Virtuelle Busen-OPs Briten streiten um "Miss Bimbo"-Spiel

Brustvergrößerungen, Diätpillen, Reizwäsche: Das Internetspiel "Miss Bimbo" vermittelt 9 bis 16 Jahre alten Mädchen ein gefährliches Schönheitsideal, bemängeln Kritiker. Die Programmierer sprechen dagegen von "pädagogisch wertvollen Signalen".


London - Die Welt ist quietschrosa. Jedenfalls die Welt des Internetspiels "Miss Bimbo": Ein greller Comic, in dem amazonenhafte Wesen mit Wespentaille und Endlosbeinen um die Wette stöckeln.

Ziel ist es, die Schönste, Heißeste, Begehrteste, Reichste und Coolste zu sein, kurzum: die "Miss Bimbo", was übersetzt soviel wie "Tussi" bedeutet. "Kauf dir die neusten Klamotten und werde Trendsetterin in Bimbo Town", prangt es in pinkfarbenen Zeilen auf der Startseite des Internetspiels, das sich nach eigenen Angaben an 9 bis 16 Jahre alte Mädchen richtet.

"Miss Bimbo": Virtuelles Hungern für den Schönheitssieg

"Miss Bimbo": Virtuelles Hungern für den Schönheitssieg

Umsonst können sich die Nutzerinnen registrieren lassen, doch wer seiner Spielfigur zu Ruhm und Makellosigkeit verhelfen will, muss dann alle nötigen virtuellen Aktivitäten in harter "Bimbo-Dollar"-Währung bezahlen: Brustvergrößerungen, schrille Designer-Outfits, Face-Liftings und Diätpillen sind ein Muss auf dem Weg zur perfekten "Miss Bimbo". Die Dollars können entweder per SMS zu umgerechnet zwei Euro gekauft werden, oder man "verdient" sich sein Salär - zum Beispiel durch die Teilnahme an Schönheitswettbewerben.

In Großbritannien, wo sich bereits über 240.000 Spieler registrieren ließen, sorgte der virtuelle Konkurrenzkampf bereits für heftige Proteste von Elternverbänden und Gesundheitsexperten. "Miss Bimbo", heißt es, störe die Psyche der zumeist sehr jungen Mitspieler.

Ein derartiger Schönheits- und Magerwahn sendet ein gefährliches Signal an leicht zu beeinflussende Kinder, heißt es bei "TimesOnline". Dee Dawson, Direktor der "Rhodes Farm Clinic" für essgestörte Mädchen, sagte dem Internetmagazin, dass von dem Spiel eine ebenso tödliche Gefahr ausginge wie von Webseiten über magersüchtige Frauen und Mädchen. "Eine Menge Kinder werden dieser entsetzlichen Botschaft zum Opfer fallen."

Laut "TimesOnline" litten in Großbritannien bereits Kinder ab sechs Jahren zunehmend an Bulimie und Magersucht. Außerdem sei eine steigende Anzahl von Schönheitsoperationen unter Teenagern zu beobachten.

Die Programmierer des "Miss Bimbo"-Spiels sehen allerdings keinerlei Zusammenhang mit ihrem Werk. Im Gegenteil. "Wenn eine Figur etwa zu viel Schokolade isst, steigen Glücklichkeitswerte zwar kurzfristig an, langfristig hat es jedoch negative Auswirkungen auf den Körper. Anders ist das bei Obst und Gemüse", sagte der französische "Miss Bimbo"-Erfinder Nicholas Jacquart "TimesOnline". Seiner Ansicht nach vermittle das Spiel den Mädchen ein "positives Essgefühl" sowie die Erfahrung, Verantwortung für jemanden zu übernehmen.

dek



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