Waldbrände in Israel Polizei nimmt zwei Verdächtige fest

Schon drei Tage wüten die Flammen in Israel, und die Waldbrände nehmen kein Ende. Jetzt sollen ausländische Löschflugzeuge helfen, die Feuer unter Kontrolle zu bekommen. Die Polizei hat zwei Brüder festgenommen - die Ermittler gehen aber von Fahrlässigkeit aus, nicht von Brandstiftung.

AP

Tel Aviv - Israel bekommt die verheerenden Waldbrände bisher nicht in den Griff, eine Feuerwalze zieht sich weiter durch den Norden des Landes. Inzwischen hat die Polizei zwei Verdächtige festgenommen, auf deren Konto das Feuer gehen könnte. Wie der Polizeisprecher Mickey Rosenfeld mitteilte, handelt es sich um zwei 16 Jahre alte Brüder aus dem Dord Usufija im Karmel-Gebirge.

Zunächst war die Polizei davon ausgegangen, dass der Brand absichtlich gelegt wurde. Allerdings sei es nach ersten Ermittlungen kein Fall von vorsätzlicher Brandstiftung, sondern von Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit, so Rosenfeld. Die beiden Brüder sollen in der Nähe ihres Hauses ein Feuer gemacht haben.

"Derzeit sind wir noch weit davon entfernt, die Flammen unter Kontrolle zu haben", sagte Feuerwehrchef Schimon Romah am Sonnabend im israelischen Militärrundfunk. Das Gegenteil sei der Fall: Das Feuer habe die Löschkräfte fest im Griff. Man hoffe, die Brände bis zum Abend löschen zu können, weil Arbeiten in der Nacht "sehr problematisch" seien, sagte der Sprecher der Einsatzkräfte, Joram Levy.

Die Brände weiteten sich demnach auf bisher nicht betroffene Gebiete aus. Wie die Polizei mitteilte, gingen in den Ortschaften Ein Hod, Nir Hezion und Jemin Orad mehrere Häuser in Flammen auf. Auch das von Drusen bewohnte Dorf Usufija war bedroht. Der Internetdienst ynet.com berichtete, dass Bürger die Bäume um ihre Häuser herum fällten, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Die Sicherheitskräfte sperrten alle Straßen rund um das Karmel-Gebirge, von dem das Feuer ausgegangen war.

Über 40 Tote durch die Flammen

Die mehr als 3000 Feuerwehrleute und Einsatzkräfte können aber auch erste Erfolge verbuchen. Sie stoppten das Feuer rund einen Kilometer vor Denija, einem Vorort der Großstadt Haifa.

Inzwischen traf ein russisches Löschflugzeug vom Typ Iljuschin 77 in Israel ein. Die Maschine kann 42.000 Liter Wasser transportieren. Zuvor hatten Griechenland, Frankreich, Großbritannien, Zypern und die Türkei Flugzeuge zur Unterstützung nach Israel entsandt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte sich am Donnerstag mit der Bitte um Hilfe an das Ausland gewandt, da sein Land über keine eigenen Löschflugzeuge verfügt.

Bei den schlimmsten Waldbränden in der Geschichte Israels starben bisher 43 Menschen, darunter 36 Gefängnisaufseher, deren Bus am Donnerstag ausbrannte. Die Einsatzkräfte identifizierten am Samstagmorgen die Überreste eines 16 Jahre alten Jugendlichen, der als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr versucht hatte, die Männer aus dem Bus zu befreien.

Die Flammen hatten sich rasant ausgebreitet, weil der Sommer in Israel ungewöhnlich heiß war und in der normalerweise niederschlagsreichen Herbst- und Wintersaison wenig Regen gefallen ist. Zudem fachte ein starker Wind in den vergangenen Tagen die Flammen zusätzlich an.

Der Polizei zufolge starben 43 Menschen, 17.000 mussten sich in Sicherheit bringen. Das Feuer vernichtete laut Forstbehörde bislang 34 Quadratkilometer Land mit mehr als vier Millionen Bäumen. Der Karmel-Wald ist ein beliebtes Ausflugsziel und Naturschutzgebiet.

ala/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.