Fährunglück in Tansania Zahl der Opfer steigt auf 218 - Kapitän festgenommen

Helfer bergen immer mehr Leichen aus dem Victoriasee, ein Überlebender wurde geborgen. Der Kapitän der Fähre festgenommen, er soll sich zum Zeitpunkt des Unglücks nicht an Bord befunden haben.

Gekenterte Fähre auf dem Victoriasee
AFP

Gekenterte Fähre auf dem Victoriasee


Immer mehr Leichen gelangen an die Wasseroberfläche des Victoriasees, zwei Tage nach dem Unglück ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 200 gestiegen. Die Behörden vermuten, dass sich noch zahlreiche weitere Leichen im Rumpf des Schiffes befinden. Die Fähre "MV Nyerere" war am Donnerstag im südlichen Teil des Sees gekentert, nur rund 50 Meter vom Anleger auf der Insel Ukara entfernt.

Mittlerweile hat Präsident John Magufuli die Festnahme der Verantwortlichen angeordnet. Als erster wurde nach einem Bericht der Zeitung "The Citizen" der Kapitän der Unglücksfähre in Gewahrsam genommen, der sich nach Angaben des Staatschefs zum Zeitpunkt des Kenterns nicht an Bord befunden habe. Er habe das Ruder jemandem überlassen, der für das Führen eines Schiffes keine Ausbildung habe.

Als Hauptgrund für das Unglück nannte Magufuli jedoch die Überladung der Fähre. Nach ersten Schätzungen waren mehr als 300 Menschen an Bord - ausgelegt war das Schiff nur für 100 Personen. Laut Zeugen hatten die Passagiere zudem zum Bug gedrängt, als sich die Fähre dem Anleger näherte. Dadurch geriet sie aus dem Gleichgewicht.

Regierung: 186 Euro Kompensation für die Familien

Bei den Sucharbeiten gelang den Helfern am Samstag auch ein kleines Wunder: Sie konnten einen Überlebenden aus dem Wrack bergen. Es handele sich um einen Maschinist der Fähre, der sich in einem Raum eingeschlossen habe, sagten Verantwortliche. Er sei in kritischem Zustand.

Die Regierung Tansanias bot den Familien der Opfer 500.000 Tansania-Schilling (etwa 186 Euro) als Kompensation an, wie Regierungssprecherin Jenista Mhagama dem lokalen Sender sagte. Um der Opfer zu gedenken, ordnete Präsident Magufuli eine mehrtägige Staatstrauer an.

Die Rettungsarbeiten an der Fähre, die kieloben vor dem Ufer trieb, wurden von professionellen Tauchern unterstützt. Sie waren am Vormittag aus der Hafenstadt Daressalam sowie der Nachbarregion Mara am Victoriasee eingetroffen, wie John Mongella, der Regierungsvertreter in der Region Mwanza, sagte.

Helfer bergen eine Leiche aus dem Wasser
REUTERS

Helfer bergen eine Leiche aus dem Wasser

Die Fähre war 2014 in Auftrag gegeben und erst vor zwei Monaten renoviert worden, wie Regierungssprecher Hassan Abbas sagte. Unter anderem seien zwei neue Motoren eingebaut worden.

Merkel: "Tief empfundenes Mitgefühl"

Der Victoriasee liegt in Tansania, Uganda und Kenia. Auf dem Gewässer kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Oft sind Boote und Fähren überfüllt, außerdem können Unwetter zu derartigen Unglücken führen.

2012 etwa war eine Fähre auf dem Weg vom Festland Tansanias zur Tropeninsel Sansibar gesunken, dabei ertranken mindestens 100 Menschen. Im Vorjahr waren mehr als 160 Menschen bei einem Fährunglück vor der Küste von Sansibar gestorben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb an Magufuli: "Ich möchte Ihnen und den Bürgerinnen und Bürgern Tansanias meine aufrichtige Anteilnahme und mein tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken."

Auch Papst Franziskus äußerte sich zutiefst traurig über die Katastrophe. Er drücke seine aufrichtige Solidarität mit denjenigen aus, die um ihre Liebsten trauern und um die noch vermissten Menschen bangen, teilte der Vatikan mit. UN-Generalsekretär António Guterres sprach den Angehörigen der Opfer, der Regierung und den Bürgern des Landes sein Beileid aus.

irb/dpa/AFP



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kbolay 22.09.2018
1. Viktoriasee und Sansibar
"Der Victoriasee liegt in Tansania, Uganda und Kenia. Auf dem Gewässer kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Oft sind Boote und Fähren überfüllt, außerdem können Unwetter zu derartigen Unglücken führen. 2012 etwa war eine Fähre auf dem Weg vom Festland Tansanias zur Tropeninsel Sansibar gesunken, [...]" Das klingt so als sei das Unglück bei Sansibar ein Beispiel für einen Unfall auf dem Viktoriasee.
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