Wacken Open Air Tragischer Unfalltod überschattet Metal-Festival

Der Tod kam im Schlaf: Ein junger Mann verstarb während des Heavy-Metal-Festivals in Wacken auf der Ladefläche seines Autoanhängers. Die Polizei geht von einer Kohlenmonoxid-Vergiftung aus, bei den Veranstaltern herrscht Bestürzung.

Wacken Open Air: Der Unfalltod eines jungen Mannes trübt das Festivalvergnügen
dapd

Wacken Open Air: Der Unfalltod eines jungen Mannes trübt das Festivalvergnügen


Wacken - Ein tragischer Todesfall hat das Heavy-Metal-Festival im schleswig-holsteinischen Wacken erschüttert. Ein junger Mann aus Süddeutschland starb auf der Ladefläche seines Autoanhängers wahrscheinlich an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung, wie ein Polizeisprecher am Sonntag sagte. Der leitende Notarzt des Festivals sprach von einer vorläufigen Todesursache, die erst noch bei einer Obduktion bestätigt werden müsse.

Der Mann, Jahrgang 1990, war am Samstagabend gegen 17.50 Uhr von Bekannten leblos auf der Ladefläche seines Autoanhängers entdeckt worden. Er hatte sich etwa zwei Stunden zuvor im Campingbereich des Festivalgeländes zum Schlafen auf die Ladefläche gelegt.

Die Ladefläche war nach Angaben des Polizeisprechers mit einer Plane zugedeckt. Dicht am Anhänger stand das Notstromaggregat, von dem aus Gase unter die Plane strömten. Rettungskräfte versuchten 30 Minuten lang vergeblich, den Mann zu reanimieren. Auch ein früheres Eingreifen hätte dem jungen Mann wohl nicht mehr helfen können, wie es weiter von der Polizei hieß.

Bestürzung bei den Veranstaltern

Der leitende Notarzt des Festivals bezeichnete den Unfall als "tragisch". "Sehr lange" hätten die Einsatzkräfte versucht, den "klinisch toten" Mann wiederzubeleben. Wann der Mann obduziert werden soll, steht noch nicht fest. Die Leiche sei am Samstag dem Bestatter übergeben worden.

Die Veranstalter des Festivals zeigten sich bestürzt über den Unfall. "Wir sind total geschockt, für uns sind die Fans das Wichtigste", sagte Festival-Mitbegründer Thomas Jensen. Dieser Unglücksfall überschatte alles. "Wir müssen das erst einmal verarbeiten", betonte er.

Bereits 2007 hatte es auf dem Festivalgelände einen tödlichen Unglücksfall gegeben. Damals war ein Besucher im Schlamm ausgerutscht und unter einen Rettungswagen gekommen, der gerade auf dem Weg zu einem Notfall war. 2011 war der Anreiseverkehr zum Festival von einem schweren Verkehrsunfall überschattet worden, bei dem eine junge Frau getötet worden war.

292 Festivalbesucher landeten 2012 im Krankenhaus

Beim diesjährigen Wacken Open Air registrierte die Polizei unter den insgesamt etwa 100.000 Menschen (Fans, Service- und Sicherheitspersonal, Rettungskräfte) rund 430 Straftaten. Auch stellten die Beamten rund 100 Gramm Drogen sicher und nahmen drei Menschen fest. Die Veranstaltungskriminalität habe sich im Vergleich zu den Vorjahren reduziert, bilanzierte ein Polizeisprecher.

Bei der Feuerwehr waren insgesamt 650 Männer und Frauen im Einsatz und mussten 103 Mal eingreifen. Das Deutsche Rote Kreuz versorgte seit Beginn des Festivals etwa 2885 Menschen mit kleineren und größeren Verletzungen. 292 Personen wurden 2012 in Krankenhäuser gebracht - ähnlich wie im vergangenen Jahr.

Von Donnerstag bis zum frühen Sonntagmorgen hatten insgesamt 75.000 Heavy-Metal-Fans aus 35 Ländern trotz wolkenbruchartiger Regenfälle und stark verschlammter Wege in Wacken gefeiert. So waren allein am Freitag mehr als 20 Liter Regen pro Quadratmeter in einer halben Stunde auf die Besucher niedergeprasselt.

2012 war das nach Veranstalterangaben weltgrößte Heavy-Metal-Festival bereits zum siebten Mal in Folge ausverkauft. Rund 130 Bands traten auf insgesamt sieben Bühnen auf, darunter die Scorpions, Oomph! und Saxon.

Jana Werner/dapd/dkr

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