Wachkomapatientin Terri Schiavo "Ihre letzten Stunden sind gekommen"

Der Zustand der Komapatientin Terri Schiavo hat sich nach Angaben ihrer Eltern eine Woche nach Einstellung der künstlichen Ernährung dramatisch verschlechtert. Demnach liegt die 41-Jährige im Sterben.


Komapatientin Schiavo: Verhungern als Teil des Sterbeprozesses
DPA

Komapatientin Schiavo: Verhungern als Teil des Sterbeprozesses

Pinellas Park/Washington - "Terri wird schwächer", sagte ihr Vater Bob Schindler am Freitag nach einem Besuch an ihrem Krankenbett. "Ihre letzten Stunden sind gekommen; es muss also etwas getan werden - und zwar schnell."

Am Freitagmorgen scheiterten die Eltern Bob und Mary Schindler mit einem weiteren Eilantrag auf Wiedereinsetzung der Magensonde vor dem Bundesgericht in Tampa. Sie legten umgehend Berufung bei der nächst höheren Instanz in Atlanta ein.

Zuvor war auch der Versuch des US-Staats Florida, Schiavos Ehemann Michael das Sorgerecht für seine Frau zu entziehen, abgelehnt worden. Gouverneur Jeb Bush und seine Behörden verfolgen aber noch zwei weitere Eilanträge. Bush sagte am Donnerstag, er habe nicht die Vollmachten, die manche Leute wünschten. "Ich kann nicht über meine Befugnisse hinausgehen und ich werde es auch nicht tun", erklärte der Bruder von US-Präsident George W. Bush.

Die Familie Schindler reagierte enttäuscht. "Jede Minute, die verstreicht, ist eine Minute, in der Terri zu Tode hungern und dursten muss", sagte ihr Bruder Bobby Schindler. Wenn man Terri jetzt sehe sei das, als ob man "Bilder von Gefangenen in Konzentrationslagern sieht."

Mehrheit der US-Bürger für Ende der Zwangsernährung

Der Bruder des Ehemanns Michael Schiavo, der die Abschaltung der lebenserhaltenden Maßnahmen im bisher längsten Rechtsstreit in den USA über das Recht zu Sterben, widersprach: "Sie sieht etwas entrückt aus", sagte er dem Fernsehsender CNN. Verhungern sei ein Teil des Sterbeprozesses, fügte er hinzu.

Unterstützer von Terri Schiavos Ehemann: 63 Prozent stimmen für das Ende der Zwangsernährung
REUTERS

Unterstützer von Terri Schiavos Ehemann: 63 Prozent stimmen für das Ende der Zwangsernährung

Wie ein Studie des TV-Senders ABC belegt, sympathisiert die Mehrheit der Amerikaner eindeutig mit dem Ehemann von Terri Schiavo, der seit Jahren gerichtlich dafür kämpft, seine Frau aus dem Zustand des Wachkomas zu erlösen und sterben zu lassen. In der Umfrage stimmten 63 Prozent für das Ende der Zwangsernährung durch eine Magensonde. 70 Prozent der Befragten gaben an, die Art und Weise, wie sich der von George W. Bush unterstützte Kongress in diese Angelegenheit einmische, sei unangemessen.

Die Beschäftigung mit dem Fall hat offensichtlich viele Menschen darüber nachdenken lassen, wie sie selbst in einem vergleichbaren Zustand behandelt werden möchten: Knapp acht von zehn durch ABC Befragte gaben an, sie wollten in einer solchen medizinischen Situation nicht am Leben gehalten werden.

Die 41-Jährige Terri Schiavo hatte 1990 bei einem Herzinfarkt schwere Hirnschäden erlitten. Ihr Ehemann, Michael Schiavo, erwirkte in einem siebenjährigen Rechtsstreit ein Ende der künstlichen Ernährung.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.