Deutsche Feuerwehrleute in Schweden Mit Feuer gegen Feuer

In Schweden kämpfen Feuerwehrleute aus Niedersachsen gegen verheerende Waldbrände. Wie ist die Lage vor Ort? Der Einsatzleiter berichtet.

DPA/ Niedersächsisches Innenministerium

Ein Interview von


Griechenland, Schweden, Kalifornien: Die enorme Hitze der Sommermonate schafft weltweit Probleme. In Griechenland starben bei Waldbränden mehr als 70 Menschen, das Königreich Schweden hat angesichts der heftigen Feuer im Zentrum des Landes die Europäische Union um Unterstützung gebeten.

Am Dienstag trafen Dutzende Feuerwehrleute aus dem niedersächsischen Nienburg in Särna ein, um ihren schwedischen Kollegen unter die Arme zu greifen. Sie sollen zunächst eine Woche lang den großflächigen Waldbrand mit bekämpfen. Neben den deutschen sind auch polnische und französische Kräfte vor Ort. Am Mittwoch wurden Löschflugzeuge aus Portugal erwartet.

Die Lage ist bedrohlich - in Schweden sind in den vergangenen 20 Jahren im Durchschnitt 1900 Hektar Wald pro Jahr abgebrannt. Im laufenden Jahr sind es bereits weit mehr als 30.000 Hektar. Brandrat Martin Voß, 34, leitet den Einsatz vor Ort.

Der niedersächsische Einsatzleiter Martin Voß im Hubschrauber über dem schwedischen Einsatzort
DPA/ Niedersächsisches Innenministerium

Der niedersächsische Einsatzleiter Martin Voß im Hubschrauber über dem schwedischen Einsatzort

SPIEGEL ONLINE: Wie ist die Situation in der Provinz Dalarna, wo derzeit die größten der etwa 20 Brände in ganz Schweden wüten?

Voß: Ich habe die Region mit dem Hubschrauber überflogen, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Ein riesiges Waldgebiet ist betroffen - etwa 3500 Hektar haben gebrannt und stehen zum Teil noch in Flammen. Es gibt hier wenig Forstwege, einige Bereiche sind mit Fahrzeugen schwer zu erreichen. Deshalb sehen wir hier sechs bis sieben Löschhubschrauber ständig starten und landen, die von oben den Brand bekämpfen.

SPIEGEL ONLINE: Mit wie vielen Fahrzeugen und Kollegen sind Sie vor Ort?

Voß: Wir sind mit 52 Mann und elf Fahrzeugen hier, davon sind fünf Löschfahrzeuge, die größere Mengen Wasser an die Einsatzstellen bringen können. Insgesamt sind rund 300 Mann im Einsatz, außerdem das schwedische Militär.

SPIEGEL ONLINE: Wie groß ist die Rauchentwicklung vor Ort?

Voß: Die ist sehr stark. Wir mussten unsere Zelte 50 Kilometer vom Brand entfernt in Särna aufschlagen, weil der ursprünglich geplante Aufenthaltsort zu gefährlich war. Dadurch hat sich die Anfahrtszeit zum Einsatzort natürlich verlängert. Aber ein Waldbrand ist nun mal ein dynamisches Geschehen, wir müssen sehr schnell auf neue Entwicklungen reagieren.

SPIEGEL ONLINE: Wurde jemand verletzt?

Voß: Nein, glücklicherweise ist die Region dünn besiedelt. Man findet nur sporadisch Gehöfte, Dörfer oder Ferienhaus-Anlagen. Die schwedische Feuerwehr hat bisher verhindert, dass die Flammen auf diese Siedlungen übergreifen.

SPIEGEL ONLINE: Wie schützen sich die Einsatzkräfte?

Voß: Wir arbeiten nicht länger als sechs Stunden am Stück und bisher nur tagsüber, weil die Situation im Dunkeln zu unübersichtlich ist. Unsere Teams werden immer von einem Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes begleitet.

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Verheerende Waldbrände: Deutsche Feuerwehrleute löschen in Schweden

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Unterschiede bei der Brandbekämpfung zwischen Ihnen und den Schweden?

Voß: Ja, wir haben heute damit begonnen, an einem Berg ein Gegenfeuer zu legen - also ein kontrolliertes Feuer, das dem ursprünglichen Brand den Brennstoff, die Nahrung entzieht. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass das Feuer genau in die geplante Richtung brennt. Das ist etwas, was wir in Niedersachsen noch nie gemacht haben. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis.

SPIEGEL ONLINE: Wie klappt die Zusammenarbeit mit den schwedischen Kollegen?

Voß: Hervorragend. Wir verständigen uns überwiegend auf Englisch, es gibt aber auch schwedische Kollegen, die Deutsch sprechen. Die Arbeit läuft sehr professionell und reibungslos ab, wir hatten uns das viel schwieriger vorgestellt. Auch technische Probleme werden schnell gelöst. Vor allem die personelle Unterstützung hilft den Schweden, hier werden Leute gebraucht. Die Einsatzkräfte sind erschöpft, sie freuen sich unheimlich, dass wir da sind und sie ablösen können.

SPIEGEL ONLINE: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Brände zeitnah gelöscht werden?

Voß: Das hängt ganz wesentlich von den Wetterbedingungen ab. Wenn der Wind wieder auffrischt und die Temperaturen steigen, haben wir ein Problem. Wir hatten den Fall, dass ein Waldgebiet bereits gelöscht war und das Feuer dann während eines Gewitters von einem Blitz wieder entfacht wurde.



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echtzeitjh 26.07.2018
1. Lob für die Kreisfeuerwehr Nienburg/Weser
Der Landkreis Nienburg/Weser und seine kreisangehörigen Kommunen (und deren Feuerwehren) sind vorbildlich in Sachen Feuerwehr aufgestellt. Jedes Jahr aufs neue veranstaltet die Kreisfeuerwehr Nienburg ein Jugendzeltlager mit über 1.000 TeilnehmerInnen. Leider wird darüber fast nie berichtet - das (zeitgleich stattfindende) Zeltlager im Nachbarlandkreis Diepholz hat nämlich etwa 500 mehr TeilnehmerInnen und über das z w e i t - größte Zeltlager berichtet es sich ja nicht so schön... Auch im Landkreis Verden waren die Nienburger KameradInnen bei den kilometerweiten Böschungsbränden an der Bahn und Autobahn aktiv - weil sie hervorangend ausgestattet und motiviert ist. Im Herbst gibt es dann das offizielle Go für die neue Feuerwehr-technische-Zentrale (FTZ) in Lemke und zukünftig sind dann auch die Liegenschaften auf höchstem Niveau. Nebenbei bemerkt: Die Kreis-Nienburger KameradInnen sind allesamt EHRENAMTLICH unterwegs - selbst die monatliche Aufwandsentschädigung für den Kreisbrandmeister (< 800 EUR) werden von den (Berufs-)Feuerwehrmännern in Hamburg oder anderen Zentren sicherlich nur belächelt... DANKE für das Engagement der KameradInnen und Danke an den Landkreis Nienburg, dem Nienburger (ehrenamtlichen!!!) Kreistag und die kreisangehörigen Kommunen!
skeptizistikerin 26.07.2018
2. Freiwillige Feuerwehr
Schön, dass die Freiwillige Feuerwehr den schwedischen Kollegen hilft. Schön, dass die Arbeitgeber der Feuerwehrleute dass ermöglichen. Müssen die Feuerwehrleute für den Einsatz eigentlich Urlaub nehmen?
hr.lich-daemlich 26.07.2018
3. Hilfe
Wo steht denn das die freiwillige Feuerwehr unterwegs war? Wir haben auch eine Berufsfeuerwehr und der Artikel unterscheidet hier gerade nicht. Ansonsten gibt es Sonderurlaub für die Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten. Im Rahmen dessen kann es bis zu 20 Tage bezahlten Urlaub im Jahr geben, aber da sollte man die gesetzlichen Regelungen nochmal genauer angucken (zuletzt vor mehr als 10 Jahren damit konfrontiert). Das THW besteht ja fast nur aus freiwilligen Helfern und die fallen unter diese Regelung. Soweit ich mitbekommen habe, muss der Arbeitgeber allerdings zustimmen, aber da schauen zumeist die Organisationen schon drauf und versuchen vorrangig freie Leute zu den Einsätzen zu holen.
ericus 26.07.2018
4. Freistellung von der Arbeit
Die Freistellung von der Arbeit ist in den Brandschutzgesetzen der jeweiligen Bundesländer verankert, d.h. der AG muss dem FFAngehörigen freistellen wenn ein Einsatz ansteht oder ein Lehrgang. Der Lohnausfall wird dem AG durch den FF-Träger (z.B. Gemeinde) erstattet. Dieser Betrag ist aber gedeckelt. Schön, dass diese länderübergreifenden Einsätze offensichtlich gut funktionieren- Werbung für den Nachwuchs inklusive.
regelaltersrentner 26.07.2018
5.
Zitat von hr.lich-daemlichWo steht denn das die freiwillige Feuerwehr unterwegs war? Wir haben auch eine Berufsfeuerwehr und der Artikel unterscheidet hier gerade nicht. Ansonsten gibt es Sonderurlaub für die Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten. Im Rahmen dessen kann es bis zu 20 Tage bezahlten Urlaub im Jahr geben, aber da sollte man die gesetzlichen Regelungen nochmal genauer angucken (zuletzt vor mehr als 10 Jahren damit konfrontiert). Das THW besteht ja fast nur aus freiwilligen Helfern und die fallen unter diese Regelung. Soweit ich mitbekommen habe, muss der Arbeitgeber allerdings zustimmen, aber da schauen zumeist die Organisationen schon drauf und versuchen vorrangig freie Leute zu den Einsätzen zu holen.
Die 52 Feuerwehrleute sind alles Freiwillige. Quelle: NDR Berufsfeuerwehren haben nicht das Personal für Auslandseinsätze. https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Erster-Einsatz-Nienburger-helfen-in-Schweden,schweden1280.html
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