Homo-Parade auf Fahrrädern: Erster Regenbogen über Hanoi

Sie kämpfen gegen ein Tabu in Vietnam: Rund hundert Menschen haben in Hanoi die erste Homosexuellen-Parade in dem südostasiatischen Land gefeiert - und für ihre Rechte demonstriert. Offiziell genehmigt war der Umzug nicht.

Hanoi: Erste Homosexuellen-Parade Vietnams Fotos
AFP

Hanoi - So etwas hat es in Vietnam noch nicht gegeben: Einige Dutzend Schwule, Lesben und Sympathisanten haben am Sonntag in Hanoi die erste Gay-Pride-Parade des Landes veranstaltet. Mit bunt geschmückten Fahrrädern und Motorrollern fuhren etwa hundert Menschen klingelnd und singend durch den dichten Verkehr der Hauptstadt. Sie zogen Ballons und flatternde Banner in Regenbogenfarben hinter sich her.

"Wir wollen den Leuten klarmachen, dass es keine Krankheit ist, jemand vom selben Geschlecht zu lieben, wir sind Menschen wie alle anderen auch", sagte Huy, ein 21 Jahre alter Student. Die Veranstalter wollten Lesben und Schwulen mit der Parade mehr Selbstwertgefühl geben. "Es ist an der Zeit, die Diskriminierung von Menschen zu beenden, die eine andere Sexualität haben", so der 19-jährige Teilnehmer Kyle Tran.

Obwohl die Behörden den Umzug offiziell nicht genehmigt hatten, griff die Polizei nicht ein. Die Passanten nahmen nur wenig Notiz von den Radfahrern. Die Teilnehmer hatten sich größtenteils auf Fahrräder geeinigt, um den Sicherheitsapparat nicht durch einen Protestmarsch zu provozieren. Freie Meinungsäußerung und Demonstrationen sind in dem kommunistischen Land nicht erlaubt.

Auch in Ho-Chi-Minh-Stadt gingen am Samstag Menschen mit Regenbogen-T-Shirts für Toleranz und Mitgefühl auf die Straße und forderten mit Aufschriften auf Fähnchen mehr Rechte für Lesben und Schwule.

Homosexualität ist in Vietnam nicht verboten, aber bislang eher ein Tabuthema. Konservative Familienwerte stoppen viele Lesben und Schwule. Doch Ende Juli brachte Justizminister Ha Hung Cuong überraschend eine Einführung der Homo-Ehe ins Gespräch. Er schrieb auf der Website seines Ministeriums, es sei an der Zeit, gleichgeschlechtliche Ehen anzuerkennen. Das Einparteienparlament will sich im kommenden Jahr mit einem entsprechenden Gesetzentwurf befassen.

wit/dpa/AFP

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