereinst zum Besitz des ältesten deutschen Fürstenhauses gehörten, fanden sie reißenden Absatz zu Preisen zwischen einigen hundert und einigen tausend Euro - ein fürstlicher Ramschtag. Das Volk strömte und fand die Organisatoren gerüstet.

Es wurde nicht nur im Saal, sondern auch unter freiem Himmel im Hof des neugotischen Schlosses versteigert. Die Auktionatoren behandelten aufgeregte Rentner mindestens so zuvorkommend wie den Geldadel aus aller Welt zuvor. Neun Tage lang hatten die Mitarbeiter von Sotheby's edles schwarz getragen. Am letzten Auktionstag herrschte Volksfeststimmung.

Zum Abschluss seien noch einmal 2000 Interessenten gekommen, sagte die Sprecherin des Auktionshauses Sotheby's, Selei Serafin. Der Gesamterlös von 44 Millionen Euro übersteige das erwartete Ergebnisses von zwölf Millionen Euro bei weitem. 24 Prozent erhält das Auktionshaus.

In den Tagen zuvor kamen Sotheby's zufolge mehr als 20 000 Objekte in rund 3660 Losen zum Aufruf. Dabei handelte es sich um Kunstgegenstände aus dem 16. bis 19. Jahrhundert - Porzellan, Gemälde, Glas, Möbel, Uhren, Silber, Textilien, Waffen und Rüstungen aus dem Besitz der Herzöge von Braunschweig, der Kurfürsten von Hannover und der Könige von England sowie der Herzöge von Cumberland. Die über Jahrzehnte in Schloss Marienburg eingelagerten Kunstgegenstände stammen aus den enteigneten Schlössern der Welfen.

Zu den erfolgreichen Bietern zählte nach Angaben Serafins der in England lebende Bühnenmagier Uri Geller, der für 2904 Euro Silber-Suppenlöffel mit den Initialen König Georgs III. von England und Hannover ersteigerte. Die Söhne von Ernst August von Hannover, Prinz Ernst August junior (22) und Prinz Christian (20), wollten mit dem Geld die Kulturgüter der Welfen-Familie in Deutschland sichern.

Kritiker sprachen von einem Ausverkauf der niedersächsischen Landesgeschichte. Viele der angebotenen Objekte hätten nicht veräußert werden dürfen. "Das Land Niedersachsen etwa hätte sich im Vorfeld intensiver einschalten müssen", hatte der Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin, Hans Ottomeyer, immer wieder betont.



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