Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Waffentraining in den USA: Neunjährige tötet Schießlehrer mit Maschinenpistole

Auf einem Schießstand in Arizona hat eine Neunjährige ihren Ausbilder tödlich verletzt. Grund sei der heftige Rückstoß der Maschinenpistole gewesen, hieß es.

Dolan Springs - Eine "einzigartige 'Desert-Storm'-Atmosphäre mit militärähnlichen Bunkern" und "atemberaubender Landschaft" verspricht ein Unternehmen aus der Nähe von Las Vegas seinen Kunden. Die haben vor allem eines im Sinn: schießen. Und das können sie bei "Bullets and Burgers Adventure".

Eine große Auswahl vollautomatischer Maschinenpistolen und "Spezialwaffen" steht auf dem Schießstand zur Verfügung, etwa das halbautomatische Barrett M82-Gewehr oder die Pistole "Desert Eagle". Und solche, die schon in Hollywood-Blockbustern wie "Terminator" oder "Rambo II" benutzt wurden.

Zwischen 199 und 569 Dollar kostet der Eintritt - "das Mindestalter beträgt 8 Jahre", heißt es auf der Website. Einzige Bedingung: Kinder und Jugendliche müssen in Begleitung eines Elternteils oder eines gesetzlichen Vertreters sein.

Diese wahnwitzige Praxis hat jetzt ein Todesopfer gefordert. Wie CNN und verschiedene Lokalzeitungen berichten, erlag der 39-jährige Schießausbilder Charles Vacca am Montagabend in einem Krankenhaus in Las Vegas seinen schweren Kopfverletzungen. Ein neunjähriges Mädchen hatte aus Versehen auf ihn geschossen. Der heftige Rückschlag beim Abfeuern einer Waffe sei der Grund für das Unglück gewesen, hieß es.

Fußstellung korrigiert

Bei der Tatwaffe soll es sich laut Polizei um eine israelische Maschinenpistole, eine Uzi, gehandelt haben. Dem Sheriff von Mohave County zufolge war das Kind in Begleitung seiner Eltern, als der tödliche Unfall geschah. Die Familie soll aus dem Nordosten der USA stammen und Urlaub in Dolan Springs, rund 67 Kilometer südöstlich von Las Vegas, gemacht haben.

Das Sheriff-Büro veröffentlichte Videoaufnahmen, die offenbar kurz vor dem Unglück mit einem Handy aufgenommen wurden. Darauf ist zu sehen, wie ein in rosa Shorts und graues T-Shirt gekleidetes Mädchen mit langem Zopf versucht, die schwarze Silhouette eines Menschen auf einer Zielscheibe zu treffen. Sie hält ungelenk die Uzi in der Hand, während der Ausbilder ihr erklärt, wie die Waffe zu handhaben ist, und ihre Fußstellung korrigiert. Das Kind feuert einmal, dann aktiviert der Schießlehrer den Automatik-Modus. Das Mädchen feuert eine Salve ab und man erkennt, dass die Waffe durch die ungebremste Wucht des Rückschlags nach links ausschlägt.

Kurz darauf wurde Charles Vacca tödlich getroffen. Er stammt aus Lake Havasu City im US-Bundesstaat Arizona, soll Kriegsveteran und verheiratet gewesen sein.

"Wir haben keine Ahnung, was passiert ist", sagte ein Sprecher des Unternehmens "Bullets and Burgers". "Unsere Jungs sind darauf trainiert, den Leuten nicht von der Seite zu weichen während sie schießen." Stets würden die Trainer hinter den Kunden stehen, um im Ernstfall die Waffe ablenken zu können. Seit Gründung des Schießstands vor zwölf Jahren habe man keinen derartigen Vorfall zu beklagen gehabt, hieß es.

"Die Ermittlungen haben gezeigt, dass das Mädchen den Auslöser der automatischen Uzi betätigte, der Rückschlag die Waffe über ihren Kopf zog und das Opfer getroffen wurde", hieß es in einer Erklärung des Sheriffs.

In den Bundesstaaten Nevada und Arizona können die Betreiber von Schießständen selbst entscheiden, ob sie Minderjährigen das Schießen erlauben oder nicht. Deshalb kann auch von einem Gesetzesbruch keine Rede sein. Die Diskussion um die laxen Waffengesetze in den Staaten, die immer wieder Opfer fordern, wird nun aber zweifellos neu angefacht.

Immer wieder ereignen sich in den USA tödliche "School Shootings". Die Schießereien an Bildungseinrichtungen sind inzwischen traurige Realität - und offenbar so häufig, dass sich ein Unternehmen aus Oklahoma auf die Produktion von kugelsicheren Decken für Schulkinder verlegt hat. Erst vor kurzem hatte ein Vertreter der mächtigen US-Waffenlobby National Rifle Association (NRA) gefordert, dass Schulen Schießunterricht für Kinder anbieten müssten.

"Bullets and Burgers" erklärte, man werde nach dem tragischen Unfall die Geschäftspraxis ändern: Ab jetzt dürfen nur noch Kinder an die Waffen, die mindestens zwölf Jahre alt sind und 1,52 Meter groß.

ala

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: