Vulkan-Eruption: Der Eyjafjallajök... Dingsbums

Das kleine Island und sein furioser Vulkan: Der Ausbruch des Eyjafjallajökull hielt im Frühling Europa auf Trab, die Aschewolke störte weltweit den Flugverkehr. Zeit für SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Axel Bojanowski, Sprachübungen zu machen.  

Island: Nahaufnahmen vom Vulkan Fotos
AP

Ein Freund sagte am 21. März: Der, ääh, Eyja- …ääh, fjalla-, …ääh, jökull ist ausgebrochen.

Ich antwortete: Was ist passiert?

Der Freund: Der Eyjafjallajökull ist ausgebrochen.

Ich: ?

Der Freund: Du hast den Schrank voller Vulkanbücher, aber kennst den Eyjafjallajökull nicht?

Ich: Ääh, nein. Dem Klang nach ist das ein isländischer?

Der Freund: Ja. Und der ist ausgebrochen.

Ich: In Island brechen ständig Vulkane aus, wird schon nicht so schlimm sein.

Diese Einschätzung war bekanntlich ein Irrtum. Im April trieb Westwind die Asche des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull nach Europa. Und noch bevor ich gelernt hatte, den Namen des Vulkans korrekt auszusprechen (er hieß in der Redaktion zunächst "E-15-Vulkan", weil nach dem "E" 15 Buchstaben in unplausibler Reihe folgten), legte sein Ausbruch tagelang den Flugverkehr über Europa lahm. Ein bislang einmaliges Ereignis.

Der Eyjafjallajökull war in den vergangenen Jahrzehnten unter den vielen isländischen Vulkanen ein ruhiger, unscheinbarer. Nun wurde er berühmt. Er wurde als "Aschemonster" beschimpft und verballhornt. Der Name sei entstanden, als ein Vulkanologe mit seinem Kopf auf der Computertastatur eingeschlafen sei, ulkte ein Wissenschaftler, der sich den Namen nicht merken konnte.

Doch eigentlich war es eine ernste Sache. Der Ausbruch des Eyjafjallajökull bestätigte eine Erfahrung, die Geoforscher häufig machen: Erst wenn ein Naturereignis eintritt, wird es ernst genommen; Warnungen vor Vulkanausbrüchen, Tsunamis oder Meteoriten werden gerne als Panikmache abgetan. So wurden im April auch Behörden von der Aschewolke überrascht. Die tatsächliche Gefahr für Flugzeuge blieb die ganze Zeit des Flugverbots über unklar; es fehlte an Daten.

Was wäre erst los, wenn die Natur nicht im fernen Island, sondern direkt in Europa losschlagen würde? Vulkanausbrüche, Erdbeben oder Sturmfluten können sich vielerorts auf dem Kontinent ereignen. Wir leben in Pausen zwischen Katastrophen. Daran hat uns der Eyjafjallajökull im April 2010 vorsichtig erinnert.

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