Verteidigung im Mordfall Peggy Geständnis nur durch Trick erreicht

Der Fall Peggy bleibt mysteriös: ein Mordprozess ohne Leiche, Zeugen, die das Mädchen lebend gesehen haben wollen, und ein Geständnis, das zurückgezogen wurde. Heute warf die Verteidigung der Polizei vor, sie habe den Angeklagten nur durch einen Trick dazu gebracht, den Mord zu gestehen.


Peggy Knobloch: Seit drei Jahren verschwunden
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Peggy Knobloch: Seit drei Jahren verschwunden

Hof - Lebt sie oder lebt sie nicht? Ist sie in der Türkei oder ist sie es nicht? Was ist wirklich am 7. Mai 2001 geschehen, an dem Tag, an dem Peggy verschwand?

Viele Fragen und kaum Antworten - der Prozess um die seit rund drei Jahren verschwundene Peggy Knobloch zieht sich hin. Auch die nun ins Verfahren eingebrachten abgehörten Telefongespräche des mutmaßlichen Täters, des geistig zurückgebliebenen Ulvi K., 26, und seiner Familie brachten nur wenig Licht ins Dunkel.

Dass die Leiche noch immer nicht gefunden wurde, erschwert die Suche nach der Wahrheit. Angeblich hat Ulvi K. die damals Neunjährige mit bloßen Händen erstickt, um eine vorangegangene Vergewaltigung zu vertuschen. Dann habe ihm sein Vater beim Beseitigen der Leiche geholfen. So lautete das Geständnis des mutmaßlichen Täters, das er aber mittlerweile widerrufen hat. Seine Begründung: "Ich wollte einfach meine Ruhe."

Heute warfen die Anwälte des Angeklagten der Polizei vor, sie hätten den Angeklagten mit einem Täuschungsmanöver zu einem Geständnis bewogen. Beamte hätten dem Gastwirtssohn eröffnet, man habe Blutspuren an seiner blauen Arbeitsjacke entdeckt. Das bestätigten heute übereinstimmend zwei Polizisten. Tatsächlich habe der Gerichtsmediziner aber nur vom Verdacht von Blutanhaftungen gesprochen.

Allerdings belastet auch die Aussage eines Kripo-Beamten den Angeklagten. Während der vermutlich letzten Tage von Peggy hatte Ulvi K. einer Therapeutin des Bezirkskrankenhauses Bayreuth erzählt, dass das Mädchen ihn am 3. Mai 2001 zum Sex aufgefordert habe. Sie sei immer "am freizügigsten gewesen" und wäre auch schon von ihrem Stiefvater und von seinem Vater missbraucht worden. "Sie war das gewöhnt", soll der mutmaßliche Täter gegenüber der Angestellten behauptet haben, so der Beamte.

Die Verteidigung hofft nun, dass die Spur, die in die Türkei führt, neue Erkenntnisse bringt. Demnach könnte Peggy von Angehörigen ihres türkischen Stiefvaters an den Bosporus entführt worden sein. Dafür spricht, dass der damalige Lebensgefährte von Peggys Mutter kein wasserdichtes Alibi hat. Ein Zeuge will das Mädchen außerdem im vergangenen November an der südtürkischen Küste gesehen haben. Eine Überprüfung der Passagierlisten von deutschen Flügen in die Türkei steht noch aus.

Peggys Mutter, 31, hat das Warten aufgegeben. "Ich habe gehofft, dass er redet", sagt sie über den Nachbarn. Ulvi K. hat jedoch nur die sexuellen Übergriffe auf Kinder zugegeben. "Wichtig ist, dass er weg ist und kleinen Kindern kein Leid mehr zufügen kann", sagt Susanne Knobloch.

Das Urteil wird für Ende April erwartet.



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