Feuergefahr in Deutschland "Manchmal reicht schon ein heißer Auspuff"

Seit Tagen bleibt in weiten Teilen Deutschlands der Regen aus. Die Folgen sind verheerend: Ein Funke reicht, um ein Feld in Brand zu setzen. Wo ist die Gefahr besonders hoch? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Ein Vogel setzt sich auf die Oberleitung einer Bahnlinie, löst einen Kurzschluss aus, fällt brennend zu Boden, entzündet ein trockenes Feld. Laut Polizei wurden auf diese Weise etwa sieben Hektar Land in Rostock zerstört. Ein kurioser Fall - und doch zeigt er ein Problem: Seit Tagen hat es in weiten Teilen Deutschlands nicht geregnet, Böden und Pflanzen sind trocken. Ein Funke reicht aus, um ein Feuer zu entfachen. Der Deutsche Wetterdienst warnt in vielen Regionen vor einer erhöhten Wald- und Feldbrandgefahr.

Wo ist das Risiko besonders hoch? Was kann man tun, um Brände zu vermeiden? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Kommt es öfter vor, dass ein Vogel einen Brand entfacht?

Nein. Die Fahrlässigkeit von Menschen gehöre zu den Hauptgründen für die Entstehung von Wald- und Feldbränden, sagt Silvia Darmstädter vom Deutschen Feuerwehrverband. Auch wenn die Feuerwehr keine Statistik über die Brandursachen führe, würden glimmende Zigaretten oder schlecht gelöschte Lager- und Grillfeuer öfter als Auslöser gemeldet.

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Feuergefahr: Wald und Felder brennen

Wo ist die Gefahr besonders hoch?

Die anhaltende Trockenheit lässt die Gefahr für Wald- und Feldbrände vielerorts steigen. Besonders gefährdet sind Ostdeutschland, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern, warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD).

Waldbrandgefahr in Deutschland
DWD

Waldbrandgefahr in Deutschland

Ist Besserung in Sicht?

In den meisten betroffenen Gebieten nicht - zumindest vorerst. In den nächsten Tagen bleibt es in Nord- und Ostdeutschland sonnig und trocken. "Bis Mitte nächster Woche ist aufgrund der Hochdrucklage kein Niederschlag zu erwarten", sagt Klaus-Peter Wittich vom DWD. "Die Situation bleibt extrem."

Im Süden dürfte sich die Lage wieder ein wenig entspannen. Hier kann es laut DWD vereinzelt regnen. Auch in Teilen von Niedersachsen oder Thüringen könne es zu punktuellen, kurzen Schauern kommen. Die Wald- und Feldbrandgefahr werde sich dadurch in diesen Regionen aber nicht verringern.

Wie entstehen die Brände?

Je länger eine Pflanze ohne Wasser auskommen muss, desto mehr trocknet sie aus. Fällt über Wochen kein Niederschlag, sterben immer mehr Teile der Pflanze ab und die Wurzel verliert ihre Verbindung zum Erdreich. "Vor allem an Böschungen von Zugstrecken, Grasstreifen an Autobahnen oder Feldern besteht ein hohes Risiko", sagt Meteorologe Wittich. Zündquellen mit Temperaturen ab 250 Grad könnten die vertrockneten Gräser auf dem sandigen Boden leicht entflammen. Ein Funke am Gleisbett oder am Mähdrescher reiche schon aus, um einen Brand zu entfachen.

Was fürchten Bauern?

Für manche Landwirte hat der fehlende Regen verheerende Folgen. Nach den trockenen Wochen im Mai und Juni rechnen Bauern schon jetzt mit einem Ernteausfall zwischen 20 und 50 Prozent, sagt Tino Erstling vom Landesbauernverband Brandenburg. Auch Totalausfälle werden einkalkuliert. Vor allem die Erträge von Gerste, Roggen, Weizen, Raps und Mais gehen wegen des fehlenden Niederschlages zurück.

Um ihre Felder vor dem Feuer zu schützen, betreiben manche Landwirte momentan einen enormen Aufwand: Sie nutzen spezielle Wassertankwagen, um einen Brand im Notfall selbst zu löschen. Oder sie brechen mit speziellen Maschinen die Erde auf, um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Die Felder als vorbeugende Maßnahme zu bewässern, sei für die Bauern jedoch keine Option, sagt Erstling. "Das ist zu aufwendig und zu teuer."

Wie sollte ich mich verhalten?

So einfach viele Tipps des Feuerwehrverbands sind, so oft werden sie nicht befolgt.

  • Glühende Zigaretten sollten nicht achtlos auf den Boden geworfen werden. Wer auf der Wiese oder in der Nähe eines Waldes grillt, sollte das Feuer und die glimmende Kohle anschließend sorgfältig löschen. Zudem sollte ein Feuer nur auf speziell gekennzeichneten Flächen entfacht werden.
  • Wer ein altes Auto mit Katalysator fährt, sollte nicht auf sandigen und vertrockneten Flächen parken. Denn die Katalysatoren können bis zu 800 Grad heiß werden. Fahrzeughalter mit neueren Modellen sollten auf das Parken im hohen Gras verzichten. "Manchmal reicht schon ein heißer Auspuff, um ein Feuer zu entzünden", sagt Verbandssprecherin Darmstädter.
  • Zudem gelte es beim Parken in Wald-, Wiesen- und Seegebieten, Zufahrten und Straßen freizuhalten, um den Einsatzkräften nicht den Weg zu versperren.

Wer ein Feuer oder Rauch entdecke, sollte sich nicht scheuen, die Feuerwehr zu alarmieren - selbst, wenn er sich nicht ganz sicher sei, sagt Darmstädter. "Wer aus gutem Glauben die 112 wählt, wird bei einem Fehlalarm nicht die Kosten zahlen müssen."



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