Vorwürfe an Vatikan Bischöfin nennt Feminismus-Papier Unfug

In scharfer Form hat eine hohe evangelische Geistliche das jüngste Dokument des Vatikans zur Rolle der Frau kritisiert. Der Text sei "ein tieftrauriges Stück Papier" und "schlicht Unfug", sagte die Bischöfin von Hannover, Margot Käßmann.


Margot Käßmann, Bischöfin der Evangelischen Landeskirche Hannover: "Klischees, ja Feindbilder"
DDP

Margot Käßmann, Bischöfin der Evangelischen Landeskirche Hannover: "Klischees, ja Feindbilder"

Köln - Das am Wochenende vorgestellte Thesenpapier "Über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt" bezeichnete Käßmann im "Kölner Stadt-Anzeiger" als "eine verpasste Chance, ein Beharren, das nicht sieht, wo Kräfte der Erneuerung wachsen - in allen Kirchen und unter den Frauen längst über die Konfessionsgrenzen hinweg".

Es mache sie fassungslos, wie der Vatikan von den Frauen und der feministischen Bewegung spreche, empörte sich die Bischöfin der Evangelischen Landeskirche von Hannover. "Das sind Klischees, ja Feindbilder", so Käßmann. Rom verstehe offenbar nicht, dass die feministische Theorie eine Bereicherung eines oft verengten Gottesbildes sei. Das Dokument war von der römischen Glaubenkongregation unter Kardinal Joseph Ratzinger erstellt und vom Papst gebillligt worden.

Die Protestantin warf den katholischen Kirchenführern in Rom auch einen Mangel an Selbstkritik vor. Im gesamten Dokument komme kein Wort davon vor, wie die Kirche jahrhundertelang Frauen unterdrückt und ausgeschlossen habe. "Kein Wort von der Hexenverfolgung und der Schuld der Kirche. Kein Wort der Empörung über Vergewaltigung, Erniedrigung mit biblischer Argumentation, kein Wort von Genitalverstümmelung, geduldet von mancher Kirche", kritisierte Käßmann.



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