Wahl des neuen Papstes: So funktioniert das Konklave

Der jetzige Papst wird zwar nicht persönlich dabei sein, wenn sein Nachfolger gewählt wird. Aber die Tatsache, dass er noch lebt, könnte das Konklave beeinflussen. Wer gewählt werden kann, was sein Nachfolger können muss, wer ihn wählt und wie die Regeln des geheimen Votums sind.

Papstwahl: So funktioniert das geheime Konklave Fotos
DPA

"Ostern sollten wir einen neuen Papst haben, das ist die Vorhersage, die wir jetzt machen können", sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi kurz nachdem Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt bekanntgegeben hat. Am 28. Februar um 20 Uhr, wenn er das Pontifikat abgelegt haben wird, beginne die Zeit der Sedisvakanz. Das Konklave, das den neuen Papst wählt, solle im März zusammengerufen werden.

Ein Konklave mit einem noch lebenden Papst - das hat es in den vergangenen Jahrhunderten nicht gegeben. Der Historiker Alberto Melloni nennt diesen Fall laut der Zeitung "La Repubblica" eine "Neuheit", die etwas Unvorhersehbares für die Papstwahl mit sich bringe. "Bisher liefen die Konklaven immer im Zeichen eines Erbes ab, das abgeschlossen und beerdigt war", sagt der Professor für die Geschichte des Christentums an der Universität Bologna-Reggio Emilia. Diesmal lebt der Papst noch. Melloni hält es für möglich, dass diese Tatsache die Wahl des neuen Papstes mitbestimmten wird.

Das Wort Konklave leitet sich vom lateinischen "cum clavis" ("mit Schlüsseln") ab. Der Terminus bezeichnet zum einen die Zusammenkunft der Kardinäle, die den neuen Papst wählen. Zum anderen ist damit der von der Außenwelt abgeriegelte Bereich im Vatikan gemeint, in dem die Kardinäle ihre Entscheidung treffen. Konkret findet die Papstwahl in der wegen der Deckengemälde Michelangelos weltberühmtem Sixtinischen Kapelle statt. Das Eingeschlossensein soll die Kardinäle vor Einflussnahme von außen schützen und eine möglichst schnelle Einigung ermöglichen.

Wer ist wahlberechtigt?

Wahlberechtigt sind alle Kardinäle unter 80 Jahren. Sie verpflichten sich zu Beginn der Versammlung zu absoluter Geheimhaltung - automatische Strafe für den Bruch des Eides ist die Exkommunikation. Ratzinger persönlich wird nicht dabei sein, wenn die Kardinäle im März zusammenkommen werden, um den neuen Papst zu wählen. Dies sagte Vatikan-Sprecher Lombardi bei einer Pressekonferenz.

Laut dem Vatikan-Experten Alberto Melloni wird der 85-Jährige dennoch die Wahl prägen. "Man kann sich kaum vorstellen, dass sich die Kardinäle nicht davon beeinflussen lassen, dass Ratzinger die Wahl seines eigenen Nachfolgers verfolgt."

Wer kann gewählt werden?

Wählbar ist jeder männliche, ledige Katholik, der die Priesterweihe empfangen kann. Seit rund 600 Jahren wählten die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle jedoch stets einen aus ihren Reihen.

Wie viel Stimmen braucht der neue Papst?

Für die Wahl gelten präzise Regeln, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder modifiziert wurden. Sie sehen vor, dass das Konklave frühestens 15 Tage, spätestens aber 20 Tage nach Tod oder Rücktritt des Kirchenoberhauptes zusammentreten muss. Der Ostersonntag fällt in diesem Jahr auf den 31. März. Soll das neue Kirchenoberhaupt also - wie angekündigt - bis Ostern gewählt sein, haben die Kardinäle bis zu etwa zwei Wochen Zeit für ihre Entscheidung.

Das Konklave wird mit einer Messe und Gebeten eröffnet. Die Kardinäle stimmen mit Stimmzetteln in geheimer Wahl ab; eine Enthaltung ist nicht erlaubt. Nötig ist eine Zweidrittelmehrheit. Nach einer von Benedikt XVI. erlassenen Regeländerung ist die Zweidrittelmehrheit zwingend - egal, wie viele Wahlgänge dafür angesetzt werden müssen. Die früheren Regeln sahen vor, dass sich die Kardinäle nach mehreren erfolglosen Wahlgängen darauf einigen konnten, statt der Zweidrittel- nur noch die absolute Mehrheit als Grenze anzusetzen.

Was muss der nächste Papst können?

Ein zukünftiger Papst muss seine Fähigkeiten in drei Bereichen unter Beweis gestellt haben: als Seelsorger, Theologe und Diplomat. Außerdem muss er italienisch sprechen, die Sprache des Vatikans. Für das höchste Amt der katholischen Kirche kann sich niemand selbst bewerben.

Die Kardinäle entscheiden völlig selbständig, wen sie aus ihren Reihen wählen. Im Übrigen ist es ihnen verboten, im Voraus Absprachen zu treffen oder Zusagen zur Wahl einer bestimmten Person zu machen.

Was passiert nach der Wahl?

Können sich die Kardinäle nicht auf einen Papst einigen, werden die Stimmzettel aus jedem Wahlgang zusammen mit einem chemischen Zusatz verbrannt, so dass schwarzer Rauch aus einem Rohr der Kapelle emporsteigt. Ist dagegen ein neuer Papst gewählt, steigt durch die Beimischung anderer Stoffe weißer Rauch auf. Außerdem läuten die Glocken des Petersdoms.

Der Kardinaldekan fragt den Gewählten, ob er das Amt annimmt und welchen Papst-Namen er tragen möchte. Die Kardinäle schwören ihm ihre Treue. Anschließend wird die Öffentlichkeit unterrichtet.

Der Kardinaldekan tritt dann auf den Hauptbalkon des Petersdoms und verkündet der Welt: "Habemus Papam!" ("Wir haben einen Papst!") Anschließend tritt der neue Papst auf den Balkon und spricht den Segen "Urbi et Orbi" ("Der Stadt und dem Erdkreis").

jus/AFP

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1. optional
artusdanielhoerfeld 11.02.2013
"Die Kardinäle schwören ihm ihre Treue." Solange er Pabst ist oder solange er lebt? Das wäre mal interessant zu erfahren.
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