Viele Tote in ägyptischem Fußballstadion Angriff auf die Revolutionäre

Es war ein Blutbad, mitten im Fußballstadion: Im ägyptischen Port Said wurden mehr als 70 Menschen zu Tode gehetzt und zertrampelt, mindestens tausend verletzt. Die meisten sind Ultra-Fans, die als Speerspitze der Revolution gelten. Merkwürdige Ungereimtheiten deuten auf einen politischen Hintergrund hin.

Von Viktoria Kleber, Kairo


Mehr als 70 Tote, mindestens tausend Verletzte. Das ist die Bilanz einer blutigen Schlacht im Fußballstadion der ägyptischen Stadt Port Said. Augenzeugen berichten von einer regelrechten Menschenjagd, Fans sollen zu Tode gehetzt und zertrampelt worden sein.

Schon kurz nach dem Exzess am Mittwochabend gingen in Kairo und Port Said Hunderte Demonstranten auf die Straße. Ihr Vorwurf: Die Gewaltorgie sei geplant gewesen, die Hintergründe seien politisch.

Bisher steht fest: Nach Abpfiff des Spiels stürmten die Anhänger des Heimclubs Al-Masry das Spielfeld, gingen auf Spieler und Fans der gegnerischen Mannschaft Al-Ahly los, schlugen auf sie ein, zertrampelten sie. Tatsächlich stammen die meisten Toten aus den Reihen von Al-Ahly. Viele von ihnen sind Ultras, sie gelten als das Herzstück der Fangemeinde. Eben jene Ultras sind seit Beginn der Revolution vor einem Jahr auch politisch aktiv - gegen Mubarak und das altes Regime. Sie sind jung, gut trainiert, bezeichnen sich selbst als die Speerspitze der Revolutionsbewegung. War die Gewalt im Fußballstadion also wirklich politisch motiviert?

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Ausschreitungen nach Fußballspiel: Drama in Port Said

Als die Aktivisten auf dem Tahrir-Platz vor einem Jahr von Mubaraks Polizei und deren Schergen angegriffen wurden, waren es die Ultras, die sich vor die Revolutionäre stellten, sie beschützt haben. "Sie haben den Tahrir-Platz gesichert", sagt die Aktivistin Rana Gaber. "Ohne sie wäre vieles noch blutiger ausgegangen."

Auch bei den Ausschreitungen Ende vergangenen Jahres kämpften die Ultras stets in erster Reihe, Seite an Seite mit den Aktivisten. Sie straff organisiert, fürchten die brutale Gewalt der ägyptischen Polizei nicht. Viele haben ihr Leben für die Revolution gelassen.

Der Vorwurf: Das Blutbad war geplant

"Das ist die Rache der Revolutionsgegner an uns", sagt Mahmoud Abol Fotouh, ein Al-Ahly-Ultra aus Kairo. Und auch Al-Ahly Spieler Mohamed Aboutrika ist sich sicher, dass das Massaker geplant war. "Das ist kein Fußball, das ist Krieg", sagt er im clubeigenen Fernsehkanal. Es habe keine Sicherheitskräfte und keine Krankenwagen gegeben.

Gewöhnlich gibt es in Ägypten beim Einlass ins Stadion strikte Sicherheitskontrollen. Doch Augenzeugen zufolge fanden Kontrollen am Mittwochabend nur vereinzelt statt. Stattdessen sei ein Großteil der Polizei, die üblicherweise als letzte das Stadion verlässt, frühzeitig abgezogen. Die übrig gebliebenen Polizisten eilten niemandem zur Hilfe, schauten bei der Menschenhatz zu.

Auch der Gouverneur von Port Said war beim Fußballspiel nicht anwesend - zum ersten Mal in der Geschichte. Eigentlich ist solch ein Match für den Gouverneur Ehrensache. Denn was Bayern München in Deutschland ist, ist Al-Ahly in Ägypten: der beliebteste Fußballclub. Schon 37-mal hat Al-Ahly den Meistertitel geholt, seit 2005 sieben Mal in Folge. Jedes Mal, wenn Al-Ahly aus Kairo gegen Al-Masry in Port Said spielte, waren der Gouverneur und dessen Polizeichef vor Ort. Am Mittwoch nicht. Der Polizeichef verließ bereits in der Halbzeit das Stadion, der Gouverneur erschien erst gar nicht zum Spiel. Es scheint, als hätten sie gewusst, welches Massaker sich am Abend abspielen sollte.

Der Parlamentarier Amr Hamzawy forderte auf Twitter bereits den Rücktritt von Innenminister Mohamed Ibrahim und den Abgang des Gouverneurs von Port Said. Eine Sondersitzung des Parlaments wurde für Donnerstagvormittag einberufen.

In der Zwischenzeit hat der Chef des Militärrats, Mohammed Hussein Tantawi, in einer Rede am Mittwochabend die Revolutionäre für die Ausschreitungen verantwortlich gemacht. "Die Ägypter wissen, wer dahinter steckt, und die Menschen sollten nicht tatenlos zusehen."

Der Militärrat profitiert vom Chaos

Alle Fußballspiele wurden abgesagt, drei Tage wird in Ägypten nun getrauert. Das Massaker an den Al-Ahly-Fans trifft nicht nur die Fußballszene hart, das ganze Land steht unter Schock. Und der Revolutionsbewegung fehlt nun ein Teil ihrer Beschützer. "Wir Aktivisten werden mit allen Mitteln bekämpft", sagt Rana Gaber.

Der Militärrat jedoch profitiert von den Unruhen. Erst vergangene Woche, zum Jahrestag der Revolution, hat Feldmarschall Tantawi das Notstandsgesetz eingeschränkt. Durch das Notstandsgesetz können Aktivisten und Regimekritiker grundlos festgenommen und vor das Militärgericht gestellt werden. Die Revolutionäre vom Tahrir fordern die Abschaffung des Gesetzes schon lange. Durch die Unruhen im Fußballstadion hat der Militärrat eine neue Begründung gefunden, dass Notstandsgesetz wieder voll in Kraft zu setzten, seine Kritiker mundtot zu machen. Ein Weg, um sich länger an die Macht zu klammern.

Zudem finden seit dem Jahrestag der Revolution vergangene Woche fast täglich Märsche und Demonstrationen gegen den Militärrat statt. "Mit neuer Gewalt kommt neue Angst", sagt die Aktivistin Rana Gaber. "Der Militärrat will uns vom Demonstrieren abhalten und von den aktuellen Problemen ablenken."

Vereinigt hat sich zumindest die Fußballszene in Kairo. Die Ultras des Clubs Zamelek, ansonsten Erzfeinde von Al-Ahly, haben sich mit Al-Ahly solidarisiert, manche von ihnen sind noch am Abend nach Port Said gefahren.

So viel Blut, so viel Gewalt, wird Al-Ahly kaum vergessen. "Wir Ultras lassen so etwas nicht auf uns sitzen", sagt Mahmoud Abol Fotouh. Ein offizielles Statement der Ultra-Al-Ahlys fordert: "Wir wollen den Kopf des Feldmarschalls."



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insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 02.02.2012
1. wenn man...
Zitat von sysopEs war ein Blutbad, mitten im Fußballstadion: Im ägyptischen Port Said wurden mehr als 70 Menschen zu Tode gehetzt und zertrampelt, mindestens 1000 verletzt. Die meisten sind Ultra-Fans, die als Speerspitze der Revolution gelten. Merkwürdige Ungereimtheiten deuten auf einen politischen Hintergrund hin. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,812846,00.html
sich einmal anschaut was das ergebnis ist kommt man schon ins gruebeln. Gestern nacht noch hat man beschlossen das die Polizei nun jeden auf der Strasse verhaften kann ohne grund, es wurden eitreichende befugnisse vergeben. Wenn man nun bedenkt das Bald wahlen sind...naja den rest kann sich jeder selber denken. das das gleiche in 2 Stadien passiert ist ist schon merkwuerdig, zumal man noch nie etwas von solch einer Gewallt in Egypten gehoert hat. Schade eigentlich....aber nun ist wieder alles beim alten....
Jonny_C 02.02.2012
2. Interessanter Artikel !
Zitat von sysopEs war ein Blutbad, mitten im Fußballstadion: Im ägyptischen Port Said wurden mehr als 70 Menschen zu Tode gehetzt und zertrampelt, mindestens 1000 verletzt. Die meisten sind Ultra-Fans, die als Speerspitze der Revolution gelten. Merkwürdige Ungereimtheiten deuten auf einen politischen Hintergrund hin. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,812846,00.html
Es könnte sogar stimmen mit dem politischen Hintergrund. Ziemlich fies gemacht und ausgedacht. An einen Zufall glaube ich allerdings auch nicht mehr....
tinosaurus 02.02.2012
3. Ägypten
Ich fürchte, es wird noch viel Blut fließen in Ägypten, die Revolution war leider nicht erfolgreich. Die Militärs haben noch alles unter Kontrolle und die werden die Macht nicht einfach abgeben.
e-cdg 02.02.2012
4. nolens volens
Zitat von sysopEs war ein Blutbad, mitten im Fußballstadion: Im ägyptischen Port Said wurden mehr als 70 Menschen zu Tode gehetzt und zertrampelt, mindestens 1000 verletzt. Die meisten sind Ultra-Fans, die als Speerspitze der Revolution gelten. Merkwürdige Ungereimtheiten deuten auf einen politischen Hintergrund hin. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,812846,00.html
In Ägypten wurde eine Diktatur durch eine andere ersetzt. Wem nutzte die Revolution ?
huberwin 02.02.2012
5. Na dann
weiter so Ägypten....der Militärrat denkt ....ihr werdet schon sehen was ihr von Freiheit habt...wir jedenfalls nehmen uns die Freiheit euch abzuknallen. Vom Mittelalter bis heute ist eben eine lange Entwicklungszeit....und diese werden die arabischen Länder genausolange brauchen.
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